vom 19.07.2010 20:58
Schon während der sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen und auch noch an den Tagen danach wurde immer wieder Kritik am Vorgehen der Rettungskräfte, insbesondere der DLRG laut. Nach bisherigen Erkenntnissen haben aber alle Einsatzkräfte richtig gehandelt. Auch die Staatsanwaltschaft in Lübeck habe derzeit keine Anhaltspunkte, die auf eine Straftat hindeuten, machte Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schulz deutlich. Gleichwohl, so Schulz, liefen derzeit noch Ermittlungen der Kriminalpolizei. Das aber sei durchaus üblich in solch einem Fall.
Am Südstrand, einem Naturfreibad im 75 Hektar großen Großensee, überwacht die DLRG den Badebetrieb. Das Freibad ist klar auf dem Wasser abgegrenzt. „Nur für diesen Bereich ist die DLRG zuständig“,erklärt Großensees Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers (BfG). Doch die Wachgänger der DLRG sind nicht während der gesamten Öffnungszeit im Dienst. Morgens um 9.30 Uhr ist Dienstbeginn. Feuerabend ist um 18.30 Uhr. Während dieser Zeit ist mindestens ein Wachgänger auf dem Turm, einer am Steg und einer hält die Wache besetzt“, erklärt Knut Harder, Vorsitzender der DLRG Stormarn.
Zum Zeitpunkt des Unfalls am Freitag hatten die DLRG-Mitglieder trotz einer halben Stunde mehr Dienst schon Feierabend. Sie saßen im nahe gelegenen Restaurant, wo sie täglich während ihres ehrenamtlichen Einsatzes verpflegt werden. „Die hatten noch nicht einmal ihre Getränke auf dem Tisch, als der Notruf hier ankam“, sagt Olaf Thumann vom Restaurant „Zur Corbek“. Dann seien sie auch schon losgelaufen.
Vorwürfe, seine Wachgänger hätten langsam, zu langsam gehandelt und hätten Schlüssel des Bootes nicht gefunden, lässt Harder nicht gelten: „Ein Rettungsschwimmer ist direkt ins Wasser und an die Stelle geschwommen, wo der Mann untergegangen sein soll. Ein Weiterer hat das Rettungsbrett geholt und ist ihm sofort gefolgt. Eine andere Rettungsschwimmerin hat das Boot aufgerüstet, obwohl sie dafür keine Ausbildung hatte. Dazu musste sie den Tank und den Schlüssel holen und noch ein Rettungsgeschirr. Das braucht schon Zeit.“
Und auch der Ersttaucher der Hamburger Berufsfeuerwehr, der per Rettungshubschrauber an die Einsatzstelle geflogen wurde, war nur sieben Minuten nach der Alarmierung in der Luft, weitere vier Minuten später über der Einsatzstelle. Das ergibt sich aus den Einsatzprotokollen der Leiststellen.
Eine Kleinigkeit hat Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers nach dem Unglück und Gesprächen mit der DLRG doch geändert. Seit heute hängt ein Schild am Eingangsbereich, das auf die Wachzeiten der DLRG hinweist. Ansonsten verweist der Bürgermeister, wie auch DLRG-Chef Harder, auf die schon lange am Strand aufgestellten Schilder, dass jeder Badegast auf eigene Gefahr badet. An den anderen frei zugänglichen Stellen des Sees gebe es ja auch keine DLRG Überwachung, so der Bürgermeister. Dort werde auch auf eigene Gefahr gebadet. Die Crew der DLRG, die zum Unfallzeitpunkt Dienst hatte, wurde inzwischen ausgetauscht. „Wir werdern sie nicht verheizen und in Ruhe Gespräche führen, um das Geschehene aufzuarbeiten. Wir brauchen unsere Rettungsschwimmer“, sagt Harder. jeb
Christoph N. schrieb am 19.07.2010 20:33:
Endlich mal eine halbwegs objektive Berichterstattung zu dem Thema
MiLu schrieb am 19.07.2010 23:40:
Ich denke, das ganze Leben führt man auf eigene Gefahr, nicht nur baden. Ob da nun Schilder stehen oder nicht. Und - was nützt es mir, wenn ich ertrunken bin und jemand anderer war verantwortlich und nicht ich für mein Leben selbst?
Ratzeburger schrieb am 19.07.2010 23:45:
Nicht nur halbwegs objektiv, sondern damit kann man was anfangen. Die DLRG macht gute Arbeit.
Und die Kritik der letztens Tage an die DLRG von den sogenannten Ersthelfern ist ein bißchen aus der Luft geholt. Denke wohl kaum das die Leitstelle die Protokolle fälscht
Holger schrieb am 20.07.2010 13:20:
Vielen Dank für die objektive und klare Berichterstattung. Ich finde es schade, dass hier die DLRG-Rettungsschwimmer, die ja alle unentgeltlich und ehrenamtlich in ihrer Freizeit den Dienst versehen, dermaßen angegangen werden. Da scheinen sich einige Leute, die von Rettungswesen offenbar keine Ahnung haben, sich besonders wichtig machen zu wollen.
Marina H. schrieb am 21.07.2010 14:53:
Ganz genau, Christoph
Hier hört man auch einmal andere Augenzeugen, außer den beiden Jungen.
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