Die Hansehalle verließen sie als Besiegte, doch bejubelt wurden sie wie Sieger. Schwartaus Handballer hatten gegen den übermächtigen HSV Hamburg ihr Herz in die Hand genommen, so die Herzen der Handball-Fans erobert, und nach einem grandiosen Pokalduell, dem 29:36 nach famoser erster Halbzeit (11:11), allen Grund, bei der After-Game-Party im Public-Viewing-Zelt bis tief in die Nacht zu feiern.
Beim „Humba, Humba Tätärä“ oder der Polonaise im kalten Zelt (die Heizung war ausgefallen) heizten sie die Stimmung an, tanzten, hüpften, flirteten, feierten nach ihrer Klasse-Partie auch eine klasse Party. „Wer hätte gedacht, dass wir so lange Paroli bieten“, freute sich Peter Kasza, „Hamburg hat nur aufgrund seiner individuellen Klasse gewonnen, die bessere Mannschaft waren wir.“ Manni Bülow, in den 1990ern mit Wilfried Lübker das Top- Schiedsrichterpaar in der Welt, ärgerten hingegen einige Pfiffe seiner Kollegen: „Beim 18:18 war ein unberechtigter Siebenmeter gegen den VfL, der hat die Partie mit kippen lassen. Das hat der HSV gar nicht nötig, auch nicht, dass die vielen Fifty-fifty-Entscheidungen für Hamburg gepfiffen wurden.“
Vor allem aber blieb viel Lob für den VfL. Ob HSV- Trainer Martin Schwalb („Großes Kompliment. Der VfL ist sehr engagiert aufgetreten und war taktisch gut eingestellt“) oder Europameister Guillaume Gille („Der VfL hat gebrannt. Jan Schult und Tobi Mahnke haben gezeigt, warum sie beim HSV waren“) – die Anerkennung vom Bundesliga-Spitzenreiter tat gut. Und so feierten die Schwartauer bis 2.30 Uhr im Zelt, ehe sie in die Diskothek „Hüx“ umzogen.
„Das Public-Viewing-Experiment hat sich in jedem Fall gelohnt“, legte sich Geschäftsführer Sven Jonas angesichts von 625 Zeltbesuchern fest und buchte die 1000 Euro Minus, die nach Abzug aller Kosten zu Buche stehen, als „Werbung in eigener Sache“ ab, deren Erfolg sich vielleicht erst in den nächsten Monaten einstellt. „Es war ein wunderschöner Handball-Abend, und ich habe viele Gespräche mit begeisterten Fans und mit potenziellen neuen Partnern geführt.“ Insgesamt hat sich das Abenteuer Pokal mit fünf Partien ohnehin gelohnt, hat gut 45 000 Euro eingebracht.
Nach sechs Wochen Vorbereitung auf das Highlight ist nun wieder Alltag. „Wir wollen die Pokal-Euphorie mit in die Punktspiele nehmen. In 14 Tagen beim Heimspiel gegen Dessau wird sich zeigen, was davon bleibt. Es wäre schön, wenn die Hansehalle dann wieder so gut gefüllt wäre. Die Mannschaft hätte es sich verdient“, meint Jonas.
Wer vom Schwartauer Pokal-Abenteuer nicht genug bekommen hat, kann in gut vier Wochen mit einem Nachschlag rechnen. Dann soll die Pokal-DVD mit den Highlights aus allen fünf Spielen fertig sein. jek/ing
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