Ver.di-Proteste auch in Kiel, Flensburg und Hamburg
Fünf Prozent mehr? Bürgermeister und Landräte sagen „nein“
Drei Frauen betreuen zwei Kinder – von so einem Personalschlüssel können städtische Kitas nur träumen. Gestern beim Ver.di-Warnstreik genossen Celine (5) und Laura (3) die ungeteilte Aufmerksamkeit der drei Betreuerinnen. Die Kindertagesstätte Malenter Straße wurde bestreikt. 94 Kinder blieben zu Hause, denn die Eltern waren rechtzeitig vorgewarnt worden. Die Hauswirtschafterin musste nur für zwei Kinder kochen, eine Raumpflegerin wurde in andere Kitas umdirigiert.
„Bei uns sind die meisten Mitarbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert, die haben alle gestreikt“, erklärte Kita-Leiterin Margret Bömermann. Im vergangenen Jahr sei die Kita an zwei Tagen bestreikt worden. „Manchmal reagieren Eltern schon frustriert“, räumte die Leiterin ein. Grund zum Frust hatten auch die Autofahrer, aber nur für zehn Minuten. Gegen halb zehn zogen rund 600 öffentlich Bedienstete Transparente haltend, Fahnen schwenkend und auf Pfeifen trillernd über den Lindenplatz, die Holstenstraße hoch, über Klingenberg und Königstraße zum Schrangen. „Wir haben den Hals voll von den tarifpolitischen Tempeltänzen der Arbeitgeber“, heizte Gewerkschaftssekretärin Michele Hardege die Stimmung an. Bessere Aufstiegsmöglichkeiten, die Übernahme der Azubis, die Verlängerung der Altersteilzeit und mehr Geld fordert Ver.di.
„Wir wollen auch ein Stück vom Kuchen haben“, rief Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Ulrich Praefke. Das Argument der Kommunen, sie hätten kein Geld für eine fünfprozentige Tariferhöhung, wies Praefke zurück: „Ich bin seit 25 Jahren hauptamtlicher Gewerkschafter und höre immer die gleiche Schallplatte.“ Kräftigen Applaus gab es für den Vergleich mit der Hotelbranche. Praefke: „Die bekommen zwölf Prozent Entlastung bei der Mehrwertsteuer und ihr sollt nicht mal fünf Prozent bekommen?“
Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe, Stadtreinigung, Sana-Klinik, Wasser- und Schifffahrtsamt, Hansestadt und die Ostholsteiner Kreisverwaltung waren aufgerufen zum eintägigen Warnstreik. 350 Stadtwerker legten ihren Laden gestern lahm. Betriebsratsvorsitzender Jürgen Oelrich: „Nur Störungsdienste und Rufbereitschaft wurden aufrechterhalten.“ Besonders bitter für Kunden: Das Service-Center in der Moislinger Allee war geschlossen. Bernd Abraham, gerade nach Lübeck gezogen, wollte wichtige Papiere abgegeben, stieß sich wie etliche andere Kunden die Nase. „Ich bin ein bisschen verärgert“, sagte Abraham. Nach Unternehmensangaben sprechen einige hundert Kunden jeden Tag hier vor. Rund 150 Beschäftigte von Stadtreinigung und Fremdfirmen leisteten gestern Morgen den Winterdienst – die Hälfte der üblichen Belegschaft. Bei der Müllabfuhr blieben 4500 Restmülltonnen stehen. Die werden im Laufe der Woche entleert.
Alle Räder stehen still, weil dein starker Arm es will – diese Gewerkschaftsweisheit galt gestern in Lübeck nur bedingt. Nach Angaben des Presseamtes blieben die Altenheime völlig unbehelligt, beim Hafenamt gingen immerhin 22 in den Ausstand, während bei Naturschutz, Informationstechnik, Logistik und soziale Sicherung nur vereinzelt Beschäftigte streikten. „Ich bin enttäuscht über die geringe Beteiligung beim Stadtgrün“, räumte Gärtner Jan Wahls unumwunden ein. Nach Ver.di-Angaben sollen gestern insgesamt rund 800 öffentlich Bedienstete gestreikt haben.
Vollständig vertreten – das meldeten dagegen die Azubis der Stadtwerke. Janike Fritsch von der Jugendausbildungsvertretung: „Auch Azubis, die nicht bei Ver.di sind streiken mit.“ Die jungen Leute fordern, dass der kommunale Versorger endlich wieder Azubis nach dem Ende der Ausbildung übernehmen solle. Die 23-jährige, angehende Elektronikerin: „Derzeit werden überhaupt keine übernommen.“
Timm schrieb am 09.02.2010 07:56:
Diese Milchmädchenrechnungen und Forderungen tun schon echt weh. Die sollten froh sein, daß sie einen festen Job haben. Und 5 Erhöhung habe ich noch nie gehabt. Bei mir ist seit Jahren Stillstand. Aber ich habe einen Job. Im Gegensatz zu vielen anderen.
Mal wieder meckern auf hohen Niveau.
Andreas Asylanti schrieb am 09.02.2010 09:33:
Verdi-Bsirske war als Streikbeobachter
in der Südsee im Fall Lufthansa -
Euch gönnt er frische lübsche Winterluft -
Kämpft um den Erhalt Eurer Arbeitsplätze und darum, daß Nachwuchskräfte eingesetellt werden. Ihr sägt als Manipulationsmasse Bsirskes Euch den eigenen Ast ab....
Benno BR schrieb am 09.02.2010 13:23:
Verdi Vorstand-Großkopferde 8,5 mehr Gehalt aber auch Rückwirkend bis 2008,die Beiträge kommen ja auch Säckeweise.Ihr kleinen Verdi Beitragszahler laßt bei 5 Er-höhung noch mehr Geld fließen zur Lohnerhöhung bei Verdi-Vorstand.Denen ist das nicht mal Peinlich.Die Mitarbeiter bei Verdi sollen ja auch nur Großzügige 1,5 mehr Gehalt bekommen.Also Sreikt für den Vorstand VERDI,macht weiter so.
Meik schrieb am 09.02.2010 14:45:
@. Andreas Asylanti
Na, immerhin haben Sie wenigstens kapiert, daß es sich hier nicht um eine pauschale Lohnforderung i.H. von 5 handelt.Daß die Rentner heute u. morgen v. einer Erhöhung provitieren, verschweigen Sie - und daß diese Regierung Hoteleiers u. a. Besserverdienenden Geschenke gemacht hat - ebenfalls
Eben konservative Volksverblödung
gunnar kreuz schrieb am 09.02.2010 14:57:
@:zu:Timm
Bessere Information könnte auch Ihnen gut tun denn die betroffenen Arbeitnehmer/innen sind keine Beamte Sie haben vielfach schon lange keinen festen Job mehr, sondern Zeitarbeitsverträge. Und auch viele andere werden gemobbt, um sie loszuwerden. Es sind nämlich Arbeiter und Angestellte, die seit Jahren u. a. auch Lohnverzicht hinnehmen mußten.
Meik schrieb am 09.02.2010 15:10:
Eine Forderung in diesem Forderungskatalog von Verdi ist z.B. die garantierte Übernahme v. Ausgebildeten. ich weiß nicht, wieviel dieser Anteil v. 5 beträgt.
Aber ich frage mich ernsthaft, welche Eltern von Kindern gegen diese Forderung sein können?
Es könnendoch wohl nur Besserverdienende o. Parteiheinis mit Verbindungen f. ihre Kinder sein.
Spökenkieker schrieb am 09.02.2010 18:09:
Alle wissen aus Erfahrung, dass geforderte 5 Prozent bei 0 Angebot max. 2,5 Prozent Erhöhung bringen. Sinnvoll dürfte es auch sein, wieder eine Forderung als Festbetrag für alle zu stellen. Auch im öD wird die Einkommensschere immer größer. Der sichere Arbeitsplatz ist ein abgegriffenes Argument. Wenn es in der Witschaft brummt, hängt der öD hinten. Jeder hatte die Möglichkeit sich zu bewerben.
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