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Bad Schwartau Großer Ärger über gefällte Bäume
Lokales Bad Schwartau Großer Ärger über gefällte Bäume
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20:05 09.04.2015
Berit und Gert Retzer ärgern sich, dass der Weg vom Bahnhof Richtung Innenstadt mit gefällten Baumstämmen gesäumt ist. Quelle: Fotos: Lintschnig
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Bad Schwartau

Sie wollen mit dem Anblick nicht leben. Und sie werden hartnäckig bleiben. Berit und Gert Retzer wohnen in der Bahnhofstraße. Dort wurden vor etwa einem Monat rund 20 Eichen und Buchen gefällt (die LN berichteten).

Und das, was die Mitarbeiter der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten bei der Fällung der Bäume hinterlassen haben, ist der Grund für die Aufregung. „Die ganzen Äste und Baumstämme liegen dort immer noch“, sagt Berit Retzer. Es sehe aus wie „Tabula Rasa“; die ganze schöne Allee sei zerstört, so empfindet sie es. Und dieser Anblick würde nicht nur sie persönlich stören, sondern der ganzen Stadt schaden. „Wir sind ein Kurort. Es ist doch das Entrée der Stadt, das Erste, das Besucher hier sehen, wenn sie aus der Bahn steigen. Die drehen doch sofort wieder um.“

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Das Ehepaar Retzer hätte sich schon vor Abholzung der Bäume gewünscht, über eine solche Maßnahme informiert zu werden. „Bei den Platanen in der Innenstadt wurden alle gefragt und informiert — hier wurde einfach gemacht“, sagt Gert Retzer. Der Pensionär hat sich mit einer E-Mail an die Landesforsten gewandt — und darin Forderungen aufgestellt.

„Der herumliegende Baumschnitt muss endlich weggeräumt werden und die Bäume, die von den Landesforsten als Habitatbäume zur Hälfte stehen gelassen wurden, sollen ebenfalls verschwinden.“ Außerdem will der 60-Jährige eine Begründung dafür bekommen, warum die Abholzungsmaßnahmen in diesem extremen Maße gemacht wurden. „Dass es etwas mit Verkehrssicherheit zu tun hat, das mag schon sein. Aber auch da gibt es weitaus schonendere Maßnahmen, als alles einfach wegzureißen.“

Schließlich müsse das Erscheinungsbild der Bahnhofstraße mit ihren denkmalgeschützten Jugendstil-Villen und alten Alleebäumen besonders geschützt werden, findet er. „Die Landesforsten hätten sensibler sein müssen. Ihr Handeln war einfach nur zerstörerisch.“ Retzer hat sogar schon darüber nachgedacht, einen unabhängigen Baumexperten zu bestellen, der die Lage neutral einschätzt: „Aber das ist vielleicht nicht nötig, wenn der Landesforst einlenkt.“ Bisher hat Retzer keine Antwort bekommen.

Und es gibt mehr Menschen in Bad Schwartau, die ähnlich denken wie das Ehepaar Retzer. „Es ist unglaublich, was da angerichtet wurde“, sagt Klaus Nentwig, Erster Vorsitzender des Gemeinnützigen Bürgerverein Bad Schwartau.

„Und so wie das an mich herangetragen wurde, sehen das viele in unserem Verein.“ Immerhin 1300 Mitglieder zählt der Bürgerverein — und die sehen das Thema ziemlich emotional. „Einer kam zu mir, der hat am ganzen Körper gezittert, weil er es einfach nicht verstehen konnte, was dort mit den Bäumen angerichtet wurde“, berichtet Nentwig. Von „Baumleichen“ sei die Rede, und von einem „schrecklichen Anblick“. Besonders die Landesforsten werden dafür verantwortlich gemacht.

„Nur weil den Landesforsten die Flächen gehören, kann man doch trotzdem das Gespräch zur Stadt und deren Bürgern suchen. Das gehört sich so“, sagt Nentwig. Er hat schon mit Politikern gesprochen und mit ihnen gemeinsam einen Blick auf die Situation in der Bahnhofstraße geworfen. „Mir wurde Hilfe zugesagt. Ich hoffe, dass in diesem Frühjahr noch angefangen wird, Bad Schwartaus Entrée wieder schön zu machen.“

Auch Berit und Gert Retzer würden sich wünschen, dass die Landesforsten im Dialog mit den Schwartauer Bürgern endlich diese in ihren Augen „inakzeptable Situation“ lösen. „Ich könnte mir einen parkähnlichen Randstreifen auf beiden Seiten vorstellen, vielleicht mit ein paar Rhododendren“, sagt Berit Retzer. Aber das sei nur so eine fixe Idee, gemeinsam würde gewiss eine Lösung gefunden werden. Und wenn nicht: „Wir bleiben hartnäckig. Wenn nichts anderes geht, dann wenden wir uns an die Politiker in Kiel.“

So arbeiten die Landesforsten
1 Mal im Jahr kontrolliert Förster Karsten Tybussek von der Försterei Scharbeutz die Bäume in seinem Revier auf Totholzanteil und einen möglichen Pilzbefall. Und manchmal gibt es dann keinen anderen Weg, als die Bäume zu fällen. „Bäume an Straßen und im Stadtgebiet haben absolute Priorität. Es ist schließlich meine Verantwortung.“
Bei den Bäumen in der Bahnhofstraße wurde die Stadt Bad Schwartau von Tybussek über die Maßnahme informiert. Noch bis Herbst werden die Baumschnittreste vor dem Bahnhof liegen bleiben, bis sie aufgearbeitet und als Brennholz verkauft werden. Was mit der Fläche dann passiert, ist offen. Tybussek: „Nächste Woche gibt es ein Treffen zwischen dem Landesforst und der Stadt Bad Schwartau. Es gibt für alles eine Lösung, und wir sind natürlich bereit, Kompromisse einzugehen.“

Hannes Lintschnig