Der Weg zum Kloster Beit Dschamal nahe Jerusalem schlängelt sich durch eine malerische Landschaft. Am Rande des ungepflasterten Pfads tummeln sich Schafe inmitten violett blühender wilder Lupinen und riesiger Kakteenpflanzen.
In dieser paradiesischen Umgebung wird im Auftrag des ZDF «Das Lied der Könige» gedreht - ein neuer Krimi nach einem Roman der gestorbenen israelischen Bestsellerautorin Batya Gur. Die Hauptrolle des Chefinspektors Michael Ochajon spielt Heiner Lauterbach - wie bereits im ersten Teil «Die Seele eines Mörders», der im vergangenen November etwa fünf Millionen Zuschauer vor den Bildschirm lockte.
Das katholische Kloster dient bei den Dreharbeiten, die noch bis zum 13. Mai andauern sollen, als eindrucksvolle Kulisse für das israelische Polizeihauptquartier. Das Team dreht gerade eine Szene, in der Ochajon von seinem Vorgesetzten - gespielt von dem israelischen Schauspieler Dovale Glickman - die Leviten gelesen bekommt. «Ich mache mir Sorgen um Dich», sagt ihm der Chef mit ernstem Gesicht. Ochajon hat sich nämlich ausgerechnet in Nita (Liana Forestieri) verliebt, die Haupttatverdächtige in einem mysteriösen Mordfall.
Lauterbach fühlt sich mit der Figur des israelischen Kommissars schon sehr vertraut. «Er hat alle Tugenden, die Frauen gut finden», sagt er lächelnd. Er habe allerdings bewusst darauf verzichtet, ihn als typischen Israeli darzustellen. «Gestikulieren, laut sprechen - nein, das mache ich nicht.» Auch im Buch von Batya Gur, deren Kriminalromane in Deutschland sehr beliebt sind, sei Ochajon eher als ruhige, besonnene Figur gezeichnet. «Andererseits spiele ich ihn natürlich auch nicht wie einen Kommissar in Köln», sagt der 57-jährige Schauspieler lachend.
In dem neuen Film unter der Regie von Jorgo Papavassiliou soll Lauterbach alias Ochajon den Mord an Felix van Gelden lösen, dem Oberhaupt einer bekannten Musikerfamilie in Israel. Das Mordopfer ist der Vater von Ochajons Geliebter Nita. Weiter kompliziert wird alles dadurch, dass ein Findelkind vor Ochajons Tür abgelegt wird, um das Nita sich dann kümmert. «Durch das Baby auf dem Set entsteht ein sehr emotionaler Part in dem Film», sagt die Deutsche Astrid Posner (35), die Ochajons Assistentin spielt.
Auf dem Set arbeiten deutsche und israelische Schauspieler eng zusammen. Hannelore Hoger tritt in der Rolle von Dora Sackheim auf, einer Freundin der Familie van Gelden, die mit deren Geheimnissen gut vertraut ist. Benjamin Sadler spielt den Dirigenten Theo van Gelden, Wilfried Hochholdinger den berühmten Geiger Gabriel van Gelden. Die beiden Söhne gehören ebenso zu den Tatverdächtigen wie Nitas Ex-Mann (Bülent Sharif) und der Freund des schwulen Gabriel, gespielt von dem Israeli Oshri Sahar. Bei den Dreharbeiten sprechen die deutschen Schauspieler Deutsch und die israelischen Englisch - synchronisiert wird später.
«Das Lied der Könige» führt tief in die Welt der klassischen Musikszene in Israel, gedreht wird dabei auch an Schauplätzen in Jerusalem und Tel Aviv. «Wir wollten mal ein anderes Israel-Bild zeigen», erklärt der verantwortliche ZDF-Redakteur Günther van Endert. «Wenn man einen Krankenwagen sieht, dann nicht wegen Terroranschlägen, sondern wegen "normaler Kriminalität"», sagt er.
Der Krimi solle zur besten Sendezeit am Montagabend um 20.15 Uhr gezeigt werden, voraussichtlich in der ersten Hälfte kommenden Jahres. In dem Film werde israelische Normalität dargestellt, «als wenn es den Nahost-Konflikt nicht gäbe». Ein Krimi sei dafür perfekt geeignet, denn immerhin sei es «das populärste Genre der Deutschen», meint van Endert.
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