Auf dem Trainingsgelände der beschaulichen Sportanlage des Zweitligaclubs Floda BoIF steht Matthias Sammer meist weitab vom Trainerteam und beobachtet das Geschehen konzentriert.
Während die U 21-Junioren in der Vorbereitung auf die nächste Partie bei der Europameisterschaft ihre Runde drehen und Cheftrainer Horst Hrubesch zum Abschluss der Einheit seine Worte ans Team richtet, bleibt Sammer immer im Hintergrund. Kommentare und Analysen für die Öffentlichkeit überlässt der 41 Jahre alte DFB-Sportdirektor den sportlichen Übungsleitern, Medientermine stehen bei Sammer während der EM kaum auf der Tagesordnung. Dennoch stand der Sportdirektor in den letzten Tagen im Mittelpunkt eines Kompetenzgerangels.
Ehrgeiz, Erfolg, Kontinuität - das sind Eigenschaften, für die Europas Fußballer des Jahres von 1996 während seiner gesamten und viel zu früh beendeten aktiven Karriere stand. Die hohen Ansprüche, die Sammer selbst hat, stellt er ebenfalls an die Spieler und seine Mitstreiter im Verband. Damit ist er oft angeeckt, auch während seiner aktiven Karriere. Sammer galt früher schon als «Spielertrainer», der die Initiative übernahm und dabei sogar seine Trainer kurzfristig in den Schatten stellte.
Das ist auch als Funktionär nicht anders. Für den Erfolg riskiert Sammer auch Auseinandersetzungen innerhalb des DFB - wie jüngst nach einem brisanten Interview vor der EM-Endrunde, in dem es um die Kompetenzen und Verantwortung der U 21 ging. Auch an der Maßnahme, den früheren Trainer Dieter Eilts trotz geschaffter Qualifikation für die EM-Endrunde zu entlassen, war der Sportdirektor beteiligt. Alles immer im Sinne, die Ziele voranzutreiben, wie Sammer betont. «Wir bekennen uns zur Elite», betonte er, Maßstab sei die Weltspitze.
Seit der frühere Europameister beim DFB für die Juniorenteams von der U 15 bis U 20 allein und für die U 21 gemeinsam mit Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff verantwortlich ist, kann der Verband allerdings auch wieder Erfolge im Jugendbereich vorweisen. 16 Jahre lang hatte Deutschlands Fußball-Nachwuchs keine internationalen Titel auf dem Briefkopf. Das änderte sich im vergangenen Jahr, als die U 19-Junioren unter Horst Hrubesch in Tschechien Europameister wurden. Im Mai 2009 folgte die U 17 mit dem EM-Titelgewinn im eigenen Land. Bereits im Jahr 2007 profitierten die U 19-Junioren (EM- Halbfinale) und die U 17 mit dem damals neuen Trainer Heiko Herrlich (WM-Dritter) von den neuen Strukturen.
Für die Nachwuchsmannschaften wurden bei den Endturnieren die Bedingungen und Voraussetzungen dem A-Team angeglichen. Ein großer Stab mit medizinischer Abteilung, Psychologen, Videoanalysten - für die jungen Kicker wurden professionelle Strukturen geschaffen, auch im Medienbereich. Schließlich sind auch 16-Jährige auf dem Level schon für die Öffentlichkeit interessant. Treibende Kraft dieser Strukturveränderung war auch Sammer.
Seine Begründung ist plausibel. «10 Spieler der spanischen Nationalmannschaft, die 2008 gegen Deutschland den EM-Titel gewann, konnten zuvor im Juniorenbereich internationale Titel gewinnen. Und ich selber bin 1986 mit der U 18 in der DDR Europameister geworden, zehn Jahre später habe ich den Titel im Männerbereich gewonnen», erklärte Sammer. Das Entwicklungspotenzial der besten Talente weiter zu fördern, sei die wichtigste Aufgabe.
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