Schlau ist er, der Neue. Und reichlich widerborstig. Als er ankommt bei der "SOKO Leipzig", der sogenannte "vierte Mann", da überlegt er sich, ob er nicht gleich wieder gehen soll. Dann aber dreht er sich doch noch mal auf dem Absatz um: Der Fall, um den es geht in der Folge "Auge um Auge", erfordert den ganzen Mann. Genau das Richtige für einen wie Tom Kowalski, den nun Steffen Schroeder spielt. Ein Schwerverbrecher ist in der Stadt, er hat einen Neffen, der an Leukämie leidet, nun will er ihm helfen. Und ausgerechnet da schnappt die Falle der SOKO zu. Fragt sich nur wie, und auch vielleicht: wie fair.
Tom Kowalski war V-Mann beim LKA in Chemnitz. Doch offenbar ist er ein geprügelter Hund. Vom Polizeidienst hat er die Schnauze voll. Er will nicht mehr und begnügt sich fortan mit dem Job eines Fitnesstrainers. Doch der "SOKO Leipzig" gelingt es, weil Not am Mann ist, dann doch, ihn vorübergehend zurückzuholen.
Kann ja heiter werden, wenn dieser Tom Kowalski immer alles besser weiß. Beim ersten Großauftritt jedenfalls sorgt Tom dafür, dass ein Junge die für ihn dringend notwendige Knochenmarkspende bekommt, dass aber auch der Hardcore-Verbrecher und Spender der Gerechtigkeit überliefert wird. Ungewöhnlich viel Arbeit also für einen Newcomer. Fast könnte man glauben, dass da ein neuer Platzhirsch im Kommen sei.
Doch die "SOKO Leipzig" funktioniert mit Arbeitsteilung, weiß Steffen Schroeder, der schon in vielen Krimis zu sehen war, vom "Tatort" bis zum "Kriminalist" oder "Der Alte". "So zwei, drei Folgen" werden auch später wieder auf ihn fokussiert sein, weiß er, "das passiert im Wechsel".
"Sehr oft" hat Schroeder im Film den Mörder gespielt oder "den Freund eines Mörders oder den Tatverdächtigen". Weshalb er es nun "ganz lustig" findet, "auch mal die andere Seite zu machen". Schroeder (mit "oe") sieht mit seiner rotblonden Sebastian-Vettel-Mähne jünger aus als er ohnehin ist, er wurde 1974 in München geboren.
Dass er mit den Eltern oft in die Berge ging, kam dem Schauspieler in Vilsmaiers Bergdrama "Nanga Parbat" (2010) zu Gute, wo er der Herausforderer des Gipfelstürmers Reinhold Messner war. Auch in der auf Englisch gedrehten Produktion "Der Rote Baron" (2008) tendierte er zum Heldischen, als Adjutant des legendären Fliegers. Doch auch das Theater ist Schroeders ganze Leidenschaft. Von der Folkwangschule weg wurde er nach kleineren Filmrollen für die Bühne entdeckt, kam über das Wiener Schauspielhaus ans Burgtheater. Beim Vorsprechen hatte ihm der Intendant Claus Peymann mit der Bemerkung: "Mach's wie beim Üben auf dem Zugklo" damals das Lampenfieber genommen.
Lampenfieber weiß Steffen Schroeder allerdings nach wie vor zu schätzen. "Wenn man sagt, das geht auch ohne, so bei der fünften Vorstellung vielleicht, dann ist etwas faul." Auch vor der Kamera möchte er eine gewisse Aufregung nicht missen, wenngleich er weiß: "Es werden heute stets nur noch allenfalls zwei Takes gedreht." Der zornige junge Mann mit der zugewachsenen Wuschelstirn entpuppt sich dann als alter Hase: "Früher hatte man noch doppelt so viel Zeit."
Mit den Kollegen von der SOKO hat er sich gleich auf Anhieb verstanden, bei einem ersten Meeting purzelten nur so die Ideen. Was Wunder, dass er bekundet, er habe sich "auf jeden Fall für zwei Jahre" verpflichtet. Am Wochenende fährt Schroeder, der in Potsdam wohnt, vom Drehort Leipzig nach Hause zu seiner Frau (Ute Springer ist gleichfalls Schauspielerin) und den Kindern. Die Söhne sind sieben, neun und elf Jahre alt. "Wie die Orgelpfeifen", sagt Schroeder, der mit ihnen viel Zeit verbringt, wann immer er gerade mal wieder Drehpause hat. Sie besuchen ihn auch immer wieder in Leipzig. Die Stadt findet er "total schön", die Menschen findet er "wahnsinnig nett". Das Sächsische ist er von der Großmutter aus der Oberlausitz gewohnt. "Sprich mal lustig!" hatte er als Kind zu ihr immer gesagt.
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