ln-online/lokales vom 03.03.2010 00:00
Reinfeld: Vorbereitung auf die Flutwelle
Wie lange hält das Herrenteich-Wehr? Die Anwohner der Mühlenau halten die Angst aus. Foto: Susanne Peyronnet/Lutz Roessler
Das Hochwasser nimmt in Stormarn bedrohliche Formen an. Besonders ernst ist die Situation in Reinfeld, wo neben der ehemaligen Clausiusmühle ein provisorisches Wehr zu brechen droht. Eigentlich sollte der Neubau von Wehr und Mühlenrad längst abgeschlossen sein. Eines der neuen Tore ist auch bereits montiert. Der Durchlass für das andere ist aber immer noch nur provisorisch mit einer Doppelschalwand verschlossen. Und die droht unter dem Druck der Wassermassen vom Herrenteich zu brechen. Jenseits der Straße leckt das Wasser des Sees bedrohlich am Ufer. Dort hat das Technische Hilfswerk etliche Lagen Sandsäcke aufgeschichtet, doch unter ihnen rieselt bereits das Wasser hindurch.
Unterhalb des provisorischen Wehrs, an der sowieso schon vollgelaufenen Mühlenau, wurde gestern für den Fall eines Dammbruchs vorgesorgt: Der Lebenshilfekindergarten wurde evakuiert, alle Kinder nach Hause geschickt. „Wir haben als Ausweichquartier die Alte Schule angeboten, aber die ist nicht barrierefrei“, berichtet Bürgermeister Gerhard Horn (parteilos). Die Eltern hätten daraufhin die Betreuung ihrer Kinder organisiert. Auch heute bleibt der Kindergarten noch geschlossen, wie es weiter geht, ist unklar.
Den Bewohnern der beiden letzten Häuser an der Eichbergstraße wurde nahegelegt, nicht mehr zu Hause zu übernachten. „Wir haben alles, was machbar war, nach oben getragen“, berichtete gestern Vormittag der Onkel von Stefanie Dehhani. Sie lebt mit ihrer Mutter in einem hübschen blauen Schwedenhaus am unteren Ende der Eichbergstraße. Ihr Garten reicht bis zur Mühlenau, der Höhenunterschied ist nicht allzu groß. Schon jetzt schießt das Wasser gurgelnd und schmutzig am Gartensaum vorbei. Stefanie Dehhani und ihre Mutter kommen vorübergehend beim Onkel unter.
Ein paar 100 Meter weiter, am Kalkgraben, richten sich die Anwohner ebenfalls auf das Hochwasser ein. Es steht schon jetzt bis an die Grundstücksgrenze, dort staut sich das Wasser zurück, das von der Mühlenau nicht in die ebenfalls über die Ufer getretene Trave abfließen kann. Im letzten Haus auf der linken Seite wohnt Annie Lipphardt. „Der Bürgermeister war hier und hat uns gebeten, alles wegzuräumen“, berichtet sie. Dabei sei ihr Gartenhäuschen noch nie überflutet worden. Allerdings: So ein Hochwasser, wie es jetzt herrscht, hat sie lange nicht mehr gesehen.
Angesichts der ernsten Lage hat Bürgermeister Horn Reinfelds Gemeindewehrführer Torben Struck hinzugezogen. Allen Hoffnungen, die Flut ließe sich mit Pumpen in Schach halten, erteilt Struck eine Absage: „Abpumpen? Wohin denn?“ Rund um Reinfeld und entlang der Trave hat sich die Landschaft inzwischen in die „Stormarner Seenplatte“ verwandelt.
See statt Fluss auch in Heidekamp, wo die Heilsau ihr Bett verlassen und die benachbarten Wiesen geflutet hat. Gefahr herrscht dort keine. „Die Gebäude liegen alle hoch genug“, sagt Bürgermeister Sven Müller (CDU). Aber er weiß von seinen Eltern: „So ein Hochwasser ist sehr ungewöhnlich. Dass es so hoch steht, haben sie auch noch nicht erlebt.“
In den letzten 7 Tagen schon 10 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 20:09.
Frank Meyer schrieb am 03.03.2010 20:47:
Quo vadis? Wetter wo willst du hin?
Wie in Reinfeld und Heidekamp, so auch in Zarpen.
Die Heilsau ist längst über die Ufer getreten. Wiesen stehen unter Wasser und nähern sich auch in Zarpen einigen Häusern. Allerdings ist die Lage hier etwas entspannter, liegen die Häuser hier doch etwas höher. Die gerade erst neu angelegte K111 ist jedoch gefährdet.
Die Seitengräben führen enorm viel Wasser.
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