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teleschau/star_portraits
vom 10.02.2012 00:00
Quelle: teleschau - der mediendienst
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Sophie Wepper: Daheim ist's doch am schönsten
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"Ich bin ein Münchner Kindl - was soll ich machen?" Sophie Wepper lebte ein Jahr lang im ruppigen Berlin, jetzt ist sie seit Kurzem wieder daheim.
Foto: Tivoli Film / Nicolas Maack
         

Sophie Wepper hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Vor ziemlich genau zwölf Monaten verschlug es die Münchner Schauspielerin gemeinsam mit ihrem damaligen Freund nach Berlin. So ganz nach ihrer Fasson war das Hauptstadtleben aber nicht - und auch die Beziehung mit Maximilian Wentzler ist mittlerweile Geschichte. Niedergeschlagen wirkt die 30-Jährige aber so gar nicht, da sie just wieder daheim in München angekommen ist und einen neuen Film aus der Reihe "Mord in bester Gesellschaft" im Gepäck hat. "Der Tod der Sünde" (Samstag, 25. Februar, 20.15 Uhr, ARD) heißt er recht morbide. Aber natürlich geht's auch diesmal betont munter zu, wenn Fritz und Sophie Wepper alias Wendelin und Alexandra Winter das spielen, was sie auch im wahren Leben sind: Vater und Tochter.

teleschau: Frau Wepper, wie stehen die Chancen, dass man Sie in naher Zukunft beim Speed-Dating antreffen könnte?

Sophie Wepper: Die stehen ganz schlecht! Obwohl ich mich jetzt schon zum zweiten Mal mit dem Thema auseinandersetzte.

teleschau: Warum denn das?

Wepper: Ich musste so lachen, als ich das Drehbuch las: Die Alexandra, die ich spiele, geht ja zu Recherchezwecken zu so einer Veranstaltung. Genau dasselbe habe ich auch mal gemacht: Als ich Fernsehjournalismus studierte, musste ich eine längere Reportage abliefern. Zusammen mit einem Kommilitonen suchte ich mir das Thema "Singles und Partnersuche in der heutigen Zeit" raus. Da waren wir tatsächlich bei einem Speed-Dating zur Recherche. Das war in einem Café am Isartor.

teleschau: Nicht Ihr Geschmack das Ganze?

Wepper: Es war eine skurrile Erfahrung. Diese Typen, diese Situation ... nein wirklich! Als Amüsement kann man sich so was schon mal gönnen, aber ernsthaft ... lieber nicht.

teleschau: Aktuell haben Sie wahrscheinlich eh andere Sorgen. Sie sind im Umzugsstress, wie man hört.

Wepper: Ach, was heißt im Stress? Ausziehen ist mühsam, einziehen macht immer Spaß. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht an die Kartontürme gewöhnt. Ich war aber recht fleißig in den letzten Tagen. Es ist ein schönes Gefühl, zurück in München zu sein.

teleschau: Wohin genau hat es Sie verschlagen?

Wepper: Maxvorstadt, Nähe Königsplatz. Ein neues Viertel für mich. Da ist viel Leben vor der Tür.

teleschau: Eine lebendige Stadt ist Berlin aber auch.

Wepper: Ich lebte ziemlich genau ein Jahr in Berlin: in Kreuzberg, parallel zur Bergmannstraße. Ich zog letztes Jahr mit meinem damaligen Freund um, den es beruflich dorthin verschlagen hatte. Nachdem wir uns trennten, blieb ich noch einige Monate und schaute mir alles an. Irgendwann dachte ich: Jetzt kannst du auch zurückgehen. Mein soziales Umfeld befindet sich noch immer zum größten Teil in München.

teleschau: Ihr Ex-Freund ist DJ?

Wepper: Ich weiß nicht, wer das in die Welt gesetzt hat. Es steht zwar überall, aber tatsächlich ist er Booker bei einer Konzertagentur. Er plant und begleitet Tourneen von Bands.

teleschau: Hat er Sie oft zu Konzerten oder in Klubs mitgenommen?

Wepper: Nein, ich bin keine Klubgängerin. Berlin reizt natürlich viele wegen des tollen Nachtlebens, meine Welt ist es aber nicht. Ich gehe gerne gut essen, ich sitze gerne in Bars, am allerliebsten sitze ich aber bis tief in die Nacht mit Freunden zu Hause.

teleschau: Da war das Kreuzberger Kiezleben wahrscheinlich sehr gewöhnungsbedürftig.

Wepper: Diese Kiezstruktur hat man in München nicht, das stimmt. Andererseits widerspricht sie auf angenehme Weise dem anonymen Großstadtcharakter. Man hat in seinem Kiez zur direkten Nachbarschaft einen engeren Kontakt, als das beispielsweise in meinem Münchner Umfeld der Fall war, bevor ich wegzog. Aber im Großen und Ganzen ist mir Berlin doch zu schroff. Das ist eine raue Großstadt mit einem rauen Umgangston. Es ist alles nicht so freundlich und gemütlich, wie ich das von daheim gewohnt bin. Ich bin nun mal ein Münchner Kindl - was soll ich machen?

teleschau: Im neuen Film sieht man Sie mit dem Radl durchs schöne Alpenvorland kurven. Haben Sie beim Dreh gemerkt, was Ihnen im fernen Berlin abgeht?

Wepper: Ja, das war tatsächlich ein bisschen so. Wir drehten letzten Sommer und fuhren jeden Tag sehr früh von der Stadt raus aufs Land und abends zurück. So viele wunderschöne bayerische Sonnenauf- und -untergänge wie bei diesen Dreharbeiten habe ich selten gesehen. Es gab schon viele Momente, in denen ich dachte: Mei, es is' scho' schee in Bayern! Es war zwar nicht ausschlaggebend, aus Berlin wegzuziehen. Aber dieses Vertraute um mich herum habe ich schon sehr genossen. Es war wie ein Heimkommen auf Zeit.

teleschau: Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal zusammen mit Ihrem Vater im Urlaub?

Wepper: Da muss ich überlegen. Wenn wir zusammen arbeiten, gibt es auch drehfreie Tage, die sich wie Urlaub anfühlen. Aber dass wir wirklich zusammen verreist sind, das ist schon länger her ... ich glaube, da war ich Anfang 20, eine Schiffsreise in Griechenland.

teleschau: Haben Sie sich verstanden?

Wepper: Ja, ich habe die Reise als sehr angenehm und lustig in Erinnerung.

teleschau: Dann entspricht die ständige Frotzelei zwischen Filmvater und Filmtochter nicht der Realität?

Wepper: Eher nicht. Wir haben sicher einen humorvollen Umgang miteinander. Es ist nicht immer alles bierernst. Aber das entwickelt sich auch erst, wenn wir mehr Zeit am Stück miteinander verbringen. Da helfen die gemeinsamen Dreharbeiten: Die Gespräche werden tiefer, die Beziehung kriegt insgesamt eine andere Qualität, als wenn man sich am Telefon über organisatorische Dinge austauscht.

teleschau: Im Film sagt Ihr Vater: "Seit Du von zu Hause weg bist, krieg ich Dich kaum noch zu Gesicht."

Wepper: Sagt der Winter!

teleschau: Sagt der Wepper das manchmal auch?

Wepper: Nein, sagt er nicht. Dafür hat der Zustand einfach schon zu lange Bestand. Ich zog schon mit 18 zu Hause aus. Außerdem: Egal ob Berlin oder München, wir stehen in engem Kontakt. Es gibt selten Zeiten, in denen man sich ein paar Wochen lang gar nicht spricht. Ich denke nicht, dass er in der Hinsicht ein Defizitgefühl hat.

teleschau: Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Ihnen klar wurde, dass Sie denselben Beruf ausüben wollen wie Ihr Vater?

Wepper: Da gab es nicht einen bestimmten Moment. Ich erinnere mich, als mein Vater auf Theatertournee war, war ich fünf, sechs Jahre alt. Was ich davon mitbekam, erschien mir wie eine Zauberwelt. Von der Arbeit am Filmset konnte ich mir später auch ein Bild machen. Das war dann aber eher eine Entzauberung, denn Dreharbeiten sind eigentlich immer recht langweilig. Somit war es bei mir nie klar: Das muss es sein! Meine Eltern haben sich bei meiner Berufswahl rausgehalten. Sie sagten, sie unterstützen mich, egal in welcher Richtung. Alleine: Ich habe mir die Schauspielerei lange nicht zugetraut.

teleschau: Wann änderte sich das?

Wepper: Ich studierte eine Weile Fernsehjournalismus und spielte nebenbei kleinere Rollen. Nur aus Neugier und ohne große Ambition. Dann war das ein schleichender Prozess, dass ich merkte: Das könnte ich mir auch vorstellen. Es gab aber keinen Schlüsselmoment. Ich wünschte, es gäbe einen.

teleschau: Heißt das, dass Sie immer noch zweifeln?

Wepper: Nein, nein, nein. Meine Berufswahl steht inzwischen fest. Mit der Schauspielerei ist es aber so: Es muss einen auch jemand diesen Beruf ausüben lassen, man braucht Engagements.

teleschau: Ein hartes Brot?

Wepper: Na klar! Man stellt sich das Dasein als Schauspieler immer glamourös vor, aber das ist in Wahrheit ein knallhartes Geschäft. Dieser Beruf ist der schönste, wenn man arbeitet, und der schrecklichste, wenn man eine Zeit lang nicht beschäftigt ist und nicht weiß, wie es weitergeht. Ich bin eigentlich ein Mensch, der gerne Sicherheit hätte, aber sie kommt nun mal nicht mit diesem Beruf - er ist unberechenbar. Ich merke aber, dass ich immer besser mit den Leerlauf-Phasen umgehen kann.

teleschau: Hatte es die Generation Ihres Vaters leichter, Fuß zu fassen?

Wepper: Heute ist die Konkurrenz sicher größer, weil so viele nach ihren fünf Minuten Rampenlicht streben. Man muss auch sehen, dass mein Vater schon verdammt früh mit diesem Beruf anfing: zunächst im Kinderrundfunk, dann kam "Die Brücke". Aber ob er's einfacher hatte? Sicher war auch viel Schicksal dabei: Er sagt: Wäre sein Vater nicht im Krieg vermisst gewesen, wäre er wahrscheinlich Kinderarzt oder Anwalt geworden.

Sophie Wepper

Jens Szameit

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