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„Etwas Geld verdienen wollen wir auch“
„Etwas Geld verdienen wollen wir auch“
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12:52 28.09.2015
Solar-Anlage „Elmenhorst“ bei Schwarzenbek: Gerade noch rechtzeitig ans Netz gegangen, um profitabel zu sein? Quelle: Rio Energie

Bei der Eröffnung des riesigen Solarparks im Sommer 2012 strahlte die Sonne vom Himmel über Schwarzenbek — sehr passend für den feierlichen Abschluss des Projekts: den Bau des SolarparksElmenhorst“ unweit der Autobahn 24. Schon zu Beginn der Projektplanung war die Zeit äußerst spärlich bemessen gewesen — es gab eine klare Deadline. Doch „Elmenhorst“ ging rechtzeitig ans Netz.

Sehr zum Glück für den Betreiber, die Rio Energie GmbH, eine hundertprozentigen Tochter der Stadtwerke Mainz. Denn nur zwei Tage später trat eine neue Einspeisevergütung in Kraft treten — mit einem Abschlag von zwölf Prozent. Deshalb waren die 103000 Solarmodule, die bei Vollast 24361 Megawatt Strom produzieren, im Eiltempo montiert worden, zum Teil im Schichtbetrieb. Hätte es nicht zeitig geklappt, und die Betreiberfirma den produzierten Strom mit zwölf Prozent Abschlag einspeisen müssen, hätte der Erbauer der Anlage — die Rheinland-Pfälzische juwi-Gruppe — in Form eines ordentlichen Preisnachlasses in die Bresche springen müssen. So liefert die Anlage mit einer Größe von 65 Hektar heute Strom für bis zu 7000 Familien.

Immerhin 6000 Familien versorgt Schleswig-Holsteins nächstkleinere Photovoltaikanlage mit dem Namen „Braderup“, die am selben Tag ans Netz ging. Und aus demselben Grund: Sicherung der alten Einspeisevergütung. Mit einer Fläche von 38 Hektar und den verbauten 80 000 kristallinen Solarmodulen leistet „Braderup“ heute insgesamt 18,85 Megawatt. Das Besondere: Vier Teilflächen des Solarparks erstrecken sich über mehrere Kilometer an der A 7 zwischen Hamburg und Flensburg.

Das Geschäft mit Strom macht die Betreiber zwar nicht reich . Dennoch lohne es sich, versichert Rio-Geschäftsführer Krome. Denn sowohl Strom aus Braderup wie auch aus „Elmenhorst“ werden mit 17,94 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Aktuell liegt die Einspeisevergütung dagegen bei nur noch neun bis dreizehn Cent — je nach Anlage.

4,8 Prozent des Stroms werden in Schleswig-Holstein mit Photovoltaik erzeugt. In der gesamten Republik speisten Photovoltaik-Anlagen im laut Agentur für Erneuerbare Energien knapp 39000 Anlagen 1423 Gigawattstunden Strom in das deutsche Netz ein.

Doch nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft ist der Zubau im Bereich Photovoltaik um bis zu 42 Prozent rückläufig. Durch die gesunkene Einspeisevergütung gebe es kaum noch Anreiz — gerade für gewerbliche Betreiber — aufzustocken. Bis zur Novelle des Erneuerbare-Energien- Gesetzes (EEG) im Jahr 2014 waren die Vergütungssätze zudem drei mal im Jahr durch die Regierung angepasst worden. Heute läuft die Festsetzung der Vergütung über verschiedene Ausschreibungsvarianten. So tariert die Regierung eine angemessene finanzielle Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen aus, um diese dann in der nächsten Gesetzesnovelle im Jahr 2016 festzusetzen. Aber die Tendenzen sind eindeutig — steigen wird die Vergütung nicht.

Dabei sei die Einspeisevergütung „der entscheidende Faktor, wenn sich privatwirtschaftliche Firmen an der Energiewende beteiligen sollen“, wie Stephan Krome Geschäftsführers der Rio Energie, es formuliert „Auch wenn die Förderung erneuerbarer Energien nach einer schönen, altruistisch-ökologischen Motivation klingt — etwas Geld verdienen wollen wir mit unseren Aktivitäten natürlich auch noch.“

Andreas Fischer von der juwi- Gruppe konstatierte bereits 2012 bei der Eröffnung von „Elmenhorst“, dass eine Anlage dieser Größe rein finanziell gar nicht mehr möglich sei. Und auch rechtlich werde es künftig schwer, derartige Projekte umzusetzen, denn die Lizenzen für den Bau ebenerdig errichteter Solarstromkraftwerke werden künftig stark limitiert und von der Bundesnetzagentur über ein Auktionsverfahren vergeben.

Doch das Auktionsvolumen und die Standortwahl seien zu stark beschränkt worden, das Verfahren bürokratisch und ein Erfolg unsicher, kritisiert der Bundesverband Solarwirtschaft. Von der neuen Regelung nicht betroffen sind nur Solarstromanlagen, die auf oder an Gebäuden, zum Beispiel auf Eigenheimen oder Gewerbebetrieben, errichtet werden.

Größere Projekt wie Braderup oder Elmenhorst können dagegen kaum mehr wirtschaftlich betrieben werden, so der Verband. Dies ginge nur noch bei deutlich gesunkenen Investitionskosten beim Bau einer solchen Anlage. Zuvor in Deutschland hergestellt, kommen die Module heute aus China — und kosten entsprechend weniger.

Andererseits haben die etablierten Betreiber von Photovoltaik-Anlagen aber neben der zwanzig Jahre garantierten Einspeisevergütung einen weiteren Bonus gegenüber Betreibern konventioneller Stromkraftwerke: den durch das EEG garantierten Einspeisevorrang. Das heißt, sollten ein Gas- und ein Photovoltaik-Kraftwerk zufällig gleichzeitig in dasselbe Netz einspeisen wollen, dann hat das Solarkraftwerk Vorrang. Das Gaskraftwerk müsste auf die Nacht warten, in der das Solarkraftwerk keinen Strom produziert, um seinen Strom zu verkaufen, beziehungsweise einzuspeisen.

Fabian Joeres