Längst vergangene und verblichene Bilder von einer Zukunft: Für die Vertonung des restaurierten Stummfilm-Klassikers "Le Voyage Dans La Lune" von George Méliès engagierten die Produzenten das französische Pop-Duo Air. Eine nachvollziehbare Entscheidung: Schließlich träumten sich Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel einst mit ihren nostalgisch-retrofuturistischen Synthie-Sounds auf eine "Moon Safari" (1998), die heute zu Recht als moderner Pop-Klassiker gilt. Von der Film-Arbeit inspiriert, legen Air nun ein ganzes Album vor, das mehr als nur Soundtrack sein will.
14 Minuten dauert "Le Voyage Dans La Lune", der Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1902, der - nach Motiven der Abenteuer- und Science-Fiction-Romane von Jules Verne und H.G. Wells - die Geschichte einer Reise zum Mond erzählt. Auf dem gleichnamigen Album entwickelt sich daraus ein gut halbstündiger Trip in bekannte Air-(Atmo-)Sphären: Dunckel verschanzt sich hinter einer Armada von analogen Tasteninstrumente (Wurlitzer, Moog, Piano, Mellotron, Synthies), Godin gibt an Bass, Gitarren und Kesselpauke die Ein-Mann-Bandbegleitung. Und wie schon zu "Moon Safari"-Zeiten ebenfalls an Bord: leicht entrückte Frauenstimmen - von Beach-House-Frontfrau Victoria Legrand ("Seven Stars") und Au Revoir Simone ("Who Am I Now?") eingesungen.
Letzteres funktioniert als Song, als leicht paranoides, sanftes Schlaflied wunderbar. Die Instrumentalstücke auf "Le Voyage Dans La Lune" hingegen wandeln auf dem schmalen Grat zwischen schlafwandlerischer Schönheit ("Moon Fever") und schöner Schläfrigkeit ("Lava"). "Parade" fährt mit E-Gitarren-Antrieb gut und reißt den Hörer aus den Träumen, beim ebenfalls etwas packenderen "Sonic Armada" fiepsen die Synthies leider nervtötend wie ein lästiges Insekt. Und wer auf dem Album einen Erzählfaden sucht, wird - trotz fließender Songübergänge - kaum einen finden.
Den liefert vielleicht die Special Edition des Albums: Die CD+DVD-Version enthält als Bonusmaterial den restaurierten Filmklassiker. Eine Anschaffung, die sich definitiv lohnt. Denn ohne begleitende Bilder ist Airs Musik nur ein etwas müder, nostalgischer Traum von einer besseren, bunteren Zukunft.
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