Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Die Wirtschaft Die Herausforderungen meistern
Anzeigen und Märkte Die Wirtschaft Die Herausforderungen meistern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:42 22.03.2019
Komplex und global: Die Logistikbranche muss sich ganz besonders den Herausforderungen der Zeit stellen. Quelle: p2photoza/stock.adobe.com

Die Logistikwirtschaft ist die drittgrößte Branche in Deutschland. Die Region Lübeck und Schleswig-Holstein spielt dabei eine wichtige Rolle.

Deutschland ist Logistikweltmeister. Seine zentrale geografische Lage in Europa und seine hoch qualifizierten Logistikdienstleistungen bieten die optimalen Voraussetzungen für ausländische Verlader, um europäische Märkte erfolgreich erschließen zu können.

Nach der Automobilwirtschaft und dem Handel ist die Logistikbranche der größte Wirtschaftsbereich. Die Steuerung der Waren- und Informationsflüsse, aber auch der Transport der Güter und ihre Lagerung sind wichtige Wirtschaftsfunktionen, die hohe Werte schaffen. Deutschlandweit wurden im Jahr 2017 branchenübergreifend rund 267 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Und unsere Region ist dabei ein wichtiger Knotenpunk: Die hiesige Logistikwirtschaft spielt eine entscheidende Rolle im Verkehrsnetz zwischen den Wirtschaftsmetropolen West- und Zentraleuropas und dem Wirtschaftsraum Ostsee: Mehr als 3800 Unternehmen mit insgesamt 50000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern erwirtschaften zusammen nach Angaben des Branchennetzwerks logRegio Lübeck in Schleswig-Holstein einen Jahresumsatz von über 7,8 Milliarden Euro.

Zukunftstrend „Grüne Logistik

Die regionale Logistikbranche setzt sich im Wesentlichen zusammen aus Speditions-, Lagerei- und Umschlagsbetrieben sowie Transport- und Dienstleistungsunternehmen. Die günstige geographische Lage macht Lübeck zu einem attraktiven Standort für Logistikunternehmen - und für die Herausforderungen der Zukunft.

Ein aktueller Trend im Zeitalter des Klimaschutzes und entscheidend für alle, die sich in der Zukunft am Markt behaupten wollen, ist weiterhin „Grüne Logistik“ - also umweltfreundliche Transporte.

Auch das Thema Digitalisierung ist zentral. Denn es ist gerade diese Branche, die von den Fortschritten der Informationstechnologie profitiert - und gefordert wird. Ohne Digitalisierung geht in der Transport- und Logistikbranche künftig nichts mehr. Besonders für kleine und mittelständische Transport- und Speditionsbetriebe ist es deshalb wichtig, sich erfolgreich zu rüsten, auf die richtigen digitalen Werkzeuge zu setzen.

Doch vor allem gilt beim Blick in die Zukunft - nicht anders als in anderen Branchen: Daten sind das neue Erdöl. Eine Herausforderung für Einkäufer wird es sein, diesen kostbaren Rohstoff in der Wertschöpfungskette zu heben. Die Branche der Logistikdienstleister könnte komplett auf den Kopf gestellt werden. Künstliche Intelligenz oder Blockchains sind weitere Trends der Zukunft, die dieBranche prägen - wenn nicht gar revolutionieren könnten.

Globale Wirtschaft erfordert hohe Flexibilität

Vor diesem Hintergrund reagieren die Unternehmen aus der Region mit Innovation und Forschung - etwa in der Lagerlogistik, wo kurze Lieferfristen, hundertprozentige Liefertreue und unternehmerische Agilität zu entscheidenden Differenzierungsmerkmalen geworden sind.

So sucht der Lübecker Medizin-, Sicherheits- und Tauchtechnikhersteller Dräger kontinuierlich nach Lösungen, um Lager- und Logistik-Infrastrukturen optimal zu nutzen. Eine ist die digitale Transformation seiner Intralogistik - realisiert in Drägers Projekt Zukunftsfabrik.

„Das Agieren auf dem Weltmarkt erfordert zunehmend eine höhere Flexibilität unserer Abläufe“, sagt Stephan Kruse, der bei Dräger die Produktion und die Logistik leitet. „Unsere Kunden wünschen sich individuelle Produktkonfigurationen. Unser Ziel war es, durch Vernetzung von Produktion und Logistik die Flexibilität, die Geschwindigkeit und die Effizienz des Systems weiter zu erhöhen, um am Ende kostengünstiger den zunehmenden Flexibilitätsanforderungen gerecht zu werden.“ Zuvor habe es in der Region zwei Fabriken und mehrere Lagerstandorte gegeben. Das Produktionsmaterial musste mit Lkw angeliefert werden, erklärt Kruse. „Mit der Zukunftsfabrik ist es uns gelungen, Produktion und Logistik an einem Ort zu bündeln.“

Möbel Höffner in Barsbüttel setzt derweil auf Innovationen, die vor allem dem Kunden nutzen: Neue Dispositionssysteme und Nachschubwege sollen eine noch schnellere Verfügbarkeit der Ware sicherstellen.

Unterdessen wird aber auch das Fundament für eine gesunde Logistikbranche in der Region weiter ausgebaut. Als wichtigste Straßenneubauprojekte in Schleswig-Holstein bezeichnet dieLandesregierung in Kiel insbesondere den sechsstreifigen Ausbau der A 7, den Weiterbau der A 20 und den vierstreifigen Ausbau der B 404 zur A 21.

Der Investitionsrahmen für die Infrastruktur wurde von 4,8 auf 6 Milliarden Euro erhöht. In diesem Jahr sollen nach Angaben der Landesregierung rund 640 Millionen Euro in die Infrastruktur fließen. Für 2018 waren rund 450 Millionen Euro geplant, 2017 waren es rund 340 Millionen Euro gewesen.

Und auch der Lübecker Hafen meldet eine positive Entwicklung. Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) hat im vergangenen Jahr etwas mehr Fracht umgeschlagen. Wie Deutschlands größter RoRo-Hafenbetreiber an der Ostsee kürzlich mitteilte, gingen mit rund 22,1 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr 1,2 Prozent mehr Güter über die Kaikanten als im Vorjahr.

Oliver Schulz