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Die Wirtschaft Der Ro-Ro-Verkehr beschert der LHG eine positive Entwicklung
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10:26 22.03.2019
Der Terminal Seelandkai von oben. Der Lübecker Hafen ist im Aufwind. Mit weiteren Investitionen stellt er sich für die Zukunft auf. Quelle: Karl Erhard Vögele

Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) hat im vergangenen Jahr etwas mehr Fracht umgeschlagen. Wie Deutschlands größte RoRo-Hafenbetreiberin an der Ostsee kürzlich mitteilte, gingen rund 22,1 Millionen Tonnen und damit 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr über die Kaikanten.

Zu der positiven Entwicklung trug demnach vor allem der Ro-Ro- Verkehr bei (rund 730000 Einheiten). Während die Anzahl der Lkw leicht zurückging, erhöhte sich die Menge der Trailer um mehr als zehn Prozent. Das Volumen der Fertigfahrzeuge blieb stabil. Erfreulich entwickelte sich mit einem Anstieg von knapp vier Prozent auch der Containerumschlag.

Zuwächse gab es auch bei den Forstprodukten (Papier, Zellulose und Schnittholz). Dort schlugen die Terminals insgesamt sechs Prozent mehr um als 2017. Ebenso positiv entwickelte sich 2018 im Bereich Breakbulk der Umschlag von Stahl.

Das Wachstum im Trailer-Segment wirkte sich auch auf das Tagesgeschäft der LHG-Tochtergesellschaft Baltic Rail Gate aus. Sie schaffte 2018 sogar einen Rekord: Das Unternehmen übertraf zum ersten Mal die Hunderttausender-Marke. 103800 Trailer und Container bewegten die beiden Portalkräne der Intermodalanlage.

Im Vergleich mit den direkten Konkurrenten steht Lübeck gut da. Rostock belegt weiterhin Platz eins der deutschen Ostseehäfen. Dort wurden 2018 immerhin 25,6 Millionen Tonnen umgeschlagen. Doch Lübeck ist dicht dran auf Platz zwei mit 25 Millionen Tonnen. Und die Tendenz in Rostock zeigt nach unten. Denn die Rostocker verzeichnen 2018 ein Minus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Kiel ist der Umschlag ebenfalls weniger geworden. Dort wurden 7,4 Millionen Tonnen umgeschlagen. Das sind 3,5 Prozent weniger als 2017.

LHG-Chef Sebastian Jürgens blicke positiv auf das kommende Jahr, sagte er gegenüber den Lübecker Nachrichten. Der Skandinavienkai wird erweitert - von derzeit 66,9 Hektar auf dann 82,9 Hektar. Zudem entstehen zwei Lagerhallen. Das Gesamtprojekt kostet 68,3 Millionen Euro und ist Ende 2021 fertig. Die LHG konzentriert ihren Umschlag immer mehr an den Skandinavienkai. Aber auch der Seelandkai wird ausgebaut - das Areal vergrößert sich von 15,8 Hektar auf dann 16,8 Hektar. Aber auch in den Konkurrenzhäfen wird kräftig gebaut. In Rostock werden 40 Millionen Euro investiert unter anderem in Liegeplätze. In Kiel werden mehr als 30 Millionen Euro investiert. Dort wird unter anderem eine Landstromanlage gebaut.

Nordermole als geeigneter Standort?

Travemünde versucht unterdessen, im Bereich des Kreuzfahrttourismus zu profitieren, der bereits in vielen Ostseehäfen angekommen ist. Voraussetzung dafür ist ein Terminal, an dem auch große Passagierschiffe anlegen können, ohne den Güterverkehr im Lübecker Hafen zu behindern. Ein vom Verein Lübeck Cruise in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Nordermole an der nördlichen Hafeneinfahrt der geeignetste Standort ist. Der Vereinsvorstand präsentierte im vergangenen Jahr die Ergebnisse der Analyse des Hamburger Beratungsunternehmens HPC Hamburg Port Consulting und warb in der Politik um Unterstützung für das Projekt.

„Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, wie Kreuzfahrt in Travemünde moderat, umweltverträglich und eingebunden in ein bestehendes Tourismus-Konzept aussehen könnte. Unser Ziel ist es, die notwendige Infrastruktur durch private Investitionen zu finanzieren. Wir bringen unsere Vorschläge zur Weiterentwicklung des Tourismus- und insbesondere innovativen Verkehrskonzepts gern in die zuständigen Gremien der Stadt ein“, sagte Dr. Sebastian Jürgens, Vorsitzender von Lübeck Cruise gegenüber der IHK zu Lübeck. Der Verein hat auf Basis des HPC-Gutachtens sowie einer bereits 2013 im Auftrag der IHK zu Lübeck erstellten Machbarkeitsstudie einen „Impuls für die Entwicklung des Seebads Travemünde“ erarbeitet.

Nach Ansicht der Gutachter ist die Realisierung eines Terminals in Höhe Nordermole zu empfehlen. „Unser Vorschlag basiert auf Gesprächen mit Vertretern von Kreuzfahrtreedereien und Erkenntnissen zur Entwicklung der Schiffsgröße“, sagte HPC-Projektleiter Hartmut Beyer. „Das Wachstum des Kreuzfahrtmarktes im Ostseeraum ist so dynamisch, dass eine stärkere Angebotspolitik in Lübeck ergänzend zum Angebot in Kiel positive Effekte für das gesamte Land Schleswig-Holstein haben würde“, betonte Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck und geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Lübeck Cruise. „Wir setzen auf innovative Verkehrs- und Mobilitätskonzepte sowie ein multifunktionales Terminal, dessen Funktion deutlich über die Nutzung als Anleger hinausgeht.“

Der Förderverein Lübeck Cruise e. V. wurde 2015 gegründet. Ziel ist es, mit einem breiten Fächer an Maßnahmen die Marketingaktivitäten Lübecks im Kreuzfahrtsegment zu bündeln und zu verstärken und die Stärken des Standortes herauszustellen. Im Verein engagieren sich namhafte Lübecker Unternehmen sowie die IHK zu Lübeck, die Hafenbetreiber und lokale Tourismuspartner.

Oliver Schulz