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Bad Schwartau Aldi will erweitern, aber passt das Vorhaben in die Ortsmitte?
Lokales Bad Schwartau Aldi will erweitern, aber passt das Vorhaben in die Ortsmitte?
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21:01 04.03.2014
Der Verbrauchermarkt-Komplex rückt näher an die Kirche. Der Weg wird enger und schlauchiger.
Stockelsdorf

Der Discounter Aldi hat vor nicht einmal fünf Jahren seinen Markt in der Stockelsdorfer Ortsmitte eröffnet. Das Geschäft brummt. Olaf Stritzke, Expansionsleiter für Aldi, muss jetzt einräumen: „Wir haben damals schon zu klein gebaut.“ Damit der Discounter auch weiterhin wettbewerbsfähig bleibt, plant Stritzke jetzt eine Erweiterung des Marktes auf dem Areal zwischen Segeberger Straße und Kirche. „Wir brauchen mehr Platz für unsere Tiefkühlkost. Außerdem sind mit Zeitschriften sowie Backstationen weitere Warengruppen hinzugekommen“, so Stritzke. Der 800 Quadratmeter große Markt soll um rund 280 Quadratmeter wachsen. Das Problem: Die Erweiterung kann nur in eine Richtung gehen und zwar in Richtung Kirche.

Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann warnt deshalb: „Wir müssen aufpassen, dass wir dadurch den für eine Million Euro hergerichteten Kirchenvorplatz nicht kaputt machen.“ Grundsätzlich freut es Politik und Verwaltung, dass der Aldi-Markt in der Ortsmitte so gut funktioniert, dass er schon jetzt erweitert werden soll. Manfred Jaeger (SPD): „Wir sind natürlich grundsätzlich dafür, den Ortsmittelpunkt weiter zu stärken.“ Auch Rolf Dohse (Grüne) erklärt: „Ich habe durchaus Verständnis für das Anliegen von Aldi.“ Andreas Gurth (CDU): „Vom Grundsatz her freuen wir uns ja auch, wenn die Geschäfte in unserem Ort so gut laufen, aber eine schnelle Entscheidung darf man hier nicht erwarten.“ Schließlich werde hier nicht nur über eine einfache Markterweiterung entschieden. „Wenn wir hier zu einer positiven Entscheidung kommen wollen, muss ein schlüssiges Konzept für eine Wegeverbindung von Kirchenvorplatz bis zum Münzplatz her.

Das sieht auch Bauamtsleiter Dieter Rodewald so. „Insbesondere im Hinblick auf die Integration des bestehenden Großbaumbestandes in die neu zu pflasternde Wegefläche und auf die zu erhaltenden Freiräume bedarf es der sorgsamen Abwägung der durch das Vorhaben bewirkten Vor- und Nachteile für den Stockelsdorfer Ortsmittelpunkt“, so Rodewald, der zudem die Einbindung der Kirchengemeinde anregt.

Die Erweiterung des Aldi-Marktes erfolgt nämlich in Richtung Kirche. Der vorhandene Gebäudekomplex soll nach den ersten Plänen des Architekten Marc Schöffel aus Timmendorfer Strand um maximal 11,30 Meter und minimal zwei Meter an der schmalsten Stelle erweitert werden. Somit müsste die gesamte Wegeverbindung in Richtung Kirche verschoben werben. Die großen Bäume, die jetzt den Weg säumen, würden dann sogar direkt mit einbezogen werden.

Somit geht auch die keilförmige und großzügige Platzstruktur zwischen Discounter und Kirche verloren.

Waldemar Pilarczyk (CDU) befürchtet deshalb: „Das wird dann eine ganz dunkle Ecke.“ Um genau das zu verhindern, sehen sowohl Jaeger als auch Gurth bei den jetzt vorgestellten Architektenplänen ganz großen Nachbearbeitungsbedarf. Manfred Jaeger: „An der Außengestaltung muss noch kräftig nachgebessert werden.“ Andreas Gurth wird noch deutlicher:„Wir werden uns nicht mit einer einfachen Lattenzaun-Gestaltung abspeisen lassen, damit wir auf unseren schicken Platz verzichten.“

Entsprechend wurde jetzt der Investor Devello als Eigentümerin des Gebäudes Rathausmarkt (Sky/Aldi und Betreutes Wohnen) aufgefordert, in die Planungen den Freiraumplaner Dr. Jörn Wagner miteinzubeziehen. Das Büro Wagner hat für die Umgestaltung des Kirchenvorplatzes verantwortlich gezeichnet.

Sebastian Prey