Ben Howard beherrscht die Gitarre und steigt auch ab und zu mal gerne aufs Surfbrett. Ja, der Jack-Johnson-Vergleich drängt sich auf den ersten Blick natürlich auf. Aber auch wenn man zuhört, wie er Gefühlvolles zu Gitarre präsentiert, stellt man fest, dass seine Songs in der Tat die perfekte Untermalung für einen von Jack Johnsons Soulsurf-Filmen wären. Doch bevor man den 23-jährigen Blondschopf, der rein äußerlich durchaus dem Klischee entspricht, in die Schublade des klampfenden Surfbeaus steckt, sollte man seine Songs für sich sprechen lassen. Das Debüt des Briten, "Every Kingdom", bläst frischen Wind ins momentan hoch lodernde Folkfeuer.
Da ist eine tiefe Naturverbundenheit in Howards Musik, die zum einen aus den schon beinahe kitschig-schönen Aufnahmen seiner Videos spricht: die zerklüftete Küste Englands, episch anrollende Wellen, auf denen sich der Sonnenuntergang spiegelt - da geht nicht nur dem Surfer das Herz auf. Zum anderen erinnern die Songs an launige Sommergewitter. Mal schleicht sich der Sturm heimtückisch hinter eigentlich recht sonnigen Akkorden heran. Mal zieht sich die Düsterheit eines Unwetters als Grundstimmung durch den gesamten Titel, dann wieder weichen die dunklen Wolken so schnell wie sie gekommen sind einem strahlenden Himmel. Ben Howard scheut nicht vor Stimmungs- und Tempiwechsel zurück, getragen wird alles von seiner samtigen, hohen Stimme. Und er hat seine Lieder mit so viel Leichtigkeit, Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit eingespielt, als würde man gerade ums Lagerfeuer sitzen.
Des Lagerfeuers liebstes Instrument, die Gitarre, beherrscht Ben Howard nicht nur im Schlaf, sondern auf ganz verschiedene Arten. Da wird der Korpus schon mal zum Hackbrett, auf das er eintrommelt und dem er damit ungewöhnliche, betörende Klänge entlockt. Man fühlt sich plötzlich an einen anderen Südengländer erinnert, der mit besonderer Zupf- und Klopftechnik und nicht zuletzt mit grandiosen Songs auf sich aufmerksam machte. Newton Faulkner, der 2008 mit einem umwerfenden Cover von Massive Attacks "Teardrop" aufhorchen ließ, kommt wie Howard aus einer beschaulichen Gegend in Südengland. Und beide tragen den Soul vom Surf hinüber in ihre Musik. Um Newton Faulkner wurde es hierzulande inzwischen leider ziemlich ruhig. Von Ben Howard wird man hoffentlich noch öfter hören.
Ben Howard auf Deutschland-Tournee:
18.04., Berlin, Kesselhaus
21.04., Dresden, Beatpol
22.04., München, Muffathalle
23.04., Köln, Gloria
03.05., Frankfurt, Batschkapp
04.05., Hamburg, Gruenspan
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