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teleschau/star_portraits
vom 03.02.2012 00:00
Quelle: teleschau - der mediendienst
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Heino Ferch: "Ich weiß, wie sich Arbeit anfühlt"
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Heino Ferch (Bild) spielt in Niki Steins "Vater Mutter Mörder" einen Familienvater, dessen Sohn zum Dreifachmörder wird.
Foto: ZDF / Stefan Erhard
                     

"Mein Vater hatte Fische", erinnert sich Heino Ferch. Und das war's dann auch." Nein, die besondere Beziehung zu Tieren, die kam erst in seiner neuen Heimat, einem kleinen Ort am Ammersee, wo einer von Deutschlands populärsten Schauspielern seit einigen Jahren mit Frau und Tochter ein Leben jenseits von Glamour führt. "Früh am Morgen raus, bei Wind und Wetter, und die Koppel reparieren." Auf dem Hof: Pferde natürlich, Ferch ist begeisterter Polospieler, Ziegen, Hunde, Katzen, Esel und ein Lama, das den schönen Namen "Evita Peron" trägt. "Es ist schon eine kleine heile Welt hier", lächelt Ferch zufrieden. Und ja, es ist wahr: Es kann vorkommen, dass der 48-Jährige hoch zu Ross die Brötchen holt.

In Bremerhaven ist er geboren, als Sohn eines Kapitäns. Die meiste Zeit verbrachte er als Einzelkind zusammen mit seiner Mutter. "In meiner Jugend arbeitete ich am Hafen, bekam 40 Mark für einen Tag. Am Abend tat mir alles weh, aber von dieser Zeit zehre ich bis heute. Ich weiß, wie sich Arbeit anfühlt. Und ich weiß, dass man eben nicht immer alles haben kann."

Es ist sein neuer Film, der Gedanken wie diese in ihm weckt. In "Vater Mutter Mörder" (Mo., 13.02., ZDF, 20.15 Uhr) spielt er einen Familienvater, dessen Sohn urplötzlich und scheinbar aus heiterem Himmel zum dreifachen Mörder wird. Die Eltern geben sich die Schuld, suchen verzweifelt nach Gründen. Doch sie finden sie nicht. Ferch, nicht ohne Stolz: "Wir präsentieren keine Lösung, mit der der Zuschauer danach beruhigt umschalten könnte."

Autor und Regisseur Niki Stein hat das Familiendrama auf der Basis realer Fälle inszeniert. Zusammen mit Ferch und seiner Partnerin Silke Bodenbender investierte er viel Zeit in die Entwicklung der Figuren, die hier feiner geschliffen sind als in so manch anderem ZDF-Montagsfilm. Die Mutter, die ihrem Sohn die Kekse ins Gefängnis bringt, die er so mag. Der Vater, der nicht verstehen kann, was seinen Sohn trieb und sich immer weiter entfremdet. "Klar, wer Kinder hat, denkt hier als Erstes: Hoffentlich passiert mir das nicht", sagt Ferch, der auf die Frage, was er in einer solchen Situation tun würde, entwaffnend offen ist: "Ehrlich, ich weiß es nicht."

Ferch ist zweifacher Vater und wer wissen will, welchen Wert er selbst seinen Töchtern zuvorderst mit auf den Weg geben will, bekommt eine eindeutige Antwort: "Dass man nicht immer alles haben kann. Verzicht ist wichtig. Wenn jedes Bedürfnis unmittelbar erfüllt wird, geht die Wertschätzung verloren."

Echtes Leben eben, darum gehe es. Nicht um das virtuelle, um jene "Informationsgeilheit durch Facebook und Co, die manche Kids den Boden unter den Füßen verlieren lässt". Über die Gründe dafür, dass Jugendliche wie jener aus seinem Film zunehmend die Angst vor Gewalt verlieren, kann auch Ferch nur spekulieren. "Sicher wird eine Hemmschwelle gesenkt durch die Computerspiele, durch das permanente Bewegen in extremen Parallelwelten." Gleichsam sei er selbst, erinnert er sich, mit Urängsten großgeworden, die es in der heutigen Generation so nicht mehr gibt. Der Vater abends mit Sohn vor der "Tagesschau" - Kalter Krieg. "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" als Jugendlicher gelesen und um die Berliner Disco "Sound" vorsichtig beim Schulausflug herumgeschlichen. "Klar, es wurde gekifft. Aber das war es dann auch." Und der Respekt vor dem Bedrohlichen sei ungleich größer gewesen als heute.

Dieser Vater eines Mörders war, das bestätigt Heino Ferch mit einem Nicken, sicher eine der schwersten Rollen seiner Karriere, die Mitte der 80er-Jahre ihren Anfang nahm. Nach der Zeit als Artist auf der Bühne und Kunstturner kam die Schauspielerei. Ferch studierte an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Mozarteum in Salzburg. "Ich arbeitete Tag und Nacht daran, mich kennenzulernen." Selbstzweifel eingeschlossen. "Aber mit viel Disziplin ausgestattet. Es war wie im Sport: Es hilft nicht, wenn man liegen bleibt."

"Mir waren in meiner Jugend Burt Lancaster und Gene Kelly näher als Tschechow und Schiller", gesteht er rückblickend mit einem Lächeln. Was womöglich auch so geblieben ist. Ferch ist, in übertragenem Sinne, ein Volksschauspieler. Keiner, wie man ihn früher definierte. Kein ausgewiesener Komödiant, kein Dialektredner, kein lokales Urgestein. Aber einer, der es versteht, mögliche Realitäten aus allen Schichten in großer Echtheit abzubilden.

Eine Weile lang verfolgte ihn das Image, der "deutsche Bruce Willis" zu sein. Heute zuckt Ferch bei dieser Formulierung nicht mal mehr mit den Augenbrauen. Er weiß, sie ist Geschichte, resultierend aus einer Zeit, in der er für einige "Event-Filme" wie "Der Tunnel", "Das Wunder von Lengede" und "Die Luftbrücke" engagiert wurde. "Klar war ich damals ein bisschen festgelegt. Da dachten viele: Historie? Ferch vorne! Aber Filme wie diese brachten mir auch ein großes Publikum ein." Ferch wurde populär und blieb fortan als Charakterdarsteller im Blickfeld von Zuschauern, Produzenten und Regisseuren gleichermaßen. Auch wenn er weiß, was sein Name wert ist - am Set bezeichnet er sich als Teamplayer. "Das gehört zu den wichtigsten Komponenten bei unserer Arbeit. Egal, wer du bist: Du darfst beim Dreh nicht reinrauschen wie eine Diva."

2010 und 2011 - das waren arbeitsreiche Jahre für ihn. "Spuren des Bösen", "Rottmann schlägt zurück", "Tod in Istanbul", der Zweiteiler "Verschollen am Kap". Zudem stand er für das TV-Drama "München 72" (Regie: Dror Zahavi) vor der Kamera, das das ZDF am Montag, 19. 03., 20.15 Uhr, ausstrahlt. Dazu Kino. Einen Film, wie "Vincent will Meer" hebt er da ganz besonders hervor. Ferch genießt spürbar die Möglichkeiten, die auch die große Leinwand für ihn bietet. Anders als in den 90-ern, als Deutschland vorwiegend Autorenkino und simple Komödien produzierte. "Popularität und Niveau werden heute auf selbstverständliche Weise auch im Kino zusammengebracht."

Es geht ihm, sagt er selbst, nicht immer nur um den bloßen Erfolg. Das Biopic "Max Schmeling" mit Henry Maske, in dem Ferch Schmelings Trainer spielte (ARD, Sa., 04.02., 00.30 Uhr), ging an den Kassen unter. "Und es hat trotzdem unglaublich viel Spaß gemacht. Schöne Rollen soll man spielen", sagt er und wendet sich wieder seiner schönsten zu - jener in der kleinen, heilen Welt, von der aus man bei schönem Wetter einen freien Blick über den See direkt bis zur Zugspitze hat.

Heino Ferch

Kai-Oliver Derks

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Web_Site: ZDF-Infoseite "Vater Mutter Mörder"
Web_Site: Homepage Heino Ferch
Web_Site: Kurzbiografie Heino Ferch
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