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Bad Schwartau Baustelle Schule: WLan im Unterricht ist eine Katastrophe
Lokales Bad Schwartau Baustelle Schule: WLan im Unterricht ist eine Katastrophe
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16:14 08.11.2019
„Normale" Unterrichtsstunde, in der das Internet genutzt wird, an der Gemeinschaftsschule Stockelsdorf. Einigermaßen guter Empfang ist nur außerhalb des Klassenraums zu haben.  Quelle: Doreen Dankert
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Stockelsdorf

Es ist eine ganz normale Unterrichtsstunde an einem Freitag im Fach Weltkunde an der Hilgendorf-Gemeinschaftsschule in Stockelsdorf. Robert Leu, der Lehrer, hat seinen Schülern aus Klasse 10 a die Aufgabe gestellt, sich in der ARD-Mediathek die Tagesschau vom Vorabend anzusehen und die behandelten Themen sowie dazu jeweils zwei bis drei inhaltliche Stichpunkte zu machen.

Schüler müssen im Unterricht auf den Flur

Der Klassensatz an Ipads ist unter den Schülern verteilt, alle wissen, was zu tun. Nach zehn Minuten öffnet sich die Tür vom Weltkunde-Klassenraum und die Schüler schwärmen grüppchenweise ins Foyer und auf den Flur aus. Immer das Ipad vor der Nase und die Augen auf den Balken gerichtet, der die Signalstärke der Internetverbindung anzeigt. Und um die Pointe vorwegzunehmen: Viele Antwortzettel werden am Ende der Stunde leer bleiben, weil die Schüler immer wieder aus dem Internet rausfliegen oder gar nicht erst reinkommen.

„Das ist der Normalzustand, wenn wir hier an der Schule WLan nutzen“, erklärt Lehrer Robert Leu, „das ist im Grunde eine Katastrophe, denn wenn wir in einer Unterrichtsstunde wie dieser solche Probleme haben mit dem Netz, dann ist die ganze Stunde hin.“

Solche Stunden, die durch mangelhafte WLan-Ausstattung torpediert werden, seien keine Einzelfälle an dieser Schule, bestätigt Schulleiter Karsten Lemke, „sondern das passiert regelmäßig so, weil ganz einfach kein leistungsstarkes WLan für den Unterricht vorhanden ist.“ In der Praxis bedeutet dieser Zustand, dass regelmäßig der Stoff im Lehrplan in digitalbasierten Stunden nicht vollständig abgearbeitet werden kann.

Mehrere Baustellen an Gemeinschaftsschule

Doch das WLan ist nur eine von mehreren Baustellen in der Gemeinschaftsschule. Auf der Liste stehen noch der Neubau des Chemieraums und einige andere dringend erforderliche Maßnahmen, die in einem Gesamtkonzept definiert werden sollen. Seit über einem Jahr wird an diesem Konzept gebastelt, allerdings hatte man in den Schule zuletzt den Eindruck, die Arbeit am Konzept sei erstarrt.

"Normale" Unterrichtsstunde, in der das Internet genutzt wird, an der Gemeinschaftsschule Stockelsdorf. Einigermaßen guter Empfang ist nur außerhalb des Klassenraums zu haben.  Quelle: Doreen Dankert

Deshalb hat die Schulleitung gerade noch rechtzeitig zur jüngsten Bauausschusssitzung einen Brandbrief an die Gemeindevertretung geschickt. „Auch wenn das Gesamtkonzept mit Umbau, Erweiterung und Sanierung noch nicht fertig ist“, erklärte Schulleiter Lemke, „so könnten einige Maßnahmen wie WLan-Ausbau bereits jetzt gemacht werden unabhängig vom Gesamtkonzept.“

Bauamtsleiter Dieter Rodewald erklärte, dass es eine Gesamtbetrachtung erst geben könne, wenn alle Fakten vorliegen. Das sei aber aktuell nicht der Fall. „Für die Schule ist die aktuelle Situation ungünstig, das sehe ich“, sagte Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD). Die Verwaltungschefin erklärte, dass es vermutlich Anfang Januar, wenn alle Zahlen vorliegen, einen Termin geben werde zur Besprechung der Situation. „Die ersten Zahlen sind da“, erklärte Samtleben, „und die sind erschreckend.“

Ohne Medienkonzept kein Geld aus Digitalpakt

Torsten Petersson (CDU) plädierte dafür, den Bauantrag zügig weiter zu bearbeiten. Zugleich wies Petersson darauf hin, dass vom Bund bereitgestellte Mittel aus dem Digitalpakt erst abgerufen werden können, wenn ein Medienkonzept vorliegt. Darum soll sich die Lehrkraft kümmern, die zum Januar extra dafür eingestellt werde, heißt es aus der Verwaltung. Stockelsdorf hat nämlich – im Gegensatz zu Bad Schwartau – noch gar kein Medienkonzept. Stockelsdorf könnte rund 450 000 Euro aus dem Digitalpakt beanspruchen für die drei Grundschulen und die Gemeinschaftsschule, in der es im Übrigen – im Gegensatz zu den Grundschulen – noch nicht ein einziges White-Board gibt. Das ist eine Digitaltafel, die per WLan mit dem Computer und den Ipad aller Schüler verbunden werden kann. In der Gemeinschaftsschule Stockelsdorf wird noch mit Kreide gearbeitet. „Wenn Grundschüler zu uns wechseln“, erklärte Lemke, „ist das für die erst einmal ein Rückschritt.“

"Normale" Unterrichtsstunde, in der das Internet genutzt wird, an der Gemeinschaftsschule Stockelsdorf. Schulleiter Karsten Lemke (r.) erlebt das täglich seiner Schule.   Quelle: Doreen Dankert

Ab Anfang 2020 soll jedenfalls an einem Medienkonzept gearbeitet werden – das war die Botschaft des Ausschusses. Für die Schulleitung war am Ende dieser Sitzung ein kleines Licht am Horizont sichtbar. „Ich habe das Gefühl, es wird sich bald was bewegen“, sagte Lemke hinterher, „es geht vorwärts, und das ist gut.“ Bis die Lösung da ist, findet der WLan-basierte Unterricht an der Hilgendorf-Schule weiterhin verstreut im Foyer statt.

Von Doreen Dankert

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