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Die Wirtschaft Das Übergabe-Problem
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18:28 20.11.2014
Mehr als nur eine Stabübergabe: Die Unternehmensnachfolge ist ein äußerst aufwändiger Prozess. Collage: Anne Fidelak, Fotos: hin255, pipop_b, Tiberius Gra / fotolia
Schleswig

Handwerker haben volle Auftragsbücher, die Produktion läuft in vielen mittelständischen Firmen auf Hochtouren. Der Wirtschaft in Schleswig-Holstein geht es gut. Und dennoch wächst im Stillen eine Gefahr, die schon in wenigen Jahren Arbeitsplätze und Betriebsvermögen akut bedrohen könnte.

Das Problem: Zahlreiche Unternehmer haben ihre Nachfolge noch nicht geregelt. Viele verdrängen das Problem oder schieben die Lösung auf, weil sie aktuell alle Hände voll zu tun haben.

Die Zahlen und Fakten schrecken auf: Jeder fünfte Inhaber will seinen Betrieb sogar ganz aufgeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammern sowie der Industrie- und Handelskammern in Schleswig-Holstein bei ihren Mitgliedsunternehmen. Der Anteil der Firmeninhaber, die sich noch nicht entschlossen haben, ob ihr Unternehmen überhaupt fortgeführt werden soll, hat sich demnach fast verdoppelt, während die Anzahl der Betriebe, die übergeben werden sollen, im Vergleich zur Befragung 2008 deutlich gesunken ist. Während mit steigender Betriebsgröße eine Übergabe des Unternehmens immer häufiger angestrebt wird, denken insbesondere Handwerker mit bis zu fünf Mitarbeitern daran, den Betrieb aufzugeben.

Auch der Zeitpunkt, zu dem eine Übergabe oder Aufgabe geplant ist, wird — so das Ergebnis der Befragung — immer mehr aufgeschoben. Aufgrund des zunehmenden Durchschnittsalters der Befragten wird es immer schwieriger werden, kurzfristig einen geeigneten Nachfolger zu finden. Bereits jetzt nennen fast die Hälfte der Betriebe, die eine Aufgabe in Erwägung ziehen, das Nachfolgeproblem als Grund.

Zwar zieht sich das Problem der Unternehmensnachfolge durch alle Branchen und Handwerksgruppen. Auffällig ist aber der hohe Anteil der Betriebsaufgaben in der Baubranche (38,9 Prozent). Auch die Gruppen Holz (2013: 10 Prozent), Nahrung (5,6 Prozent) und Gesundheit (4,4 Prozent) sind von einer höheren Anzahl an Betriebsaufgaben betroffen.

Generell gelten vor allem psychologische Aspekte als entscheidend. Denn in vielen Unternehmern steckt — oft wider besseres Wissen — die tiefe Sehnsucht, unersetzlich zu sein. Vor allem dann, wenn sie mit ihrem Betrieb durch Höhen und Tiefen gegangen sind, sich am Markt durchgesetzt und die eigenen Ideen zum Erfolg geführt haben. „Das Gefühl, sich zumindest ein Stück weit selbst verwirklicht zu haben, möchten sie zu gern festhalten“, sagt der Diplom- Psychologe Dr. Helmut Quitmann.

Neben Handwerksbetrieben ist der Mittelstand besonders bedroht. „Der Fachkräftemangel wird zu einer immer größeren Herausforderung für unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft“, betonte Klaus- Hinrich Vater, Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein, auf der Veranstaltung „Unternehmensnachfolge in Schleswig-Holstein. Frühzeitig handeln — Zukunft sichern“ in Kiel. „Es darf daher auf keinen Fall zu einem Chefmangel kommen.“

Genau der ist aber bereits eingetreten, sagt Stefan Seestädt, Leiter der Abteilung Betriebsberatung und Wirtschaftspolitik bei der Handwerkskammer Lübeck. Der Fachkräftemangel mache sich mittlerweile auf der Ebene der Betriebsinhaber bemerkbar: „Die Zahl der Meister, die Betriebe gründen oder übernehmen wollen, sinkt kontinuierlich. Und gleichzeitig brauchen Tausende von Betrieben einen Nachfolger. Wenn wir auf die nächsten fünf Jahre schauen, ist das tatsächlich eine dramatische Entwicklung.“ Wenn viele Betriebe aufgeben, hat das auch gravierende Folgen für die Infrastruktur im ländlichen Raum.

Zukünftig wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu gewinnen, die Unternehmen übernehmen, betont auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer: „Der ,Markt‘ der Unternehmensnachfolge wird künftig noch stärker mit dem Arbeitsmarkt um Fachkräfte konkurrieren müssen. In wirtschaftlich besseren Zeiten wird das sichere Beschäftigungsverhältnis vorgezogen — zumal gut Qualifizierte aufgrund des Fachkräftebedarfs auch auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind.“ Umso wichtiger sei es, dass sich die Unternehmer rechtzeitig mit dem Thema beschäftigen und nach einer geeigneten Nachfolgeregelung suchen.

Zum Problem des Fachkräftemangels kommen zahlreiche andere Schwierigkeiten hinzu. Etwa die oft zu hohen Preisvorstellungen der Inhaber, die mit dem Verkauf ihre Altersversorgung sicherstellen wollen. Die Übernahme hoher Vermögenswerte wie etwa Immobilien führt bei den Nachfolgern zu Problemen bei der Finanzierung des Vorhabens. Ein Ergebnis der Umfrage von IHK und Handwerkskammer ist auch, dass die Betriebsnachfolger mit steigender Betriebsgröße immer seltener aus der Familie stammen. Daher müssen Nachfolger aus dem Kreis der Mitarbeiter oder von extern gesucht werden.

Eine weitere große Herausforderung ist das Vertragswerk. Die rechtliche Seite der Unternehmensnachfolge ist ein komplexes Feld, Standardlösungen oder Patentrezepte gibt es nicht. Für alle gilt: Ein schriftliches, Punkt für Punkt fixiertes Vorgehen ist essentiell für den Nachfolge-Vertrag. Ähnlich problematisch sind steuerrelevante Aspekte. So erschwert vor allem das Risiko Erbschaftsteuer nach Angaben der Steuerberaterkammer Schleswig- Holstein jede fünfte Nachfolge.

Aber jedes Unternehmen ist anders — und vor allem: Jeder Unternehmer ist anders. Trotz der hohen Zahl an übergabewürdigen Unternehmen sei für jede Nachfolgeregelung eine individuelle Lösung erforderlich, betont der Kieler Steuer- und Unternehmensberater Olaf Rosenbaum. Ohne professionelle Beratung geht es also nicht.

Das Land ist dafür gerüstet. In Schleswig-Holstein gibt es eine kompetente und umfassende Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge durch ein breites, etabliertes und gut vernetztes Angebot an Beratungen. Die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, die Investitionsbank und die Technologie- und Gründerzentren bieten ihre Hilfe und ihre Dienstleistungen an.

Wenn es Nachfolge suchenden Unternehmern an finanziellen Mitteln fehlt, helfen unter anderem die Investitionsbank, die Bürgschaftsbank und die Mittelständische Beteiligungsgsellschaft mit Krediten. Und deshalb finden sich trotz der wachsenden Sorgen um den Chefmangel auch zuhauf Beispiele für gelungene Unternehmensübergaben im Land — ganz egal, ob extern oder intern. Und ganz egal, aus welchen Branchen. •

Unternehmensnachfolgen sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Aber sie sind in vielen Betrieben weitgehend ungeklärt. Schleswig-Holstein droht ein Verlust von Arbeitsplätzen und Betriebsvermögen. Besonders der Mittelstand ist von der Problematik bedroht.

Oliver Schulz

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