Warning: mysql_connect(): Too many connections in /www/www.ln-online.de/include/code/inc_get_stats_for_id.php on line 99
Helfer Andreas Häcker zurück aus Haiti: Er tröstete mit sauberem Wasser
Die Kinder in Port-au- Prince verloren schnell ihre Scheu, lachten gemeinsam mit Andreas Häcker und vergaßen so vielleicht für einen Moment all die schrecklichen Erlebnisse.
Unentwegt lärmen die Rotorblätter. Im Minutentakt landen und starten Flugzeuge. Hilfsgüter werden auf Lastwagen verladen. Schwer bewaffnete Marines patrouillieren im Flughafen von Port-au-Prince. Mitten drin in diesem organisierten Chaos steht Andreas Häcker. Er wartet auf sein Gepäck, will endlich loslegen.
Dann plötzlich fängt die Erde wieder an zu wackeln, eine kleine Propellermaschine wankt hin und her. Alles geht ganz schnell, ist vorbei, bevor der 48-Jährige THW-Helfer überhaupt realisiert was geschieht. „Das erste Nachbeben begrüßte uns ganz still und heimlich.“ Diesen Satz wird der Mitarbeiter der Stadtwerke Lübeck Wochen später in seinen Weblog schreiben.
Es ist der 17. Januar, als Andreas Häcker in Haiti ankommt. Er ist 7900 Kilometer weit von zu Hause. Die Temperatur beträgt angenehme 25 Grad. Ansonsten ist nichts angenehm.
Seit drei Tagen ist der Mann mit den verwirbelten braun-grauen Haaren unterwegs. „Wir sind von Hamburg nach Paris geflogen, dann nach Marseille“, berichtet Häcker. Gemeinsam mit 160 Kräften einer französischen Zivilschutzeinheit reist er über den großen Teich, ist nach drei Tagen in Haiti.
Jede Minute zählt. Es sind bereits fünf Tage vergangen, seit ein Erdbeben um 16.53 Uhr Ortszeit das Nachbarland der Dominikanischen Republik im Chaos versinken ließ. Es gibt tausende Tote. Die Überlebenden benötigen medizinische Versorgung, einen Platz zum Schlafen, Essen und Trinken.
Häcker soll gemeinsam mit seinen Kameraden eine Anlage zur Trinkwasseraufbereitung installieren. Doch bevor es dazu kommt, müssen die THW-Helfer ihr Camp beziehen. Es liegt auf dem Gelände eines Wasserversorgers. Ein Glückstreffer, wie sich schnell herausstellen soll. „Wir haben das Wasser direkt aus den Hydranten des Unternehmens bekommen.“ Es ist Brauchwasser, Bakterien und Pilze tummeln sich in dem Nass. Für Häcker und seine Kollegen ist das kein Problem. Sie jagen die Flüssigkeit durch die Aufbereitungsanlage, geben Chlor hinzu. Täglich produzieren die Männer mehr als 300 000 Liter Wasser, verteilen es auf Tankwagen. So sorgen sie dafür, dass die Opfer des Bebens frisches – und vor allen Dingen sauberes – Trinkwasser erhalten.
Dass dies dringend notwendig ist, wird Andreas Häcker besonders deutlich, wenn er das Camp verlässt. „Die Straßen waren voller Menschen, viele Häuser hatten Risse oder waren ganz zerstört“, erinnert sich Häcker. Leichen sieht er keine. „Ich war fünf Wochen und sechs Tage dort, habe nie Tote gesehen.“
Seiner Lebensgefährtin ergeht es anders. Sie sieht täglich Tote, Leichenberge und Verwundete. Eine Horrormeldung jagt die nächste. Doch ist Häckers Freundin gar nicht in Haiti. Sie verfolgt das Geschehen am Fernsehen, daheim im Herzogtum Lauenburg.
Andreas Häcker ist währenddessen im Dauereinsatz. Sein Arbeitstag beginnt morgens um sechs. Den ganzen Tag über bereitet er Wasser auf und weist einheimische Fachkräfte in die Abläufe ein. Acht-Stunden-Tage gibt es nicht. Vor 23 Uhr kehrt im Camp keine Ruhe ein. Ruhig ist es nie. „Die Notstromaggregate brummten permanent“, sagt Andreas Häcker. Vom wenige Kilometer entfernten Flughafen dröhnt Lärm hinüber. Tagsüber sorgen Hubschrauber für eine enorme Geräuschkulisse.
Laut, anstrengend und lang sind sie die Tage. Richtig schlimm wird vor einem gemeinsam Abendmahl. „Wir haben für ein kreolische Essen gekocht. Dann haben uns die Locals gefragt, ob das alles sei. Wenn es so wäre, würden sie lieber nichts essen und es für ihre hungernden Angehörigen mit nach Hause nehmen“, sagt Andreas Häcker. „Was soll man da sagen oder machen?“
Doch gibt es auch schöne Momente. Er lernt viele Haitianer kennen, kann schon bald „Alles wird gut“ auf kreolisch sagen. „Tòut bagay anfom“. Diesen Satz schreibt Andreas Häcker zum Abschied auf Wasserkanister und andere Behälter. Die Haitianer sind enttäuscht, dass er nach Hause fliegt. „Das war ein besonders schöner Moment, auch wenn es traurig war“, erinnert sich der braungebrannte Mann.
Am 24. Februar endet das Kapitel Haiti für Andreas Häcker. Er ist wieder im Lauenburgischen, macht eine Woche Urlaub, geht jetzt wieder zur Arbeit ins Wasserwerk, sieht Haiti nur noch im Fernsehen.
Ähnliche Meldungen im Archiv suchen 
Nach Stichwörtern:
Haiti
Helfer
Ratzeburg
Andreas Häcker
Aus dem gleichen Land (DEU)
Weitere Meldungen aus
Herzogtum Lauenburg
Heute
6 / 18 °C
aus: O
Morgen
6 / 18 °C
aus: O
|
||||||||||||||||||







