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teleschau/cd_besprechung
vom 09.07.2010 00:00
Quelle: teleschau - der mediendienst
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Neu auf CD
Pilgrim's Progress
 
Kula Shaker waren ein, zwei Jahre lang ein herrlicher Irrtum. Briten, was 1996 reichte, um zumindest für junge Leute irgendwie cool zu sein. Aber eben nicht nur Briten, sondern mental gesehen Inder. Dachte man sich damals so. Und Inder sind doch irgendwie cool, weil voll spirituell und so. Dass Frontmann Crispian Mills nicht nur in seinen Songs ("Tattva", "Govinda") herrlichen Unsinn textete, sondern auch ebensolchen erzählte, war irgendwie zusätzlich lustig. So teilte er einmal mit, Demokratie abzulehnen - man bräuchte einen "non-elected body", der die Dinge entscheide. Er rühmte gegenüber dem NME auch die Ästhetik des Hakenkreuzes - als Symbol des Hinduismus, "das Frieden, Sonne und Erleuchtung symbolisiere" und stellte Bühnenshows mit brennenden Swastikas in Aussicht. Nach zwei Alben und einer ganzen Menge Schlagzeilen lösten sich Kula Shaker im Jahr 2000 auf. Mit "Pilgrim's Progress" erscheint jetzt das zweite Album des zweiten Karriereabschnitts.

2005 hatte Mills Kula Shaker für eine Tour wieder ins Leben gerufen - und offenbar Gefallen daran gefunden, zwar nicht mehr ganz oben, aber doch im gesunden Mittelfeld mitzuspielen. Es folgte mit "Strangefolk" 2007 das dritte Album der Band. Die musikalischen Wegmarkierungen verschob er ein wenig. Endgültig weg vom Pop, der eigentlich nur zwei, drei Songs des Debüts prägte, hin zu einem Mix aus Psychedelic und Rock. Nicht unangenehm, aber etwas altmodisch. Indien spielte eine geringere Rolle, was immens beruhigend ist. "Pilgrim's Progress" setzt diesen Weg fort.

Verhuschte Folk-Fingerübungen treffen auf Zombies-Harmonien, kraftmeierische Gitarren und angenehm wummernde Hammondorgeln, Mills singt eine Idee phrasierter als früher. In einigen Momenten ist das schön, etwa im Opener "Peter Pan RIP" mit seinen Streichern oder dem herrlich nöligen "Modern Blues". An anderer Stelle klingt das reichlich überflüssig, werden die Referenzen zu offensichtlich zitiert. Das wird eingefleischte Fans von Mills - und von denen gibt es gar nicht so wenige - nicht stören. Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte die Platte Kula Shaker aber nicht bescheren.
Pilgrim's Progress
Kula Shaker
09.07.2010
Warner
Rock/Pop
Rock
Warner
Warner
5018791121113
überzeugend

Jochen Overbeck

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