ln-online/lokales vom 30.06.2006 01:00
Datenstau beim Kreis: Auf der langen Leitung
Grevesmühlen - Die Datenleitungen, die die Ämter mit der Kreisverwaltung verbinden, sind zu schwach. Fachleute fordern dringend Abhilfe.Die Zielstellung ist eindeutig: Der Datenaustausch zwischen den Ämtern und der Kreisverwaltung in Nordwestmecklenburg soll soweit als möglich über das Internet erfolgen. Einige Voraussetzungen dafür sind bereits geschaffen. So sind beispielsweise im Geografischen Informationssystem, kurz GIS, inzwischen nahezu sämtliche geografischen Daten des Kreises erfasst.
Auf dem Rechner der Kreisverwaltung befinden sich nicht nur alle Landkarten, sondern zudem sämtliche Daten über die einzelnen Regionen, inklusive des Straßen- und Wegenetzes, der Bebauung und vieles mehr. Im September vergangenen Jahres wurde das System in Betrieb genommen, das mittlerweile von fast allen Ämtern und Behörden im Kreis genutzt wird. Lediglich die Insel Poel und das Amt Schönberger Land verzichten noch auf diesen Service.
Wobei der Service sich derzeit noch in Grenzen hält. Denn so umfassend die Karten samt Daten auch sind, der Zugriff auf die Datenbank hat einen entscheidenden Haken. "Die Ämter beispielsweise sind alle mit einer 256-KBps-Leitung verbunden, und die ist eindeutig zu klein", sagt Jürgen Debold, zuständiger Projektleiter für GIS. 256 KBps bedeutet nichts anderes, als das genau 256 Kilobyte pro Sekunde übertragen werden können. Ein Beispiel: Ein Luftbild hat bis zu 150 Megabyte. Das bedeutet, dass allein das Herunterladen eines solchen Bildes knapp anderthalb Stunden dauern würde. "Man hat leider das Pferd von hinten aufgezäumt", so Jürgen Debold, "und die Infrastruktur - sprich die Bandbreite der Datenleitungen - vernachlässigt." Lediglich das Amt Klützer Winkel verfüge als einzige Behörde über eine deutlich leistungsfähigere Datenverbindung.
So ist zwar das Ziel, sämtliche Behörden untereinander zu vernetzen, inzwischen fast erreicht worden. Nur nutzbar sind die Verbindungen kaum. Dabei ist das GIS nur der Anfang. Dass Ämter, Behörden und auch Privatleute, sofern sie denn einen Zugang haben, die Daten der Kreisverwaltung nutzen, ist nur ein kleiner Teil dessen, was in naher Zukunft per Tastendruck erledigt werden soll.
Ähnlich wie die Steuererklärung beim Finanzamt mittlerweile bequem von zu Hause aus über den Computern zu erledigen ist, so sollen auch Behördengänge durch den Rechner überflüssig werden. Die Vision der Initiatoren geht sogar so weit, dass sämtliche Anliegen auf diese Art und Weise geregelt werden könnten.
Für diejenigen, die keinen Computer besitzen, sollen Bürgerbüros in den Ämtern eingerichtet werden, von wo aus die Anliegen bearbeitet werden können. Wenn beispielsweise ein Klützer Einwohner eine Bauanfrage an den Kreis richten will, könnte er das direkt aus dem Bürgerbüro der Schlossstadt tun.
Ganz ohne persönlichen Kontakt, so versicherte Landrat Erhard Bräunig, werde es aber auch künftig nicht gehen. "Die Mitarbeiter werden sich nicht hinter den Computern verstecken."
Doch bis die Visionen umgesetzt werden können, dürften noch einige Jahre vergehen. Zudem müssen noch etliche Probleme aus dem Weg geräumt werden. "Vor allem das Land ist gefragt, um die Ämter hier finanziell zu unterstützen", so Debold.
In den letzten 7 Tagen schon 1 mal gelesen - zuletzt am 05.03.2010 um 22:42.
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