Enttäuschung pur statt Jubelchöre in der Kathedrale des Motorrad-Rennsports: Die deutschen WM-Piloten mussten beim Grand Prix der Niederlande in Assen erstmals in dieser Saison Rückschläge einstecken.
Der Dominator der Moto2-Klasse, Stefan Bradl, stürzte drei Runden vor dem Ende und schied beim Sieg des Spaniers Marc Marquez aus. In der Achtelliterkategorie musste Sandro Cortese mit Tränen in den Augen zusehen, wie sich Maverick Viñales aus Spanien nach dem Rennabbruch wegen Regens als Sieger feiern ließ und er nur Vierter wurde. Jonas Folger, in Silverstone noch strahlender Sieger, plagte sich nach zwei Trainingsstürzen mit Schmerzen und wurde Achter. Das rennen der «Königsklasse» MotoGP entschied erstmals in seiner Laufbahn der Amerikaner Ben Spies für sich.
«Das war ein Tag, an dem man sich das Motorradfahren abgewöhnen könnte», grantelte Bradl nach seinem ersten Ausfall. Die Bedingungen waren alles andere als bikerfreundlich. «Es war nicht trocken, es war nicht nass, richtige Reifen gibt es dafür sowieso nicht, wir hatten ein Setup zum Vergessen - also so richtig daneben», beschrieb der Zahlinger das Drumherum seines Rennens.
Nach einem guten Start und zwei schnellen Runden im Regen fiel Bradl zurück, fand sich auf der langsam abtrocknenden Strecke plötzlich auf Rang 13 wieder. Dann startete er eine Aufholjagd, war bereits wieder Achter, als ihn der Sturz ereilte. «Ich weiß nicht mal so richtig, warum ich runtergefallen bin. Ich wäre schon lieber ins Ziel gekommen und hätte ein paar Punkte mitgenommen. So tut es irgendwie weh, wenn man den Nuller sieht», berichtete der 21-Jährige. Bei weiterhin komfortablen 57 Punkten Vorsprung in der WM-Wertung stellte er aber auch fest: «Es ist wohl Jammern auf hohem Niveau.»
Wenigstens die MZ-Piloten jubelten. Anthony West (Australien), als «Regenkönig» bekannt, fuhr als Vierter das beste diesjährige Grand-Prix-Ergebnis der Zschopauer ein. Max Neukirchner (Stollberg) machte nicht weniger als 29 Plätze gut und wurde Zehnter.
Unglücklich, erbost und den Tränen nahe war Cortese. Der Berkheimer hatte in der 125-Kubikzentimeter-Klasse nach einem verpatzten Start schnell seinen Rhythmus gefunden, in der siebten Runde die Führung übernommen und alles in den eigenen Händen. Dann setzte der Regen ein, und Cortese forderte als Führender regelkonform den Abbruch und einen Neustart. Doch die Rennleitung kam dem nicht nach, zog 75 Prozent des Rennens durch und beendete es erst dann.
«Das war unverschämt, und ich bin richtig verärgert. Ich habe geführt und war der absolut Schnellste im Feld. Aber das hat die Herren nicht interessiert. Ich war sicher, dass ich gewinne, habe mich wohlgefühlt», berichtete der Italo-Schwabe.
Folger konnte sein Können als Regenfahrer nicht unter Beweis stellen, nachdem er im Training gestürzt war und sich an der Hand verletzt hatte. Im Rennen fiel der Schwindegger Aprilia-Pilot zurück und kam unmittelbar vor seinem Freund Marcel Schrötter aus Pflugdorf auf Mahindra als Achter ins Ziel.
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