Easy Listening ist eine äußerst dehnbare Genrebezeichnung: Das Etikett passt auf den swingenden Seichtigkeiten von James Last genauso wie auf den Soft-Pop von Songwritern wie James Taylor oder Barry Manilow. Sogar den Balladen von Elvis täte man mit dieser Einordnung nicht unrecht. Insofern ist es auch zulässig, die US-Gitarrenpop-Band Dr. Dog diesen Stempel zu verpassen. Vor allem, weil sie auf "Be The Void" die Genrebezeichnung wortwörtlich umsetzen: Dieses Album ist einfach anzuhören.
Natürlich ist der sechste Longplayer der Band aus Philadelphia nicht Easy Listening im strengeren musikalischen Sinn. Dennoch: Die Melodien des Sextetts setzen sich mit einer unfassbaren Leichtigkeit und Unangestrengtheit fest - wie ein schlimmer-guter Radio-Ohrwurm. Wohlgemerkt: die Melodien, nicht die Songs. Denn die sind alles andere als ätherlinienförmig produziert, sondern verweisen immer noch auf die ganz frühe Bastel- und Lo-Fi-Mentalität der Band. "Be The Void" klingt eher, als ob man einen Golden-Oldie-Sender mit 60er- und Früh-70er-Schwerpunkt auf einem leicht angestaubten Küchenkofferradio hören würde.
Vielleicht liegt darin auch die sofortige Eingängigkeit der Songs begründet: Dr. Dog scheinen die Tugenden dieser Ära völlig verinnerlicht zu haben. Klingt-wie-Vergleiche drängen sich nicht unmittelbar auf, vielmehr fallen ihre Melodien auf einen fruchtbaren Resonanzboden. Und während des Albumverlaufs hallt einiges wieder: leicht rumpelnd-bluesiger Folk ("Lonesome"), Classic-Rock ("Big Girl") und rhythmischer Songwriter-Softpop ("Heavy Light" erinnert an Paul Simon - so viel Vergleich darf sein), sogar gitarrenverzerrter Heavy-Funk ("Vampire"). Für die notwendige Variabilität sorgen zudem Gitarrist Scott McMicken und Bassist Toby Leaman, die sich den Gesang teilen - und von leichtfüßigem Falsett bis schwerem Raunzen alle Stimmlagen abdecken können.
Nach dieser Beschreibung könnte man Dr. Dog jetzt auch eine gewisse Beliebigkeit unterstellen. Oder Mangel an Innovation. Und das nicht mal zu Unrecht. Aber auch deswegen ist das Easy-Listening-Etikett nicht ganz ungebracht: "Be The Void" geht oft überschwänglich, stets gut gelaunt ins Ohr - und ist einfach ein Vergnügen.
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