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Bad Schwartau Eltern-Protest im Stockelsdorfer Rathaus
Lokales Bad Schwartau Eltern-Protest im Stockelsdorfer Rathaus
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10:52 21.11.2018
Eltern und Kinder protestieren in Stockelsdorf gegen die zeitliche Verschiebung der Pläne für die Offene Ganztagsschule. Schulelternbeirätin Diana Langfeld von der Erich-Kästner-Grundschule ergreift das Wort. Quelle: SEBASTIAN PREY
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Stockelsdorf

Wenn im Sitzungssaal des Stockelsdorfer die Sitzplätze für Besucher nicht mehr ausreichen, dann liegt meist Ärger in der Luft. So war es auch am Montagabend im Ausschuss für Jugend, Sport, Soziales, Schule und Kultur (JSSSK). Rund 50 Mütter, Väter und Kinder waren gekommen, um gegen die Entscheidung zu protestieren, die Planungskosten für den Ausbau der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Stockelsdorf aus den Haushalt 2019 zu nehmen. Das hatte der Hauptausschuss in der vorigen Woche bereits beschlossen und viele Eltern damit vor den Kopf gestoßen. Über die sozialen Medien brach sich der Unmut bereits Bahn. Und das wiederum nicht zur Freude der Politik. „Es ist nicht im Ordnung, dass über Facebook Eltern mit falschen Informationen aufgewiegelt werden“, platzte es aus der JSSSK-Vorsitzenden Sabine Gall-Gratze (Grüne) heraus. Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) agierte etwas diplomatischer. „Ich freue mich, dass so viele Leute heute hierher gekommen sind. Es ist wichtig für uns, auch Feedback zu bekommen“, erklärte Samtleben. Die Bürgermeisterin räumte zudem ein, die Entscheidung nicht transparent genug kommuniziert zu haben. Von Kritik verschont blieb sie aber nicht.

„Sie haben die Mittel für die Offene Ganztagsschule gestrichen und setzen mittelfristig weiter auf die Container-Lösung. Eine familienfreundliche Gemeinde sieht anders aus“, eröffnete Diana Langfeld, Schulelternbeiratsvorsitzende der Erich-Kästner-Grundschule, die Diskussion. Birgit Kalläne, Schulelternbeirätin der Gerhart-Hauptmann-Grundschule: „Es sieht so aus, als würde es beim Konzept OGS-light bleiben und die Viertklässler bleiben weiter auf der Strecke.“ Christian Kausch wollte wissen, wann es denn mit konkreten Baumaßnahmen losgehen kann und Mirko Zuther fragte, ob bei einer Gesamtinvestionssumme von rund vier Millionen Euro überhaupt der Wille vorhanden sei, die Kinderbetreuung auszubauen.

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Politik und Verwaltung wurden immer wieder aufs Neue gefordert. Mehrfach betonte Samtleben, dass die Gemeinde bei den Ausbauplänen nicht zurückgerudert sei. „Wir halten daran fest. Der Neubau ist absolut gewollt“, erklärte die Bürgermeisterin. Dass man die Planungskosten aus dem Haushalt 2019 genommen habe, dafür gebe es gute Gründe. „Es macht keinen Sinn Planungskosten einzuplanen, wenn man weiß, dass diese nicht ausgegeben werden können“, erläuterte Samtleben. SPD-Fraktionschef Ralf Labeit sprach deshalb mehr von einer Art „Haushalts-Kosmetik“. CDU-Vertreter und zugleich Vorsitzender des OGS-Trägervereins Manfred Beckmann betonte, dass zumindest die personelle Ausstattung für die Kinderbetreuung ausreichend sei. „Wir haben momentan ein gutes AG-Angebot. Aber aufgrund der räumlichen Situation gehen viel Kinder nicht in die OGS“, berichtete Michaela Bierschwall, stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins. FDP-Vertreter Peter Hinzmann räumte ein, dass alles momentan schwer nachvollziehbar sei. „Im Hauptausschuss haben wir aber auch besprochen, dass wir künftig Schulleitung und Elternvertreter mehr mit einbeziehen müssen“, berichtete Hinzmann.

Aussagen, die die anwesenden Eltern nicht unbedingt beruhigten. Wenngleich Bürgermeisterin Samtleben hofft, dass sich die prekäre Betreuungssituation an den Grundschulen mit der angestrebten Container-Lösung schon verbessern werde. Allerdings liege immer noch keine Baugenehmigung vom Kreis vor. Unabhängig davon werde man aber schon die Container bestellen, damit es keine weiteren Verzögerungen mehr gibt und sich so vermutlich die räumliche Situation im ersten Quartal 2019 etwas entspannen werde. Aus ihrer Sicht müsse man dann auch noch einmal den tatsächlichen Bedarf an Betreuungsplätzen ermitteln. „Wir dürfen nicht den Fehler machen und zu klein bauen, um dann gleich wieder anzubauen – so wie bei der Kita ,Himmelblau’“, erklärte Samtleben. Einen konkreten Termin, wann die OGS fertiggestellt sein soll, nannte die Bürgermeisterin allerdings nicht.

Sebastian Prey