Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau BHKW-Ärger um harmlosen Wasserdampf
Lokales Bad Schwartau BHKW-Ärger um harmlosen Wasserdampf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:51 10.12.2016
Um den Rauch, der aus diesem Schornstein kommt, ging es. FOTO: DD
Stockelsdorf

„Ich bin mal gespannt, was da ausgestoßen wird, denn darauf kommt’s ja letztendlich an.“ Das war die einzige Motivation für Isabell Nielsen, am Donnerstagabend zu der Informationsveranstaltung im Rathaus über das Blockheizkraftwerk (BHKW) direkt neben der Kästner-Schule zu gehen. Nielsen war nicht die einzige besorgte Mutter in dem mit 60 Interessierten gut gefüllten Sitzungssaal des Stockelsdorfer Rathauses. Auslöser für diesen Infoabend war ein Bürger, der sich durch das, was als sichtbarer weißer Rauch aus dem Schornstein des BHKW in die Atmosphäre entweicht, „in unzumutbarer Weise belästigt“ fühlt. Dieser Bürger, der namentlich nicht genannt werden will, wohnt nur einen Steinwurf vom BHKW entfernt. Er bleibt trotz der guten Nachricht, dass keine Gesundheitsgefahr von dem weißen Rauch ausgeht, weiter nervös.

Moderiert wurde die Veranstaltung vom Klimaschutz-Experten Jörg Wortmann, der ruhig, sachlich und souverän Gäste und Experten durch rund zweieinhalb Stunden lotste. „Das Wesentliche ist, dass wir respektvoll miteinander umgehen“, so Wortmann zu Beginn. In der Tat musste Wortmann daran zwischenzeitlich einige emotional aufgebrachte Gäste noch einmal erinnern. Allerdings kann das nicht an den Ergebnissen der Schadstoffmessungen bei diesem BHKW gelegen haben.

Zunächst äußerte sich Schornsteinfegermeister Andreas Kurschies. „Ich habe die Anlage entsprechend der Vorschriften geprüft“, so Kurschies, „aus meiner Sicht gibt es nichts einzuwenden“.

Ein bisschen konkreter wurde da die Gasemissions-Expertin Dr. Heike Hauschildt, die mit Blick auf Stickstoffdioxid- und Stickoxid-Ausstoß zu dem Ergebnis kommt, dass dieses „weit weg von der zulässigen Gesamtemission ist“. Die gemessenen Werte seien so gering, dass sie kaum oder nicht mehr darstellbar seien, so Hauschildt. „Das, was man sieht, ist Wasserdampf.“

Das BHKW, das von den Gemeindewerken Stockelsdorf geplant und vor rund zwei Jahren gebaut wurde, ist eine Anlage, die laut Gesetz nicht genehmigungsbedürftig ist. Daher ist eigentlich „nur“ der Schornsteinfeger in Sachen Abgasmessung dafür zuständig. Doch weil Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann maximale Klarheit und Transparenz in dieser Angelegenheit will, wurde außerdem der Ingenieur Christian Thometzek vom Tüv Nord beauftragt, ein Gutachten zu den Schadstoffen zu erstellen. Alle Messwerte (unter www.gemeindewerke-stockelsdorf.de/details/projektbeschreibung-fernwaermenetz.html nachlesbar) liegen demnach deutlich unter dem Grenzwert. „Ich habe keine Bedenken, dass hier schädliche Stoffe herauskommen“, so Thometzek. „Was ich hier gemessen habe, das ist teilweise um den Faktor zehn niedriger als das, was ich bei anderen Anlagen messe“, so der Tüv-Experte.

Dem einen Bürger, dem der weiße Rauch suspekt ist, reichte das nicht: „Ich bin hochgradig nervös. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Gesundheit.“ Thometzeks Antwort: „Alles, was gesundheitsgefährdend ist, würden Sie gar nicht sehen. Alles, was Sie sehen, ist Wasserdampf.“ Und da die Messergebnisse eine deutliche Sprache sprechen würden, bleibt der weiße Rauch schlussendlich „nur“ eine optische Angelegenheit.

 Doreen Dankert