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Bad Schwartau Bad Schwartau: Neubau der Grundschule Cleverbrück abgelehnt
Lokales Bad Schwartau

Bad Schwartau lehnt Neubau-Pläne für Grunschule Cleverbrück ab

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18:00 31.03.2021
Die Grundschule Cleverbrück in Bad Schwartau.
Die Grundschule Cleverbrück in Bad Schwartau. Quelle: Sebastian Prey
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Bad Schwartau

Die Diskussion über die künftige Entwicklung der Grundschule Cleverbrück ist mittlerweile eine unendliche Geschichte. Seit sechs Jahren wird darüber auf der politischen Bühne diskutiert. Planer und Architekten haben bereits etliche Varianten vorgestellt. Allein dafür wurden schon insgesamt um die 400 000 Euro ausgegeben. Der Baubeginn sollte im Herbst 2019 erfolgen, die Fertigstellung war für das Frühjahr 2021 vorgesehen. Doch bislang ist nichts passiert, und eine ganze Grundschul-Generation besucht längst weiterführende Schulen. An dem Bedarf gibt es zwar auf politischer Ebene nach wie vor keine Zweifel. Doch wie viel Geld ist die Stadt Bad Schwartau bereit, in die Hand zu nehmen?

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Bürgermeister plädierte für Neubau

Genau darum ging es in erster Linie bei der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Finanz- und Bildungsausschusses der Stadt Bad Schwartau. Die Politik hatte sich zwar unlängst schon für eine Bau- und Erweiterungsvariante entschieden. Doch nach zahlreichen Modifikationen haben sich die veranschlagten Baukosten nahezu verdoppelt und liegen nun bei 8,1 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund dieser massiven Kostenexplosion brachte die Verwaltung nun einen kompletten Schulneubau für rund 12,5 Millionen auf dem derzeitigen Schulhof-Areal ins Spiel.

„Es gibt einen erheblichen baulichen und pädagogischen Nachholbedarf“, stellte Bürgermeister Uwe Brinkmann (parteilos) fest. Er warb für eine zeitgerechte Bildungs-Infrastruktur im Stadtteil Cleverbrück. „Bei der angespannten Haushaltslage ist dies eine große finanzielle Herausforderung. Ein Neubau ist aber unter Berücksichtigung der Betriebskosten für einen Zeitraum von 40 Jahren auch die wirtschaftlichste Variante“, warb Brinkmann für einen Neubau. Er berief sich dabei auch auf Berechnungen der VBD Beratungsgesellschaft.

Digitalisierung könnte zügig beginnen

Den Ausführungen des Bürgermeisters und der Beraterfirma waren für die Politiker von CDU und Grünen, die gemeinsam in beiden Ausschüssen jeweils die Mehrheit haben, wenig überzeugend. Frank Schumacher (CDU): „In die nahe Zukunft zu blicken, ist schon schwer. Berechnungen für die nächsten 40 Jahre als Grundlage zu nehmen, ist schon sehr optimistisch.“ Entsprechend warb auch Katrin Engeln von den Grünen für den gemeinsamen Antrag mit der CDU, die bisherigen Pläne der Erweiterung ebenso zu begraben wie einen Neubau.

Um den Raumbedarf der Schule künftig decken zu können, soll ein zusätzliches Gebäude auf dem Schulhof errichtet werden. Auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern bietet es nach den Plänen Platz für Mensa, Küche, Bibliothek, Kunst- und Musikraum sowie Toiletten. Zudem sollen die Bestandsgebäude nebst sanitären Anlagen saniert werden. Die Kosten für die Maßnahme dürften laut ersten Schätzungen bei rund sechs Millionen Euro liegen. Ein weiterer Vorteil dieser Variante sei eine recht zeitnahe Umsetzung. „Mit der Digitalisierung der Schule könnte praktisch sofort begonnen werden“, sagte Engeln.

Votum der Schulkonferenz liegt nicht vor

Ein Argument, das auch beim Schulelternbeirat Gero Flatau, der mittlerweile sein drittes Kind auf der Grundschule hat, stach. Schließlich sei die Geduld von Lehrern, Eltern und Schülern schon sehr strapaziert worden. „Das Vertrauen der Elternschaft in die Verwaltung und Politik hat über die Jahre gelitten“, erklärte Flatau, der betonte, dass kein Votum der Schulkonferenz zu den Planungen vorliegt. „Der Antrag von CDU und Grünen ist mir aber sympathischer. Die Umbau-Planungen liegen vor und können direkt umgesetzt werden.“

SPD sorgt sich um Bestands- und Brandschutz

Die SPD-Fraktion sprach sich indes für eine Neubau-Planung aus. Hans Tylinski: „In einem Neubau können langfristig alle pädagogischen Anforderungen erfüllt werden. Wir sind weiterhin nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht von dieser Variante überzeugt. Sie ist auch zweckmäßiger.“ Fraktionskollege Uwe Beckmann warnte zudem davor, dass durch das veränderte Nutzungskonzept der Bestands- und Brandschutz nicht mehr gegeben sei. „Dann werden die Kosten explodieren“, sagte Beckmann.

Stadtvertretung entscheidet am Ende

Am Ende setzte sich die schwarz-grüne Mehrheit in beiden Ausschüssen mit jeweils sechs Stimmen durch. Die Vertreter der SPD sowie Marfee Broziat (FDP) votierten für einen Neubau. Martin Broziat (FDP) enthielt sich im Finanzausschuss der Stimme. Die endgültige Entscheidung, welches Konzept umgesetzt wird, trifft die Stadtverordnetenversammlung. Auch dort haben CDU (11 Mandate) und Grüne (5) bei insgesamt 27 Sitzen gemeinsam die Mehrheit.

Von Sebastian Prey