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14:24 26.11.2013
Völlig berührungslos steuert Software-Ingenieur Ibrahim Awada virtuelle Hände auf seinem Laptop via Gestensteuerung. Foto: pa

Sein Titel ist klangvoll. Als „Innovationsassistent“ entwickelt und verbessert Ibrahim Awada Technik für die „Post-Touchscreen-Ära“. Vor kurzem hat der 29-Jährige sein Informatikstudium an der Uni Lübeck mit dem Master abgeschlossen. Seit November vergangenen Jahres stellt er sein Know-how in den Dienst des jungen Lübecker Unternehmens gestigon, das bei seiner Einstellung von einem EU-Förderprogramm profitiert.

Der Software-Ingenieur entwickelt und verbessert Assistenz- und Infotainmentsysteme im Auftrag von Automobilzulieferern. „Es ist spannend, die noch relativ neue Technik zu erproben und das im Studium Gelernte umzusetzen“, erklärt der aus dem Libanon stammende Informatiker. Die Namen seiner Auftraggeber sowie konkrete Anwendungsmöglichkeiten darf Awada nicht nennen. Zu groß sei das Risiko von Nachahmungseffekten seitens der Mitbewerber.

Als Ausgründung der Universität zu Lübeck wurde die heute 13-köpfige Firma gestigon vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Sie ist spezialisiert auf die berührungslose Interaktion anhand von 3D-Bilddaten — ein neues Verfahren, das heute bereits bei Spielkonsolen, etwa der XBox 360, angewandt wird. „Großes Potenzial gibt es auch in der Medizintechnik“, so Geschäftsführer Moritz von Grotthuss. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Radiologie und Strahlenmedzin der Universität zu Lübeck hat gestigon ein System zur berührungslosen Überwachung der Atmung von Patienten in einem Tomographen entwickelt. „Weltweit gibt es nur drei unmittelbare Konkurrenten“, sagt von Grotthuss nicht ohne Stolz.

Um im internationalen Forschungswettrennen auch weiterhin die Nase vorn zu haben, bedarf es vor allem neugieriger und engagierter Mitarbeiter wie Ibrahim Awada. Als Bürde empfindet er seine Anstellung unter dem verheißungsvollen Titel „Innovationsassistent“ nicht. „Ich bin ein ganz normaler Angestellter. Mit den Formalitäten habe ich nichts zu tun.“

Das Förderprogramm „Innovationsassistent“ wird finanziert aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Es unterstützt kleine Unternehmen bei der Personalneueinstellung mit einem monatlichen Lohnkostenzuschuss von 1000 Euro. Maximal zwei junge Fachkräfte können über einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert werden — in der Summe kommen bis zu 48 000 Euro zusammen.

Für die Antragstellung ist die WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein) zuständig. „Wir haben im Auftrag des Wirtschaftsministeriums in den letzten Jahren durchschnittlich etwa 50 neue Innovationsassistenten mit einem jährlichen Gesamtvolumen von 1,1 bis 1,2 Millionen Euro bewilligen können“, so Andreas Fischer, Leiter Förderprogramme bei der WTSH.

„Wir wussten schnell, dass dieses Programm für uns passt“, sagt von Grotthuss und lobt die „schlanken“ Antragsformalitäten. Gerne würde der gestigon-Chef noch einen zweiten Innovationsassistenten einstellen. Die erlaubte Förderhöchstgrenze für kleine und mittlere Unternehmen von maximal 200 000 Euro für einen Zeitraum von drei Jahren ist allerdings weitgehend ausgeschöpft. Ein Großteil dieses Förderrahmens entfällt bei Gestigon auf den Exist-Forschungstransfer. Finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt dieses Förderprogramm Firmengründungen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Hätte man den ehrgeizigen Junginformatiker Awada eigentlich auch ohne das Förderprogramm eingestellt? „Auf jeden Fall“, sagt von Grotthuss. „Mit seiner Persönlichkeit, seinem Fachwissen und seiner Motivation passte Ibrahim einfach ins Team.“ Und was reizt den jungen Innovationsassistenten an seinem Job am meisten? „Durch die intuitive Bedienung des Bordcomputers kann sich der Fahrer auf das Wesentliche konzentrieren. So leiste ich einen Beitrag, das Autofahren sicherer zu machen.“   •

www.wtsh.de

Philipp Aissen