ln-online/lokales vom 14.07.2006 23:00
Stormarner Verein baut in Afghanistan Schulen
Für viele Kinder ist es das Größte, endlich in die Schule gehen zu können. „Afghanistan-Schulen“ gibt ihnen die Möglichkeit dazu. Foto: PRIVAT
Marga Flader, Vorsitzende des Vereins zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan, ist gerade von einem ihrer vielen Besuche in Afghanistan zurückgekehrt. "Es ist eine große Freude, unsere eigenen Projekte zu besuchen", blickt sie auf ihren mehrwöchigen Aufenthalt zurück, den sie gemeinsam mit Vereinsmitglied Ingrid Fraser machte. Denn "Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Afghanistan". In einem Land, in dem die Analphabetenrate bei fast 90 Prozent liegt.
Die Wurzeln des Vereins liegen bei Ursula Nölle (82), der heutigen Ehrenvorsitzenden. Sie ist über eine Reise nach Pakistan auf die Idee gekommen, Schulen zu errichten. Begonnen hat sie mit einer Mädchenschule, da Mädchen kaum Bildungschancen hatten. Nachdem die afghanischen Flüchtlinge von Pakistan aus wieder in ihre Heimat gingen, verlegte der Verein sein Engagement ebenfalls nach Afghanistan. "Um effektiv arbeiten zu können konzentrieren wir unsere Arbeit auf den Nordwesten Afghanistans", so Flader. Schulen entstehen und entstanden rund um Andkhoi und Mazar-i-Sharif. "Wir arbeiten eng mit der Bevölkerung zusammen", so Flader. "Sie schlagen ihre Projekte selbst vor, und wir versuchen, sie gemeinsam zu verwirklichen." Hilfe zur Selbsthilfe.
In Kabul unterhält der Verein ein Büro, Zabi Azizi ist der Büroleiter vor Ort. "Im Moment bauen wir zwei Mädchenschulen und drei Schulen für Jungs", berichtet Flader. Azizi organisiert und betreut die Projekte. Vor Ort hat der Verein seit vielen Jahren Mitarbeiter, die die Schulen bauen, Mitarbeiter, die afghanische Lehrer weiterbilden und auch 40 eigene Lehrer. "Es ist ein tolles Team geworden, wir haben nur gute Erfahrungen gemacht", freut sich die erste Vorsitzende. "Inzwischen haben wir so viele Projekte in Andkhoi und den umliegenden Dörfern, dass wir jetzt in zwei Gruppen unterwegs waren, um möglichst viele der Schulen und Kurse besuchen zu können."
Trotz vieler Projekte, es herrscht immer noch Mangel. Mangel an Lehr- und Lernmaterialien, Mangel an Heizöfen, um im Winter unterrichten zu können, Mangel an Schulmöbeln, selbst Mangel an Wasser. Und nicht zuletzt: es herrscht Mangel an gut ausgebildeten Lehrern. Nach 23 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen konnte fast eine ganze Generation keine Schule besuchen. "Die Alten unterrichten wieder", erzählt Flader. Oder junge Menschen, die selbst gerade die Schule beendet haben. "Es gibt nach wie vor ein großes Bildungsdefizit, selbst da, wo wir schon lange arbeiten." "Afghanistan-Schulen" baut deshalb jetzt auch ein eigenes Ausbildungszentrum, um junge Menschen auf ein Studium vorzubereiten. "Das sind die Menschen, die die Veränderung bringen werden."
Noch wird in einem Provisorium unterrichtet, der zweistöckige Neubau soll bald fertig sein. "150 junge Männer und Frauen besuchen täglich dieses Center, wo sie in Dari, Englisch, Mathematik, Biologie, Chemie und Physik unterrichtet werden. Das ist nötig, weil die Qualität des Unterrichts an den staatlichen Schulen aufgrund der schlechten Bezahlung der Lehrer - 60 Dollar im Monat -, der unzulänglichen Ausbildung und dem Mangel an Schulbüchern nicht ausreicht."
Im November will sie wieder in den Norden des Landes reisen, will noch mehr Projekte anschieben und sich von der guten - von gegenseitigem Respekt gekennzeichneten - Zusammenarbeit mit den Afghanen überzeugen. Für Flader ist klar: "Wenn im ganzen Land die Hilfe so gelaufen wäre, ohne Korruption und mit gegenseitigem Respekt, es wäre es jetzt wahrscheinlich ruhiger im Land." Ans Aufhören denkt sie nicht. "Wenn wir jetzt klein beigeben würden, hätten die Taliban gewonnen. Die möchten die Ausländer raus haben."
Mehr Infos über den Verein gibt es bei Marga Flader unter Telefon 040/712 24 67 oder im Internet unter http://www.Afghanistan-Schulen.de
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