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Bad Schwartau Hagedorn wirft Bahn respektloses Verhalten vor
Lokales Bad Schwartau Hagedorn wirft Bahn respektloses Verhalten vor
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17:26 06.05.2019
Der Bahnübergang an der Kaltenhöfer Straße: In Bad Schwartau wird über den Lärmschutz an der Bahntrasse gestritten. Quelle: Sebastian Prey
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Bad Schwartau

Zwei Stadtvertreter wurden bei der Info-Veranstaltung der Bahn in der Gaststätte Marienholm in Bad Schwartau des Saales verwiesen. Interessierte Bürger mussten vor der Tür mehr als eine halbe Stunde lang warten, weil der Veranstaltungsort viel zu klein war. Und die Auswahl des Veranstaltungstermins am 30. April parallel zum Beginn von vielen Maifeiern sind nur einige Gründe, die die SPD-Politikerin Bettina Hagedorn in Rage bringen. „Die Bahn hat gerade jede Glaubwürdigkeit verloren – nicht nur in Bad Schwartau“, sagt Bettina Hagedorn. „Auch der DB- Auftritt im Kreis Stormarn wenige Tage zuvor war ebenfalls eine totale Desinformations-Katastrophe.“

Arrogantes und bürgerfernes Verhalten

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Finanzen ärgert sich insbesondere über die Respektlosigkeit gegenüber Kommunalpolitikern und vielen Ehrenamtlern, die sich seit Jahren für eine gemeinsame Lösung in Sachen Lärmschutz im Dialogforum und in Initiativen einbringen. Das Auftreten der Bahn sei deshalb vollkommen inakzeptabel. Aus ihrer Sicht seien Bürgermeister, Stadtverwaltung und gewählte Stadtvertreter zudem gezielt nicht eingeladen worden. Auch die Art und Weise, die Bürger an verschiedenen Stehtischen zu informieren, habe nicht für Transparenz gesorgt. „Welch ein arrogantes, technokratisches, bürgerfernes Vorgehen der Deutschen Bahn“, kritisiert Hagedorn und verweist auf den Deutschen Bundestag, der am 28. Januar 2016 einstimmig übergesetzlichen Lärmschutz an Güterschwerverkehrstrassen nach transparenter Bürgerbeteiligung à la Rheintal beschlossen hatte.

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„Was die Bahn hier praktiziert, ist das Gegenteil. So zerstört die Bahn das Vertrauen, das in den letzten Jahren im Dialogprozess in Ostholstein aufgebaut wurde. Der Bundestag entscheidet über zusätzlichen Lärmschutz – nicht die Bahn. Ein unfassbares Vorgehen der DB“, erklärt Hagedorn und erinnert daran, dass die Bahn im Falle der festen Fehmarnbeltquerung lediglich bezahlter Dienstleister des Bundesverkehrsministeriums sei. „Da wäre mehr Offenheit und Transparenz und weniger Arroganz mehr als angebracht. Professionell ist die Bürgerbeteiligung der DB in keinem Fall.“

Bahn ist von der Kritik überrascht

Bahn-Spreche Peter Mantik zeigt sich von der Kritik Hagedorns überrascht. „Wir haben das Format bewusst gewählt und auch nicht zum ersten Mal, um mit Betroffenen persönlich ins Gespräch zu kommen. Diesen Austausch haben wir mit elf Kollegen wahrgenommen. Wir haben viele sachliche und konstruktive Gespräche – auch mit positivem Feedback – geführt. Auch vor dem ,Marienholm’ waren wir stehend und sitzend in Gesprächen zu allen Themen aktiv“, berichtet Mantik.

Politiker vor die Tür gesetzt

Zu der Info-Veranstaltung in die Gaststätte „Marienholm“ hatte die Bahn insgesamt 403 Bad Schwartauer Haushalte, die in direkter Nähe zur Bahntrasse liegen, schriftlich eingeladen. Kommunalpolitiker und Bürgermeister seien bewusst nicht eingeladen worden, weil man in erster Linie mit den direkt Betroffenen ins Gespräch kommen wollte, allerdings seien alle Interessierten willkommen, erklärte die Bahn im Vorfeld.

Bei der Info-Veranstaltung kam es allerdings zu einem Eklat, denn die SPD-Stadtvertreter Uwe Beckmann und Hansjörg Thelen wurden vor die Tür gesetzt. Sie widersprachen zuvor der Darstellung der Bahn und sprachen von „gezielter Desinformation“. Laut Bahn-Sprecher Peter Mantik hätten die beiden Politiker die Info-Tische zu lange blockiert.

Im Streit zwischen Bad Schwartau und der Bahn geht es um die Gestaltung des Lärmschutzes. Denn die Stadt wünscht sich eine Tieferlegung der Bahngleise bis auf sieben Meter. Die bei Bahn, Land und Mediatoren favorisierte Lösung sieht dagegen eine Tieferlegung der Gleise von maximal 3,20 Meter vor.

Sebastian Prey

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