Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Container auf Drei Kronen-Grundstück?
Lokales Bad Schwartau Container auf Drei Kronen-Grundstück?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:04 21.03.2014
Zur Zeit wuchert Unkraut auf dem Drei Kronen-Grundstück. Eigentümer Jürgen Koslowski bietet der Gemeinde Stockelsdorf diese Fläche an, um Wohncontainer für Migranten aufzustellen. Die Anwältin Nejla Celik verwaltet Koslowski-Immobilien. Quelle: Fotos: Doreen Dankert/LN-Archiv
Stockelsdorf

Die Zeit drängt. Der Strom der Flüchtlinge Richtung Deutschland reißt nicht ab, deswegen wird in der Gemeinde Stockelsdorf mit Hochdruck an einer Lösung zur Unterbringung der Migranten gearbeitet. Doch die angedachte Containerlösung direkt neben dem Migrantenheim am Brandenbrooker Weg hat die Bürgerinitiative (BI) „Gegen Schaffung eines Brennpunktes am Brandenbrooker Weg“ auf den Plan gerufen (die LN berichteten).

Politik und Verwaltung hatten bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung betont, dass man offen sei für andere Ideen bezüglich des Ortes, an dem die Wohncontainer stehen. Daraufhin hat die BI ihre Ideen, Vorschläge von leerstehenden Gebäuden und freien Plätze, bei der Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann eingereicht. Am Donnerstagabend fand im Rathaus ein — wie beide Seiten betonten — „sachliches und gutes Gespräch“ zu diesem Thema statt.

Doch eine weitere Option zur Lösung des Problems kommt jetzt ganz unerwartet aus einer ganz anderen Richtung — und zwar von Jürgen Koslowski, dem Eigentümer des Drei Kronen-Grundstücks am Ortseingang von Stockelsdorf. Die Gespräche zwischen Koslowski und der Verwaltung waren in Bezug auf das Grundstück und die verfallene Ruine, die im Januar 2012 abgerissen worden war und bis dahin viele Jahre als ärgerlicher Schandfleck galt, in der Vergangenheit nicht immer einfach. Nun bietet Koslowski der Gemeinde das Grundstück an, um dort die Container aufzustellen. Aus Sicht von Jürgen Koslowski sei das „die ideale Lösung, um einen Brennpunkt am Brandenbrooker Weg zu vermeiden.“ Koslowski zählt die Vorteile an dem Standort Segeberger Straße auf: „Das Grundstück ist groß genug, Anschlüsse sind vorhanden, es ist eine gute Anbindung und es gibt in der Nähe Spielplätze für die Kinder.“ Zudem wolle Koslowski die auf dem Grundstück befindliche leerstehende Ladenzeile ebenfalls zur Nutzung anbieten „als Gemeinschaftsraum für die Migranten“.

Grundsätzlich zeige sich die Verwaltung erfreut über jede Idee von Bürgern, die zur Lösung des Unterkunftsproblems beitragen. „Diese Vorschläge müssen wir natürlich erst prüfen“, so Brigitte Rahlf-Behrmann, die dabei vor allem die „baurechtliche Zulässigkeit“ für die Aufstellung von Containern im Blick hat. Am Brandenbrooker Weg sind die Voraussetzungen gegeben, eine B-Plan-Änderung, die ein Jahr dauern würde, ist hier nicht erforderlich. Die Container könnten hier mit Erteilung der Baugenehmigung sofort aufgestellt werden. „Wir leben in einem Rechtsstaat“, so die Bürgermeisterin, „und jeder erwartet, dass ich Recht und Gesetz einhalte.“

Eine Idee ist laut BI- Sprecherin Birgit Siems, die Wohncontainer auf dem Sportplatz am Herrengarten aufzustellen beziehungsweise später dorthin umzusiedeln. Auch das müsse vorab geprüft werden, so die Bürgermeisterin, die daran erinnerte, dass im vergangenen Jahr auf Druck einer anderen BI „Gegen Bebauung des Herrengartens“ die Pläne von Politik und Verwaltung über den Haufen geworfen worden sind, dort perspektivisch Wohnbebauung zuzulassen. Der Beschluss, davon Abstand zu nehmen, „bezieht sich auf eine feste Bauweise, nicht auf Container“, stellt die Bürgermeisterin klar.

Das Angebot von Jürgen Koslowski werde genauso sorgfältig geprüft wie die Vorschläge von der BI. Bisher gebe es in Sachen Drei Kronen-Grundstück allerdings nur das Angebot. Konditionen habe Koslowski noch nicht genannt. Am 28. März hat Koslowski einen Ortstermin mit der Bürgermeisterin. „Das muss dann auch passen“, so die Verwaltungschefin, die betont, dass im Falle eines Falles der Hauptausschuss darüber abstimmen werde.

„Wir wollen am Brandenbrooker Weg kein Spannungsfeld aufbauen“, versichert Rahlf-Behrmann, die betont, dass sie die Bedenken der Anwohner durchaus verstehen könne. Auf der anderen Seite ist Eile geboten. Bald stehen die vom Kreis zugewiesenen Migranten mit dem Koffer vor der Rathaustür. „Uns sitzt wirklich die Zeit im Nacken“, so Rahlf-Behrmann. Deswegen müsse die endgültige Entscheidung zum Standort der Container noch im April fallen.

Im Sommer 2014, so der Zeitplan, sollen diese schlichten Unterkünfte stehen. Wo auch immer. Im Zweifelsfall erst einmal im Brandenbrooker Weg.

Und wenn in zwei bis drei Jahren die zwei Stockelsdorfer Feuerwehren ihr neues Domizil am Bohnrader Weg bezogen haben, dann, so ein weiterer Vorschlag der BI, könne vielleicht auch das Feuerwehrhaus am Bäckergang als feste Unterkunft für Migranten genutzt werden. Auszuschließen sei das nicht, heißt es aus dem Rathaus.

Situation der Migrantenunterbringung
Noch 46 Migranten werden in diesem Kalenderjahr der Gemeinde Stockelsdorf vom Kreis Ostholstein zugewiesen. Ingesamt werden in diesem Jahr rund 500 Migranten im Kreis auf die Kommunen verteilt. Und man geht allgemein davon aus, dass der Strom der Flüchtlinge in den kommenden Jahren nicht abreißen wird. Das vor zwei Jahren eröffnete Migrantenwohnheim in Stockelsdorf am Brandenbrooker Weg mit 30 Plätzen ist schon seit geraumer Zeit komplett belegt. Parallel zur Containerlösung sucht die Gemeinde als Mieter weiterhin freien Wohnraum. Bürger, die freien Wohnraum zur Verfügung stellen würden, können sich bei Olaf Dages ☎ 04 51/490 12 09 oder Axel Kerbstadt ☎ 045 1/490 12 12 im Hauptamt melden.

Doreen Dankert