Anderthalb Wochen lang ist die Lindower Kulturscheune schon zum vierten Mal Lebensmittelpunkt für Comiczeichner aus Berlin. So um die zehn bis 15 freischaffende Künstler, Studenten und auch halbtags in fester Anstellung Arbeitende nehmen sich immer mal wieder eine Auszeit. Sie haben ihre Kinder dabei, sie schlafen in Zelten oder Wohnwagen.
Lindow haben die Comic-Zeichner als einen Ort mit kunstinteressierten Menschen für sich ausgemacht, „hier kommt es keinem komisch vor, wenn mal einer mit einem Zettel dasitzt und zeichnet“, sagt Peter Auge Lorenz, der für die Berliner Comic-Bibliothek „Renate“ in der Tucholskystraße 32 Verantwortung trägt. Sie ist auch für die gleichnamige Comiczeichnergruppe der Mittelpunkt. Sich austauschen auf der Suche nach der eigenen Ausdrucksform, sich gegenseitige Arbeiten vorlegen, Naturstudien betreiben – das gehört zum Alltag in Lindow genauso dazu, wie auch einfach nur mal „rumzuhängen“. „Das Schöne ist, wir haben hier Zeit, keine Aufträge sind zu erledigen“, verweist der 45-Jährige Berliner, der bei seinem neuerlichen Aufenthalt in Lindow feststellen musste, dass er noch nie zuvor Enten gemalt hat.
„Manchmal wird auch einfach eine Nacht durchgezeichnet“, erzählt Ulla Loge (29), die mit ihrer Zwillingsschwester Lilli nach Lindow kam. Kein Wunder, dass gestern früh gegen 10 Uhr die beiden gemeinsam mit „Auge“ Lorenz und seinen beiden Söhnen, Pamela Hartfiel (44) sowie Tochter Nia und Vincent Zurwesten (26) zu den Ersten beim Frühstück vor der Kulturscheune gehören. „Dafür frühstücken wir bis 14 Uhr“, hieß es.
„Renate“ ist nicht nur als Comicbibliothek (15 000 Comicbände gehören zum Bestand und auch umfangreiche Sekundärliteratur) der künstlerische Treffpunkt für die Zeichner, auch das Comic-Heft in immer wieder neuer Form, das die Gruppe einmal im Jahr zu einem bestimmten Themenkomplex herausgibt, trägt diesen Namen. Und: Es sei bei allen Verwandten von Renates als Geschenk geschätzt.
Bei der Nummer 18 von Heft „Renate“ ist die Truppe anno 2009 bereits angekommen und hat sich auf über 60 Seiten in der aktuellen Ausgabe comicmäßig einen Kopf zu schönen Autos und schnellen Frauen gemacht. Wie wird die Nummer 19 aussehen? „darüber tauschen wir uns gerade aus, kommt es aus der Frühstücksrunde, zu der sich inzwischen immer mehr Zeichenfreunde gesellen.
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