Statt ins Halbfinale einzuziehen, geht es jetzt wieder gegen den Abstieg. Deutschlands Damen bleiben damit die Fahrstuhlmannschaft.
Zur tragischen Figur wurde Sabine Lisicki. Die Berlinerin verlor beide Einzel. Nach der überraschenden 6:2, 4:6, 2:6-Niederlage gegen Iveta Benesova stand sie auch am Sonntag gegen Kvitova nach Power-Tennis und dem Gewinn des ersten Satzes (7:6) in den weiteren Durchgängen auf verlorenem Posten (4:6, 1:6). „Ich habe die Big Points nicht gemacht. Irgendwann aber werde ich genau diese Punkte holen“, sagte Lisicki trotzig.
Die beiden Schleswig-Holsteinerinnen Julia Görges (Bad Oldesloe) und Angelique Kerber (Kiel) machten vieles richtig, aber es reichte trotzdem nicht. Görges zeigte gegen Kvitova eine bärenstarke Leistung. Super-Einstellung, großer Kampf, tolle Schläge. Die 23-Jährige hatte Kvitova am Rand einer Niederlage, aber eben nur am Rand (6:3, 3:6, 8:10). „Das war ein Weltklasse-Match“, lobte Teamchefin Barbara Rittner. „Sie kann stolz sein.“ Görges kämpfte zunächst mit den Tränen, blickte dann aber schnell nach vorn: „Das Spiel gegen Kvitova wird mir einiges geben und zeigt mir, dass ich die Nummer zwei der Welt schlagen kann.“
Die Stormarnerin durfte auch im abschließenden Doppel mit Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) ran. Das Ergebnis (3:6, 6:7 gegen Lucie Hradecka/Barbora Zahlavova Strycova) hatte nur noch statistischen Wert.
Für den einzigen deutschen Punkt sorgte Angelique Kerber, als beim Stand von 0:3 bereits alles schon entschieden war. Die Kielerin besiegte Lucie Hradecka 6:4, 6:4. Beim Abendessen im Stuttgarter Hotel Garden Inn meinte sie: „Man hat gesehen, was wir für einen tollen Teamgeist haben. Wir müssen einfach das Positive von diesem Wochenende mitnehmen. Dann wird es schon.“
Lisicki, Görges, Kerber werden trotz der Riesenenttäuschung auch weiter zum Fed-Cup-Team gehören. Dazu kommt hoffentlich bald die Nummer 1, Andrea Petkovic, die wegen eines Ermüdungsbruches im unteren Rückenbereich pausieren muss. Die Darmstädterin feuerte von der Bank aus die Mädels an, vergebens. „Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man die Nummer eins wird, kann das zu einer ganz neuen Situation führen. Bei mir war das ähnlich“, fühlte Petkovic mit ihrer Kollegin Lisicki.
Vielleicht stößt demnächst noch eine dritte Schleswig-Holsteinerin zum Team. Die gebürtige Bad Segebergerin Mona Barthel, auf Position 43 der Welt geklettert, steht auf dem Sprung. Gegen Tschechien hatte sich Rittner noch gegen die 21-Jährige, die im Januar ihr erstes WTA-Turnier in Hobart gewann und bei den Australian Open die dritte Runde erreichte, entschieden. „Ich denke, für sie ist es ganz gut, dass sie die Erlebnisse der vergangenen Wochen erst noch ein wenig verarbeitet“, sagte Rittner.
In dieser Woche sehen sich die deutschen Top-Spielerinnen beim Turnier in Paris (637 000 Dollar) wieder. Lisicki, Görges, Kerber, dazu kommt auch Barthel. Sie musste in die Qualifikation, gewann alle drei Spiele (6:4, 6:3 – Mariya Koryttseva, 6:3, 7:5 – Julie Coin, 6:3, 6:4 – Vavara Lepchenko). Kristina Barrois (Stuttgart, WTA-Nummer 101) machte es ihr nach. Eigentlich kann sich Rittner richtig glücklich schätzen. Sie hat die Qual der Wahl. Aber manchmal kommt es – wie am Wochenende bei Lisicki – auch auf die Tagesform an.
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