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Bad Schwartau Gymnasien künftig nur mit sechs Zügen
Lokales Bad Schwartau Gymnasien künftig nur mit sechs Zügen
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12:37 17.12.2018
Das Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau soll neu gebaut werden. Quelle: BS
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Bad Schwartau

Wer gedacht hatte, dass nach dem Beschluss, das Gymnasium am Mühlenberg (GaM) neu zu bauen, in die Schul-Diskussion in Bad Schwartau Ruhe einkehren würde, wurde bei der letzten Stadtverordnetenversammlung des Jahres am Donnerstag eines Besseren belehrt. Tagesordnungspunkt 14 war ein Beschlussvorschlag der Verwaltung – beruhend auf einem Antrag von CDU, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP –, wonach den künftigen Planungen an den beiden städtischen Gymnasien Leibniz und GaM jeweils eine Dreizügigkeit zugrunde gelegt werden soll. „Darüber haben wir im Bildungsausschuss bereits ausführlich diskutiert“, betonte Carsten Dyck (CDU). In der Tat: Der Bildungsausschuss hatte Ende September mit den Stimmen von CDU, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung die Verkleinerung der Schulen zu empfehlen (die LN berichteten), da die Prognosen künftiger Schülerzahlen unsicher seien und es durch die Rückkehr zu G9 erhöhten Raumbedarf gebe. Bislang ist ein insgesamt siebenzügiges gymnasiales Angebot vorgesehen.

Die Empfehlung des Bildungsausschusses lag also vor, ebenso allerdings ein Antrag der SPD, die sich schon im Bildungsausschuss vehement gegen die Reduzierung gewehrt hatte. Sie beantragte, die in der Funktionalausschreibung für den GaM-Neubau vorgesehene Dreieinhalb-Zügigkeit beizubehalten. Die Argumente: Der 2013 erstellte Kreisschulentwicklungsplan beinhalte Fehleinschätzungen; so hätten die beiden Gymnasien 161 Schüler mehr als damals prognostiziert. Zudem sei das Leibniz-Gymnasium mit 32 Klassen in acht Stufen durchgehend vierzügig, das GaM mit 29 Klassen in acht Stufen 3,625-zügig. „Eine Reduzierung der Zügigkeit führt zu einer marginalen Senkung der Kosten bei anstehenden Baumaßnahmen“, betonte Hans Tylinski (SPD), „bei einer Fehlplanung müssten wir dafür im Anschluss wesentlich mehr bezahlen.“

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Die FDP-Fraktion hatte sich schon vor der Versammlung von der alten Position verabschiedet und die Verwaltung um neue Zahlen gebeten. Bürgermeister Uwe Brinkmann erläuterte, dass das der Neuplanung des GaM zugrunde gelegte Raumkonzept auf 3,5-Zügigkeit beruhe. Er habe mit dem Planungsbüro gesprochen, dieses gehe davon aus, dass die Kosten bei einer dreizügigen Planung um fünf Prozent gesenkt würden. Bei einem reduzierten Raumprogramm müsste allerdings die Ausschreibung entsprechend angepasst werden. „Das ist möglich, dauert aber einige Wochen“, so der Bürgermeister. Christian Trübger (FDP) erklärte: „Wir können einer Reduzierung nicht mehr zustimmen.“ Auch der Stadtverordnete Thomas Podella erklärte: „Ich unterstütze den SPD-Antrag. Wenn wir schon neu bauen, sollten wir auch allen Optionen Raum geben.“

Hans-Peter Pahlke (SPD) warb um weitere Unterstützer: „Wenn wir bei höherem Bedarf in einigen Jahren nachliefern müssen, gibt es keine Fördermittel mehr.“ Außerdem warnte er vor der Entwicklung zu einem großen Leibniz-Gymnasium und einem „Mini-GaM“. Er fürchte, dass eine künstliche Konkurrenzsituation zu Lasten des GaM geschaffen werde. Alexander Schmuck (CDU) wollte dieses Argument nicht gelten lassen: „Bei Dreizügigkeit von mini zu sprechen, ist ja wohl nicht richtig.“ Auch Andreas Marks (CDU) betonte angesichts Pahlkes Vehemenz: „Nur weil wir unterschiedlicher Meinung sind, heißt das ja nicht, dass wir nicht verstehen, was Du meinst.“

Es folgte eine 15-minütige Sitzungsunterbrechung, in der Bauamtsleiter Thomas Sablowski die Anregung gab, es bei dem bisherigen Beschluss zu belassen und die Räume, sollten sie nicht gebraucht werden, gegebenenfalls unterzuvermieten. Bei der folgenden Abstimmung sprachen sich die Vertreter von SPD, FDP sowie die Grünen-Abgeordnete Gudrun Berger und Podella mit insgesamt zwölf Stimmen für den SPD-Antrag aus, CDU und die anderen vier Vertreter der Grünen (15 Stimmen) dagegen. Beim Beschlussvorschlag der Verwaltung dann das umgekehrte Bild: CDU und vier Grüne dafür, SPD, FDP und Gudrun Berger dagegen (elf Stimmen), Podella enthielt sich. Die Bad Schwartauer Gymnasien werden also künftig nur noch mit jeweils drei Zügen geplant.

Ilka Mertz