ln-online/lokales vom 17.03.2008 14:01
Offene Hose als Indiz: Segler starb beim "Pinkeln"
Er wollte nur mal kurz nach hinten. Dann war er weg. Beim Pinkeln über Bord in die Ostsee gefallen. Beim Deutschen Segler-Verband (DSV) geht man von sechs bis zwölf Männern aus, die jedes Jahr dieser banale wie tragische Tod ereilt. Foto: dpa
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Zusammen mit den Zeugenaussagen der Kollegen an Bord, die ihren Kameraden als vermisst gemeldet haben, vervollständigt sich dann schnell das Bild. Ohrt hat bisher drei solcher Fälle erlebt, die Dunkelziffer ist unbekannt. „Nicht jeder beim Pinkeln gestorbene Segler wird aufgefunden.“ Jedes Jahr sterben durchschnittlich zwischen sechs und zwölf Menschen bei Seeunfällen mit Booten - einige von ihnen immer wieder durch leichtsinniges Erleichtern an Deck. „Die Leute dürften nicht über Bord fallen, da sie eigentlich gesichert gehören“, sagt Jürgen Feyerabend, Leiter der Kreuzer-Abteilung beim DSV. „Wir appellieren an die Segler, dass über Bord fallen tödlich ist.“ Dies gilt gerade zu Beginn der Segelsaison, wenn die Küstengewässer sehr kalt sind. Eine Studie des Mediziners Frank Praetorius kommt zu dem Schluss, dass kaltes Wasser die Wärme 25 Mal schneller aus dem Körper zieht, als Luft derselben Temperatur. Zudem kann durch den überraschenden Sturz in eiskaltes Wasser bei den Seglern schnell eine tödliche Atemlähmung eintreten.
„Es gibt hier komplexe Kausalketten“, sagt Feyerabend. Er verweist darauf, dass Segeln aber ein ungefährlicher Sport sei. So würden jährlich hunderte Deutsche beim Baden ertrinken. „Auch Bergwandern oder Skifahren fordert weit mehr Tote.“ Man sei sich aber des Problems bewusst, dass fast jährlich „einige Segler nach Überbordfallen umkommen“. Wie viele Männer dieser banale wie tragische Tod ereilt, wird statistisch nicht festgehalten. Nach Angaben der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) starben bei Seeunfällen mit Sportbooten im Jahr 2003 sechs Menschen, dreizehn 2004, acht 2005 und zwei im Jahr 2006.
„Wenn eine Wasserleiche angespült wird, schaut man oft erstmal, ob der Hosenschlitz auf ist“, sagt Jürgen Albers von der BSU in Hamburg. Die Zahl dieser Todesfälle sei aber zurückgegangen. „Es gibt hier mittlerweile eine andere Kultur“, hat Albers beobachtet, der auch selbst passionierter Segler ist. Der Grund sind seiner Meinung nach die Frauen - gerade wenn sie mit an Bord sind. Der Mann hätte gelernt und würde mehr auf Manieren achten. „Früher wurden auch Flaschen über Bord geworfen, heute sammelt man sie und nimmt sie mit an Land.“ Zudem würde die Architektur der Boote so manchem Skipper den Toilettengang an Oberdeck von vornherein vergrätzen. „Früher konnte man sich am Aufbau gut festhalten, heute gibt es in der Regel ein flaches Deck, da gibt es gar keine Möglichkeit.“ Und wen das nicht stört, der hat - wenn er Pech hat - das ganze Schiff versaut.
Einsatzleiter Ingo Ohrt von der Wasserschutzpolizei rät bei den älteren Schiffsmodellen dazu, folgende goldene Regel zu beachten: „Eine Hand fürs Schiff und eine Hand für sich.“ Bei diesem Thema, über das in der Segler-Szene nicht gern gesprochen wird, sei immer wieder Leichtsinnigkeit festzustellen. Häufig wird der Toilettengang am Achterdeck aus Bequemlichkeit dem engen Schiffsklo vorgezogen.
Wenn dann das Boot im Sturm über die Wellen tanzt, kann auch der erfahrenste Skipper plötzlich den Halt verlieren. Vor
Beginn der Seglersaison startet die Wasserschutzpolizei nun die Initiative „Skippers Sicherheitstipps“. Der beste Schutz gegen einen Tod nach dem Toilettengang an der frischen Luft sei die Sicherung mit einer Leine, sagt Ohrt. Und das Tragen von Rettungswesten, damit der plötzliche Sturz ins Wasser nicht gleich tödlich enden muss.
In den letzten 7 Tagen schon 7 mal gelesen - zuletzt am 08.02.2010 um 19:28.
Frank Lehmann schrieb am 30.10.2008 10:35:
Dank der Spiegel-Meldung habe ich diesen Artikel jetzt gelesen und verbuche ihn in der Rubrik: Information, die ide Welt nicht braucht. Bringt doch bitte mal was über Blitzeinschläge beim Geshcäftverrichten im Freien - wäre sicher auch sehr spannend.
Tschüss aus Berlin Frank
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Von Georg Ismar, dpa
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