Beim ersten "Final Fantasy"-Ableger für PS3 und Xbox 360 wagten die Entwickler von Square Enix eine Neuausrichtung. Teil 13 war schlanker, schicker und geradliniger als die Vorgänger - und dadurch auch ein wenig abwechslungsärmer. Das hat nicht jeden Fan der ebenso episch wie kitischig inszenierten Rollenspielreihe glücklich gemacht - weshalb Square Enix nun nachlegt: Abermals schlägt's 13 im "Final Fantasy"-Universum.
Statt einen waschechten 14. Teil zu liefern, bemühen die japanischen Entwickler noch einmal das Universum der letzten Episode. Das hat den Vorteil, dass auf ein stattliches Sammelsurium bereits vorhandender Grafiken, Charaktere und Monster zurückgegriffen werden konnte, die ohne viel Aufhebens aus dem Vorgänger importiert wurden - ebenso wie das Kampfsystem und andere erprobte Spielmechanismen, die zwar überholt, aber nicht grundlegend verändert wurden. Allerdings hat das Upgrade "13-2" einen entscheidenden Nachteil: Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, dürfte es schwer haben, dem überbordenden Bildschirmgeschehen und der neuen, packenden, aber auch verwirrenden Geschichte zu folgen, in der Science-Fiction und Mythologie eine sehr eigenwillige Liaison eingehen.
"Final Fantasy 13-2" steigt wenige Jahre nach dem fulminanten Ende von Teil 13 ein und rückt die Schwester der einstigen Frontfrau Lightning in den Vordergrund. Serah ist wie erwartet deutlich zarter besaitet und hat zunächst ihre liebe Not damit, tentakelbewährte Schlabbermonster und zähnefletschende Cyber-Kreaturen zu vermöbeln. Gut für das schnucklige Manga-Mädel, dass es wieder einen Mann fürs Grobe gibt: Noel Kreiss erinnert mit brauner Wuschelfrisur, blauen Klamotten und extra-weiten, reich geschmückten Beinkleidern frappierend an den jüngeren "Kingdom Hearts"-Helden Zora und ist der Polygon gewordene Traum aller Japano- und Cosplay-Fangirls.
Zusammen mit diesem starken Beschützer reist Serah durch Raum und Zeit, um ihr verlorenes Schwesterlein wiederzufinden und ein Horror-Szenario zu verhindern, von dem Kollege Noel zu berichten weiß: Der Kämpfer kommt aus einer weit entfernten Zukunft, in der er der letzte überlebende Mensch ist.
Obwohl "Final Fantasy 13-2" durch reichlich Figuren- und Konzept-Recycling das Stigma eines Spin-Offs anhaftet, entwickelt es nach den ersten vier, fünf Warmspiel-Stunden seinen eigenen Charme. Auch wenn das Hin- und Hergespringe zwischen unterschiedlichen Epochen mitunter konfus erscheint, bietet es doch hochinteressante Einblicke in die Entwicklung verschiedenster Schauplätze, weil man sie auf diese Weise im Wandel mehr oder minder großer Zeitspannen beobachten kann.
Erfreulich sind auch die zwar dezenten, aber doch gut gezielten, chirurgischen Eingriffe ins Spielsystem: "Final Fantasy 13-2" präsentiert sich deutlich straffer, dynamischer und zugänglicher als sein Vorgänger, kommt aber auch etwas schriller, rockiger und hipper daher. Actiongepolte Spieler freuen sich obendrein über effektvolle Reaktionstests, die nach "God of War"-Art die meisten Boss-Duelle veredeln: Hat man riesige Drachen, Roboter oder Kakteenwesen per rundenbasiertem Menü-Gefecht mürbe gedroschen, muss man flink die eingeblendeten Knöpfchen drücken und genießt auf diese Weise besonders cool inszenierte Sequenzen.
Etwas unverständlich ist allerdings, wieso Square Enix wieder auf Zufallsbegegnungen setzt: Anders als in "Final Fantasy 13" zeigen sich die Feinde nicht auf Distanz - sie bauen sich plötzlich und unvermittelt vor den Helden auf. Immerhin: Wer sofort einen beherzten Spurt hinlegt, kann der Konfrontation noch aus dem Weg gehen. Oder sollte öfter auf seinen Begleiter Mogry hören. Das Knuddelwesen ist Frühwarnsystem, Waffe, Greifhaken und Sidekick in einem.
Passionierte Monsterzüchter freuen sich über den neu strukturierten Gruppenaufbau. Obwohl die Truppe auf zwei Mitglieder geschrumpft ist (Serah und Noel), stürzen sich auf Wunsch drei Kämpen in die Schlacht: In diesem Fall besetzt ein zuvor gefangenes und domestiziertes Monsterlein den dritten Platz. Dessen Fähigkeiten lassen sich ebenso ausbauen wie weitervererben: Wer möchte, startet sein eigenes Zuchtprogramm und schafft sich aus letztlich über 100 rekrutierbaren Wesen seinen Super-Begleiter.
Alles in allem ist "Final Fantasy 13-2" gelungener als der Vorgänger: Viele Probleme, die Fans und Fachpresse kritisierten, wurden bereinigt. Der einst zu lineare Verlauf wurde durch die Zeitreisen ein wenig aufgebrochen. Und neben der Haupthandlung sorgen kleine Nebenaufträge und eine ganze Glücksspiel-Stadt mit zahlreichen Mini-Games für Abwechslung vom episch ausgelegten Trip nach Walhalla. Im Gegenzug wurde die Anzahl an imposanten Zwischensequenzen deutlich reduziert. Auch ein filmischer Rückblick auf die Ereignisse des Vorgänger fehlt. Nichtsdestrotrotz erwartet Konsolenspieler ein gewohnt runder, mit 30 bis 50 Stunden umfangreicher und extrem ästhetisch visualisierter Rollenspiel-Kosmos, den sich eingefleischte Freunde japanischer Pop-Kultur und Rollenspielkost nicht entgehen lassen dürfen.
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