Es könnte Mirjam Weichselbrauns Schauspiel-Jahr werden. Die hübsche Moderatorin aus Österreich überrascht gleich mit drei Filmen im deutschen Fernsehen. Sie spielt im ZDF-Thriller "Die Braut im Schnee" (Mo., 27.02, 20.15 Uhr) und drehte für die ARD "Schlaflos im Dschungel". Der Film soll noch 2012 ausgestrahlt werden. Für SAT.1 schnallte sich das 30-jährige "Bravo Girl 2000" nun eine imposante Babybauch-Attrappe um und wandelt als werdende Mama etwas gemächlicher durch die Komödie "Unter Umständen verliebt" (Di., 06.03., 20.15 Uhr). Ans Kinderkriegen denkt die kesse Wahlberlinerin mit Innsbrucker Wurzeln selbst allerdings noch nicht, wie sie im Interview verrät. Tante ist Mirjam Weichselbraun dagegen umso lieber ...
teleschau: Frau Weichselbraun, wie schauspielerte es sich denn mit umgeschnalltem Babybauch?
Mirjam Weichselbraun: Es ging, weil er nicht so schwer war. Allerdings wäre mir lieber gewesen, wenn er etwas mehr Gewicht gehabt hätte.
teleschau: Warum das?
Weichselbraun: Weil ich mich dann sicher anders bewegt hätte. Das wäre eine noch größere Herausforderung gewesen. Es war dennoch eine Einschränkung. Wenn ich saß, dann saß ich halt. Wie ein Käfer. Ich brauchte für alles einen Tick länger.
teleschau: Wie reagierten andere auf die plötzlich schwangere Mirjam Weichselbraun?
Weichselbraun: Ich ging einmal mit Babybauch auf die Straße und war tatsächlich ein bisschen enttäuscht, weil eigentlich gar keine Reaktionen kamen. Ich dachte immer, warum gucken die nicht anders? Es kam eben nur mir so wahnsinnig eigenartig vor. Zumindest mich hat es sehr unterhalten, mich mal so zu sehen (lacht).
teleschau: Wie bereiteten Sie sich auf die Rolle vor?
Weichselbraun: Ich war in einem Geburtshelferkurs, sprach mit Hebammen und mit meiner Frauenärztin. Ich machte alles Mögliche, nur um dann herauszufinden, dass es nicht möglich ist, zu pauschalisieren, wie sich eine Frau während der Schwangerschaft fühlt. Das ist alles sehr individuell. Das erleichterte mich!
teleschau: Macht das Lust auf mehr?
Weichselbraun: Als wir die Szenen im Geburtsvorbereitungskurs drehten, saß ich inmitten von Frauen, die wirklich hochschwanger waren. Ich konnte wenigstens irgendwann aufstehen und meinen Bauch abnehmen. Manche waren da, glaube ich, ein bisschen neidisch. Sie erzählten mir danach, dass sie froh seien, wenn das Kind endlich da ist.
teleschau: Also keine Kinder?
Weichselbraun: Doch natürlich. Ich will auf jeden Fall Kinder und freue mich dann auch aufs Schwangersein. Aber in dieser Zeit war ich froh, dass ich das alles nur spielen musste. Ich verkläre das nicht. Kinder sind schließlich nicht nur süß, sie machen auch wahnsinnig viel Arbeit, das bekomme ich durch meine Zwillingsschwester mit. Sie hat eine vierjährige Tochter. So sehr man Kinder auch liebt und so toll sie auch sind - es ist ein 24-Stunden-Ding. Ich schaue also nicht verzückt in jeden Kinderwagen, obwohl ich mir natürlich meine Gedanken mache.
teleschau: Inwiefern?
Weichselbraun: Eine Zeitlang will jeder nur von dir wissen, was du beruflich machst. Irgendwann kippt das dann und plötzlich fragen dich alle, ob du nicht bald mal ein Kind möchtest.
teleschau: Sie wurden vergangenes Jahr 30 Jahre alt ...
Weichselbraun: Eben. Ich bin erst 30. Ich war doch gerade erst in der Schule (lacht). Das ist doch eigenartig!
teleschau: Sie fühlen sich also noch nicht erwachsen?
Weichselbraun: Ich weiß es nicht genau. Die Zeiten haben sich eben geändert. Früher hat man mit 20 geheiratet, eine Familie gegründet und das womöglich nicht hinterfragt. Unsere Generation hat einfach mehr Möglichkeiten. Wir haben die Wahl. Ich fühle mich schon erwachsen, führe mein eigenes Leben, aber vielleicht ist es ein Erwachsensein, das sich von den klassischen Vorstellungen drastisch unterscheidet.
teleschau: Sind Sie denn eine klassische Tante?
Weichselbraun: Ich glaube, es ist nicht immer leicht für meine Schwester (lacht). Neulich habe ich meiner Nichte einen Satz beigebracht, den ich im Musical "Cats" aufgeschnappt habe. "Es nützt überhaupt nichts, wenn man mit mir laut ist." Den haut sie jetzt meiner Schwester um die Ohren (lacht). Nein, im Ernst: Ich habe total viel Spaß mit ihr, und ich glaube, dass wir irgendwann mal sehr gute Freundinnen werden. Ich bin ganz verliebt in sie!
teleschau: Sie sind in nächster Zeit recht oft im TV zu sehen - aktuell im ZDF und bei SAT.1. Außerdem steht die Ausstrahlung des ARD-Films "Schlaflos im Dschungel" an. Welche Hoffnungen setzen Sie in das Jahr 2012?
Weichselbraun: Ich würde gerne mehr drehen. Ich lerne gerade sehr viel und will es bestmöglich machen. Ich verwechsele die Schauspielerei aber nicht mit der Moderation. Das sind für mich immer zwei verschiedene Jobs. Negative Kritik bleibt deshalb aber oft nicht aus. Ich schauspielere nicht einfach so, weil ich kurz mal Bock drauf habe. Ich nehme die Schauspielerei sehr ernst. Auch wenn ich in den nächsten Monaten vor allem im Österreichischen Fernsehen gebucht bin und dort sehr viel moderieren werde.
teleschau: Sie verlegen den Fokus also nicht komplett auf die Schauspielerei?
Weichselbraun: Nein, das könnte ich auch gar nicht. So viel drehe ich wirklich nicht. Es hat sich einfach so entwickelt, dass ich die Chance bekam, zu spielen. Und ich arbeite dran.
teleschau: Ist die Schauspielerei ein Herzenswunsch?
Weichselbraun: Ich moderiere immer noch wahnsinnig gerne. Das ist nichts, was ich nur mache, weil es funktioniert. Es ist ein Traumjob. Die Schauspielerei gibt mir aber manchmal noch etwas anderes. Ich glaube, man sieht mehr von mir, wenn ich schauspiele, als wenn ich moderiere. Du musst bei der Schauspielerei einfach viel mehr aus dir selbst herausholen.
teleschau: Wie schwer war es für Sie, die Branche davon zu überzeugen, dass Sie mehr sind als "nur" ein hübsches Gesicht?
Weichselbraun: Ich mache mir da gar nicht so viele Gedanken. Im Grunde muss ich doch niemanden überzeugen. Entweder die Besetzer merken, dass ich etwas kann, oder nicht. Ich gehe gern zu Castings, auch wenn es dann vielleicht nichts wird, einfach nur, um zu zeigen, dass ich mich damit beschäftige. Ich glaube, man kann nichts erzwingen. Damit will ich meine Energie nicht verschwenden.
teleschau: Haben Sie ein dickes Fell?
Weichselbraun: Kritik ist mir nie egal. Und ich habe auch kein richtig dickes Fell. Aber es gibt ein paar Dinge, die sich im Lauf der Zeit relativieren. Vieles ist doch auch nicht so wichtig, wie man es vielleicht zunächst vermutet. Wenn mich jemand blöde findet, dann ist das doch noch lange kein Problem, im Vergleich zu dem, was andere Menschen bewältigen müssen. Klar, es ist nicht immer schön, aber es wird mein Leben nicht komplett verändern.
teleschau: Sie sind in Innsbruck geboren, in Österreich verwurzelt, leben aber seit zehn Jahren in Berlin. Plagt Sie ab und an das Heimweh?
Weichselbraun: Nein, eigentlich nicht. Ich bin relativ oft in Innsbruck, habe dort mein Büro. Ich arbeite ja viel in Österreich.
teleschau: Sie brauchen also die beiden Pole in ihrem Leben?
Weichselbraun: Schon. Es ist ein bisschen wie Wurzeln und Flügel. Verwurzelt bin ich sicher in Österreich. Die Flügel brauche ich, wenn ich in Berlin unterwegs bin.
teleschau: Was beflügelt Sie an Berlin?
Weichselbraun: Es ist eine Stadt, in der du alles kannst, aber nichts musst. Sie eröffnet dir so wahnsinnig viele Möglichkeiten, ist kreativ. Die Stadt pulsiert und lässt dich, wenn du willst, auch in Ruhe. So läuft man natürlich auch Gefahr, zu versumpfen. Aber wenn man sich darauf einlässt, inspiriert sie dich. Ich finde die Leute hier wahnsinnig spannend.
teleschau: Nur der Winter in Berlin ist grauenhaft ...
Weichselbraun: Das stimmt. Es gibt sicher schönere Plätze, um den Winter zu verbringen. Aber dafür habe ich ja die Berge in Österreich.
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