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Bad Schwartau „Demenz ist keine Krankheit, sondern ein Syndrom“
Lokales Bad Schwartau „Demenz ist keine Krankheit, sondern ein Syndrom“
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21:53 11.09.2015
Etwa 50 interessierte Hörer fanden sich zum Vortrag der Uni-Gesellschaft im Museum ein. Quelle: Fotos: Felix Banaski
Bad Schwartau

Alzheimer ist eine sogenannte Volkskrankheit. Mit aktuell schätzungsweise 1,5 Millionen Betroffenen in Deutschland ist es die häufigste dementielle Erkrankung — Tendenz stark steigend. Aufgrund der Aktualität dieser Thematik gab es auch ein reges Interesse an dem Vortrag „Hintergründe, Ursachen und Therapie von Morbus Alzheimer“ von Dr. rer. nat. Hermann Altmeppen im Rahmen der Vortragsreihe der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft Bad Schwartau.

Vor etwa 50 interessierten Hörern sprach der Diplom-Humanbiologe vom Institut für Neuropathologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) über den demographischen Wandel und die fortschreitende Alterung der Gesellschaft. „Das Alter ist der Hauptrisikofaktor für dementielle Erkrankungen“, so Altmeppen. Die Demenz sei dabei im eigentlichen Sinne keine Erkrankung, sondern ein Syndrom. Mehrere verschiedene Krankheiten bilden die Ursache für eine Demenz, so der Hamburger Grundlagenforscher. Altmeppen: „Morbus Alzheimer macht heute mit etwa 60 Prozent den größten Anteil der Demenzen aus.“

Die Erkrankung wurde 1907 durch den Münchener Psychologen Alois Alzheimer erstmals als eine „eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ beschrieben und heute als „chronischer und progressiver Verlust der Hirnfunktionen“ definiert. Verantwortlich für diesen Verlust sind pathologische, also krankhafte Prozesse im menschlichen Gehirn, die zu einem Absterben von Nervenzellen und letztendlich zum Tode führen. Dabei lässt sich Alzheimer nur in etwa einem Prozent aller Fälle auf genetische Mutationen zurückführen. „Bei 99 Prozent handelt es sich um sporadischen Alzheimer, was im Endeffekt nur bedeutet, dass die Forschung noch nicht genau weiß, wodurch dieser ausgelöst wird. Es handelt sich aber in jedem Fall um eine multifaktorielle Erkrankung“, erläutert der Forscher. Mögliche Ursachen für Morbus Alzheimer seien Umweltgifte, die Ernährung und Schädel-Hirn-Traumata.

„Morbus Alzheimer ist leider noch nicht heilbar. Die derzeitige Therapie richtet sich auf die Linderung der Symptome und die Verzögerung des Krankheitsverlaufs“, so Altmeppen. Da es sich beim Absterben von Nervenzellen um einen irreversiblen Vorgang handle, sei vor allem eine Früherkennung der Erkrankung wichtig. Für die künftige Heilbarkeit von Alzheimer gab Altmeppen eine vorsichtige positive Prognose. „Es gibt aktuell einige hoffnungsvolle Optionen in der Grundlagenforschung, die sich in der Erprobung befinden.“

Im Anschluss an den Vortrag bestand für alle Teilnehmer die Möglichkeit zur Besichtigung der „Villa Humanitas“ der Alzheimer Gesellschaft Lübeck und Umgebung.

Die nächsten Vorträge
Am 14. Oktober geht es um 19.30 Uhr weiter — und zwar „alkoholisch“. Es ist ein Vortrag über Scotch Whisky, der auch getestet werden darf. Allerdings ändert sich der Ort diesmal: Die Veranstaltung findet im Schießsportzentrum in der Jahn-Straße statt. Wissenschaftlich durch die Welt des Whiskys führen werden Prof. Dr. Ulrich Lüning und Prof. Dr. Christian Peifer. Für die Teilnehmer sind zehn Euro zuzüglich zum Eintrittspreis zu zahlen. Eine Anmeldung ist aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl von 25 erforderlich bei Henning Beck unter der Telefonnummer 01 71/851 09 34.
Am 22. Oktober geht es ab 19.30 Uhr im Museum um „Die Wikinger als Kaufleute, Piraten und Siedler“. Prof. Dr. Edith Marold berichtet über unsere nördlichen Vorfahren.
Am 19. November lautet das Thema „Schädlingsbekämpfung ohne Chemie“ mit Prof. Urs Wyss. Der Eintritt kostet immer fünf Euro. Auch dieser Vortrag im Museum beginnt um 19.30 Uhr.

Felix Banaski

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