Es war die beste Zeit seines Lebens - damals "In Liverpool". Nein, Ringo Starr machte noch nie und macht auch auf seinem neuen Album "Ringo 2012" keinen Hehl daraus: Er ist froh und glücklich, Teil der Beatles gewesen zu sein. Und das unterscheidet ihn - und seine Musik - fundamental von seinem Ex-Kollegen Paul McCartney: Während jener sich kopfüber in immer neue musikalische Abenteuer (experimenteller Pop, Ballettmusik, zuletzt das Swing-/Standard-Coveralbum "Kisses On The Bottom") stürzt, wie um die eigene Relevanz jenseits der Beatles zu beweisen, macht Ringo einfach unbeirrt und unbekümmert weiter.
Denn der "Ringo 2012" ist - Titel hin oder her - ganz der Alte. Gleich im eröffnenden "Anthem" beschwört er einmal mehr die Ideale der Flower-Power-Bewegung: "This is an anthem for peace and love / We gotta keep trying / We can't give up". Auch er selbst gibt nicht auf. Natürlich weiß er, dass seine Kompositionen nie mit Beatles-Klassikern konkurrieren können. Er versucht's auch gar nicht. Wenn überhaupt, dann erinnern seine - im besten Sinne geerdeten - Songs in einer Hinsicht an seine ehemalige Band: Starr musiziert mit der positiven Naivität, die das frühe Beatles-Werk auszeichnete, und beweist enorme Spielfreude.
Natürlich geht das Ganze nur "With A Little Help From My Friends": Gitarrist Kenny Wayne Shephard, Jazz-Bassist Charlie Haden, Eurythmics-Mann Dave Stewart, Beach-Boys-Arrangeur Van Dyke Parks und Tom-Petty-Tastenmann Benmont Tench sind unter anderem mit von der Partie. Und gemeinsam wird zu Akkordeon und Marimba-Klängen "Samba" getanzt, lässt man die Steel Drum bei "Think It Over" fast schon bekloppt sonnig klöppeln. "Rock Island Line" ist die Art stoischer Boogie-Rock, den Status Quo seit 40 Jahren spielen. Und überhaupt: Wenn Starr im bluesigen "Slow Down" eine Entschleunigung des Lebens fordert, dann ist klar: Er selbst macht vor, wie das geht.
Sicher: Aufregend ist das nicht. Essenziell schon gar nicht. "Ringo 2012" ist ein kurzer, nicht mal halbstündiger Trip. Nicht in die Vergangenheit, sondern in die bunt gebliebene Welt eines 71-jährigen Drummers, der mit sich selbst im Reinen ist.
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