Der Torjäger des VfB Lübeck war einfach nur happy. Über seine Leistung, über sein Tor zum 1:0, aber besonders darüber, dass nichts mehr zwickte. Nach fast fünf Monaten Zwangspause konnte der 25-jährige Angreifer endlich wieder schmerzfrei spielen.
„Es war für mich eine Horror-Zeit“, blickt Kadah zurück. „Ich hatte Alpträume und schlaflose Nächte. Manchmal bin ich aufgestanden. Ich habe mich gefragt: Spielst du morgen wieder den großen, starken Jungen und gehst zum Training, als wenn nichts gewesen ist? Oder sagst du: Ich habe keine Kraft mehr!“
Ans Aufhören habe er aber nie gedacht. Viele Freunde halfen und unterstützten ihn. „Verliere nicht den Glauben, du packst es“, haben sie ihm immer wieder Mut gemacht. Muskuläre Probleme, hieß die erste Diagnose. Das Schambein, der Bauchmuskel, der linke Oberschenkel, alles zwickte. „Bei Fortuna Düsseldorf war ich topfit“, erzählt Kadah. In der Hinrunde 2010/11 stand er plötzlich ohne Verein da, in der Rückrunde spielte er in Oberneuland. „Das professionelle Training fehlte“, sagt Kadah. Die wahrscheinlichen Ursachen für die Verletzungen.
Mannschaftsarzt Ulf Seidel, Physiotherapeut Stefan Bark und Osteopathin Melanie Wehnert (die Lebensgefährtin von Ex-VfB-Trainer Peter Schubert) kümmerten sich besonders um den Torjäger. „Beim Doc war fast mein zweites Zuhause“, scherzt Kadah, der hofft, dass die Verletzung nicht mehr auftritt. „Einige Ärzte schließen das aus, andere sagen, dass es wiederkommen kann“, ist Kadah manchmal hin- und hergerissen.
Dabei begann seine zweite „Amtszeit“ beim VfB nach 2007/08 wie im Traum. Neun Tore nach sieben Spielen, zwei Dreier gegen Plauen und Cottbus II, ein Doppelpack im Hinspiel gegen St. Pauli II, ein Treffer gegen Kiel. Andere Klubs wie der Hallesche FC wurden auf ihn aufmerksam. Aber schon beim letzten Einsatz im alten Jahr im September gegen den Berliner AK lief er nur unter Schmerzen auf.
Vergessen, vorbei. Kadah verbreitet wieder Optimismus. „Wir werden noch reichlich Tore schießen“, ist er sich sicher. „Ich werde hoffentlich noch ein paar Mal treffen, vielleicht hole ich auch ein paar Elfer raus.“ Gestern düste er nach dem Training auf der Lohmühle noch ins Holmes Place, um weiter an seiner Fitness zu arbeiten.
Trainer Ramazan Yildirim ist überzeugt, dass Kadah „mindestens an seine alte Leistungsstärke anknüpfen kann. Deniz ist in der Mannschaft anerkannt. Das Tor gegen Pauli hat er sich verdient und wird ihm sicherlich weiter Selbstvertrauen geben“. Ein neuer Anfang ist gemacht.
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