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teleschau/star_portraits
vom 10.02.2012 00:00
Quelle: teleschau - der mediendienst
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Justus von Dohnányi: Keine Angst vor Experimenten
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Ein Mann mit großer Bandbreite: Ab 16.02. ist Justus von Dohnányi als hinterhältiger Zoodirektor in der Kinderbuchverfilmung "Yoko" zu sehen.
Foto: 2011 Sony Pictures Releasing GmbH
             

Kürzlich in München: Vor dem altehrwürdigen Bayerischen Hof wird im Schneetreiben der rote Teppich für den 39. Deutschen Filmball ausgerollt. Und auch in den weitläufigen Fluren des Traditionshauses herrscht aufgeregtes Gewusel, das Luxushotel gleicht einem Ameisenhaufen. Justus von Dohnányi scheint sich von der Hektik nicht beeindrucken zu lassen. Betont gelassen lehnt er sich zurück und sitzt die nächsten Minuten fast regungslos da, ohne verkrampft zu wirken. "Ich mag es, wenn es ruhiger ist, ich hetze mich nicht gern", erklärt der 51-Jährige. In seinen Filmen gab der Schauspieler und Grimme-Preis-nominierte Regisseur in den vergangenen Jahren umso mehr Gas.

Binnen weniger Wochen starten nun gleich zwei Filme, in denen Justus von Dohnányi zu sehen ist: die Adaption von Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm" (22. März) und die Kinderbuchverfilmung "Yoko" (16. Februar). Auch die Dreharbeiten der Filme überschnitten sich teilweise, aber "ich wollte sie unbedingt beide machen, weil jede Figur eine neue Herausforderung für mich war".

Außerdem sind diese Rollen gute Beispiele dafür, welche Bandbreite der Sohn einer Schauspielerin und eines Dirigenten inzwischen abdeckt. Oliver Hirschbiegels Psychothriller "Das Experiment", in dem er 2001 einen grausamen, tyrannischen Gefängniswärter spielte, war seine "Eintrittskarte in die Filmwelt", legte ihn aber gleichzeitig auf die Rolle des Bösewichts fest. Um nicht vorschnell in einer Schublade zu landen, zeigte er Initiative: "Ich versuchte bewusst, dieses Image zu brechen." Elf Jahre später gibt er nun gleichermaßen brillant einen introvertierten Elektroingenieur, der in die Identität eines Fremden flüchtet ("Ruhm") und einen verschrobenen Zoodirektor, der es auf den Yeti "Yoko" abgesehen hat.

Das freundliche weiße Schneemonster, das aus Versehen aus Tibet nach Deutschland gelangt, ist einer Buchreihe des Autors Knister entsprungen. Und obwohl der zweifache Vater sich in der Kinderliteratur gut auskennt, war ihm das putzige Ungetüm nicht bekannt, bevor er das Drehbuch las. "Als Kind las ich 'Pippi Langstrumpf' und 'Räuber Hotzenplotz', als ich älter wurde 'Die drei ???'. Aber ich war keine große Leseratte, ich spielte lieber draußen", erinnert sich der gebürtige Lübecker, der auch bei seinen eigenen Kindern Wert auf das allabendliche Vorlese-Ritual legte: "Ich finde es wichtig, in jungem Alter die Fantasie anzuregen und zu füttern. Kinder begeben sich ganz naiv in Geschichten hinein, weil ihre Fantasie noch grenzenlos und ungezügelt ist."

Was seine Arbeit angeht, scheint sich der Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur diese Naivität und Neugier bis heute bewahrt zu haben. Er probiert gern Neues aus und sucht immer wieder das Extreme: Bruce Berger zum Beispiel: In den verrückten Glitzerfummel des exzentrischen Sängers schlüpfte von Dohnányi in "Männerherzen" (2009) sowie der Fortsetzung "Männerherzen und die ganz ganz große Liebe" (2011). "In dieser Rolle konnte ich richtig Gas geben. Da habe ich keine Zensur im Kopf." Der Mut hat sich gelohnt: Nicht nur, dass er für die Rolle nach "Das Experiment" zum zweiten Mal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, spricht für sich. Bruce Berger wurde zum Publikumsliebling und sein Ulkschlager "Alle Kinder dieser Erde" aus dem ersten der beiden Episodenfilme ein heimlicher Hit. Jüngst durchkreuzte von Dohnányi ein weiteres Mal die Sehgewohnheiten des deutschen Publikums: Den von der Kritik gelobten HR-"Tatort: Das Dorf" inszenierte er im vergangenen Jahr nach einem Buch von Daniel Nocke gegen alle gängigen Krimi-Konventionen irgendwo zwischen der "Rocky Horror Picture Show" und Edgar Wallace. Die Zuschauer waren irritiert, der Film hatte eine der fünf schlechtesten "Tatort"-Quoten der vergangenen zwei Jahre. Dennoch findet von Dohnányi: "Warum soll man immer den Weg gehen, den alle schon kennen?"

Am 23. März könnte er für den "Tatort" seinen ersten Grimme-Preis bekommen. Derzeit arbeitet er bereits an einem neuen Fall für den LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur). Wobei, Arbeit ist das für von Dohnányi nicht: "Wenn ich an neuen Ideen sitze und mir meine Zeit selbst einteilen kann, empfinde ich das als Hobby oder sogar als Auszeit. Erst wenn ich meine vier Wände verlasse, geht Arbeit für mich los." Seine Wohn- und Wirkungsstätte verlegte er jüngst von Hamburg nach Berlin. Als Sohn und Tochter des Studiums wegen auszogen, begann auch für ihn und seine Frau "eine neue Lebensphase".

Lebte er in der Hansestadt noch in einer Gegend, in der sich Hase und Igel gute Nacht sagen, wohnt der Mann, der die Ruhe liebt, nun ganz bewusst ziemlich zentral. "Man kann mehr sehen, sich mehr Einflüssen aussetzen, mehr Leute treffen." Nicht zuletzt war der Umzug beruflich "sinnvoll" - die Wege haben sich verkürzt und Justus von Dohnáyni kann die Arbeit noch etwas entspannter angehen. Klar, sagt er, Kostümproben, PR-Termine, Interviews könnten schnell in Stress ausarten. Sich das jedoch nicht anmerken zu lassen, ist eine Kunst, die er meisterlich beherrscht.

Justus von Dohnányi

Alexandra Petrusch

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Web_Site: Agenturseite Justus von Dohnányi
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