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Bad Schwartau Besonderer Film: Koki zeigt „Iran“, wie ihn kaum ein Ausländer kennt
Lokales Bad Schwartau Besonderer Film: Koki zeigt „Iran“, wie ihn kaum ein Ausländer kennt
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13:14 05.12.2019
Einladung zum Iran-Film von Filmemacher Wolfgang Burst (v.l.), Christian Cordts und Michael Schopenhauer vom Koki und Mario Raabe vom Movie Star.   Quelle: Doreen Dankert
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Bad Schwartau

So viel ist schon mal klar: Es wird ein Ausflug in eine ganz andere Welt, in eine fremde, schillernde, kulturell ungemein reiche, aber auch in eine abgeschottete und geheimnisvolle Welt – die Welt des Iran.

Die persische Kultur ist reichhaltig und berühmt – nicht zuletzt wegen ihrer monumentalen Bauwerke wie hier eine Moschee in Isfahan. Quelle: Doreen Dankert

Um dieses Land mit seiner wechselvollen Geschichte geht es, wenn das Kommunale Kino (Koki) wieder einmal zu einem ganz besonderen Film einlädt. „Iran 2018 – Eine Reise ins Ungewisse“ – so lautet der Titel des gut 90-minütigen Dokumentarfilms, der am Sonntag, 8. Dezember, um 11.30 Uhr im Movie Star Bad Schwartau läuft.

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Deutscher Filmemacher hat Sturz von Schah hautnah miterlebt

Gedreht hat den Film der Iran-Kenner Wolfgang Burst, der in der Nähe von Lübeck lebt. Der inzwischen 78-Jährige war Lehrer am Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium in Lübeck – und fünf Jahre lang an der Deutschen Schule in Teheran. 40 Jahre ist das jetzt her. Doch unvergesslich ist diese Zeit für Burst vor allem deshalb, weil sie mitten in die Zeit der Revolution fiel, als der Schah gestürzt wurde und das Mullah-Regime an die Macht kam – und es bis heute ist. Diese Erfahrung von damals, diesen Umsturz hautnah miterlebt zu haben, ist im Grunde unbezahlbar“, sagt Burst. Unzählige Male isist Wolfgang Burst danach immer wieder in den Iran gereist – in das für ihn „absolut faszinierende Land“.

Der täglich Mega-Stau in der Millionenmetropole Teheran ist bemerkenswert, denn dieser Stau grenzt fast schon an Wahnsinn bei 12 Millionen Pendlern, die morgens in die Stadt reinwollen und abends wieder raus. Quelle: Doreen Dankert

Wenn Burst im Land der Mullahs unterwegs ist – so wie im Moment gerade für vier Wochen in der iranischen Wüste Dasht-e Lut mit ihren gigantischen Dünen, den Mondbergen und den heißesten Temperaturen, die je auf der Erde gemessen wurden.

Heißester Ort der Erde im Iran

„Man hat in dieser Wüste schon einmal unvorstellbare 78,2 Grad gemessen“, sagt Burst, der bei seinem Abenteuertrip, der er erst kurz vor dem Kino-Ereignis am 8. Dezember zu Ende ist, einen befreundeten Arzt dabei hat. Über diese Wüste wird Wolfgang Burst dann in der Filmpause sicher auch mit den Kinobesuchern ins Gespräch kommen.

Diese große Brücke in Isfahan ist mehr als nur ein Treffpunkt für Iraner. Hier wird auch gedatet. Männer und Frauen treffen sich hier, um sich kennenzulernen. Quelle: Doreen Dankert

durch ganz Iran abseits der Touristenpfade gedreht hat, zeigt er den Iran, wie ihn ein kaum ein Ausländer dort zu Gesicht bekommt.

Aufbruchstimmung spürbar im Land

Burst, der im Übrigen auch Farsi spricht und so leicht mit den Einheimischen in Kontakt kommt, interviewt im Film auch Iraner, die über ihr Leben, ihre Träume und Hoffnungen, aber auch über ihre geplatzten Träume, Enttäuschungen und Ängste sprechen.

Den Nullen auf den Geldscheinen nach ist im Iran jeder Millionär. Ende November 2019 bekam man für einen Euro mehr als 45 000 Rial - für 100 Euro hat man zur Zeit also rund 4,5 Millionen Rial in der Hand.  Quelle: Doreen Dankert

Wolfgang Burst sagt, er spüre das Heranreifen einer Aufbruchstimmung im Iran, „und dass es die Frauen sein werden, die den gesellschaftlichen Wandel dort herbeiführen werden“.

Zwei Drittel der Studenten sind weiblich

Zwei Drittel der Studienplätze sind im Iran von Frauen belegt, sagt Burst. „Aber zur Realität in dem Land gehört auch, dass dort eine Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent herrscht, rund vier Millionen der 90 Millionen Iraner drogenabhängig sind, Iran nach China die zweithöchste Hinrichtungsquote in der Welt hat und dass in Wirklichkeit, so sagt man, nur 15 Prozent der Moslems dort wirklich gläubig sind“, erzählt Burst.

Der große Platz in Isfahan ist einer der größten der Welt und gilt als einer der schönsten. Hier treffen sich die Menschen, um zu entspannen, Kaffee zu trinken, um spazieren zu gehen oder auf dem Rasen zu picknicken. Fast immer sieht man hier Kinder im Wasser spielen. Quelle: Doreen Dankert

Aber was auch kaum jemand für möglich hält, ist, dass die Christen dort ihre Kirchen bauen dürfen (auf eigene Kosten) und dort eine erstaunliche Toleranz erfahren solange sie sich an das Missionierungsverbot der Mullahs halten.

Film für weltoffene Menschen

Dieser Film richtet sich an alle weltoffenen Bürger, die gern über den eigenen Tellerrand hinaussehen, Dinge hinterfragen, Vorverurteilungen ablehnen, sich ihr eigenes Bild machen und mehr wissen wollen als das, was die gängigen Medien bieten. „Dieser Film geht in die Tiefe und zeigt ein Iran, wie man es sonst nicht sehen kann“, sagt Burst.

Momentaufnahmen im Iran. In Teheran vor dem Freiheitsturm eine Selfie-Man-Plastik – ein beliebtes Fotomotiv für Ausländer. Quelle: Doreen Dankert

Aus 19 Stunden Filmmaterial hat Burst innerhalb von neun Monaten den Film zusammengeschnitten, der am zweiten Advent auf der Leinwand im Movie Star zu sehen ist. In der Filmpause nach ungefähr 50 Minuten werden zudem persische Gaumenfreunden gereicht.

Film läuft im größten Saal

Und weil der erste Film von Wolfgang Burst über den Iran vor ein paar Jahren im Movie Star den Saal damals restlos gefüllt hatte, „nehmen wir diesmal gleich den größten Saal, den wir haben, mit rund 250 Plätzen“, sagt der stellvertretende Kino-Chef Mario Raabe. „Und wir sind sicher, dass auch dieser Saal voll wird. Karten für den Iran-Film gibt es ab sofort im Movie Star für jeweils sieben Euro.

Von Doreen Dankert