Noch einmal ein letzter Applaus im Berliner Ensemble für Peter Zadek: Schauspieler wie Eva Mattes, Hannelore Hoger und Susanne Lothar haben am Sonntag den letzten Teil der dreibändigen Autobiografie des Regisseurs vorgestellt, der im Juli 2009 im Alter von 83 Jahren gestorben ist.
«Er wollte immer weiter inszenieren, so wie er immer weiterleben wollte», sagte Herausgeberin Elisabeth Plessen, die langjährige Lebensgefährtin Zadeks.
Denn «Menschen werden immer Theater spielen», war Zadek überzeugt, «weil Menschen sich immer die Geschichten des Lebens vorspielen werden». Auch wenn das Theater voller Intrigen sei, «sie sind das Zerstörerischste im Theater mit hysterischen und überkandidelten Leuten». Wieso er eigentlich dazu gekommen war, Theater zu spielen, «weiß ich auch nicht». Und ein guter Intendant sei er nie gewesen - «das hat mich furchtbar gelangweilt».
Der Band «Die Wanderjahre 1980-2009» (Kiepenheuer & Witsch) erzählt, wie Hausherr Claus Peymann betonte, «viel Schönes und Schreckliches über unseren Beruf». Die Stationen: die Freie Volksbühne Berlin, das Wiener Burgtheater, Bochum («der Erfolg dort langweilte mich langsam»), Hamburger Schauspielhaus und das St. Pauli-Theater sowie das Berliner Ensemble.
Die unterschiedlich temperamentvolle Lesung der früheren Zadek-Schauspieler, zu denen Otto Sander, Uwe Bohm, Angela Winkler und Ilse Ritter gehörten, war denn auch gefüllt mit Theater-Anekdoten und kritischen Betrachtungen. Zadek schaffte es im Gespräch mit seinem Verleger Helge Malchow, die eigentlich immer nur für den Theater-Augenblick geschaffenen Inszenierungen noch einmal lebhaft in Erinnerung zu rufen.
Dazu zählen die Turbulenzen in der Intendantenzeit Zadeks am Berliner Ensemble, die Otto Sander nicht ohne sichtliches Vergnügen las, als Zadek von 1992 bis 1995 neben Heiner Müller und Peter Palitzsch zum fünfköpfigen Leitungsteam des früheren Brecht-Theaters am Schiffbauerdamm gehörte.
Zadek ergriff schließlich die Flucht vor allem vor dem 2001 gestorbenen Regiekollegen Einar Schleef und dessen «sozialistisch faschistische Tendenzen» im Theater, die Zadek in den «Brüll-, Schrei- und Trampel-Orgien mit SS-Figuren» sah. Heiner Müller nannte Zadek und Schleef damals «den größtmöglichen Zusammenprall im Theater». Allerdings musste Zadek zähneknirschend den Erfolg Schleefs mit der Uraufführung von Rolf Hochhuths «Wessis in Weimar» (gegen den Protest des Autors) anerkennen.
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