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Bad Schwartau Solidarische Landwirtschaft: Hier wird die Ernte geteilt!
Lokales Bad Schwartau Solidarische Landwirtschaft: Hier wird die Ernte geteilt!
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21:51 15.03.2019
Furchen ziehen, einpflanzen und pflegen: Dennis Wachholz, Natalie Adams und Hans Schomacker (hinten) betreiben auf dem Krumbecker Hof eine Solidarische Gemüsegärtnerei. Quelle: Luisa Jacobsen
Stockelsdorf/Bad Schwartau

Jetzt wird angepflanzt: Rote Bete, Kohlrabi, Blumenkohl, Spinat, Pak Choi, Salate und einiges mehr. Schon im Mai wollen Dennis Wachholz und Natalie Adams ihre erste Ernte einfahren und die Produkte an ihre Mitglieder verteilen. Das junge Ehepaar betreibt seit Kurzem auf dem Krumbecker Hof in der Gemeinde Stockelsdorf eine solidarische Gemüsegärtnerei. Ein Nischenkonzept, das landesweit immer beliebter wird.

70 private Haushalte aus Lübeck, Stockelsdorf, Bad Schwartau und Umgebung haben sich der solidarischen Gemüsegärtnerei bereits angeschlossen. Das Prinzip lautet Kostenteilung: Die Mitglieder zahlen einen monatlichen Betrag und können dafür ein Mal in der Woche in einem Depot in ihrer Nähe eine Wochenration frisches Gemüse abholen. Der Beitrag richtet sich nach den Erzeugungskosten, die Dennis Wachholz und Natalie Adams jährlich entstehen.

„Unsere Richtwerte sind 55 Euro für einen kleinen Anteil und 95 Euro für einen großen Anteil“, sagt Wachholz. „Den großen Anteil empfehlen wir Familien mit zwei Erwachsenen, die es regelmäßig schaffen, zu kochen“, erklärt er. Es ist aber auch möglich, etwas weniger oder mehr als die Richtwerte zu zahlen. In einem Bieterverfahren entscheiden die Mitglieder, wie viel Geld sie für ihren Anteil zahlen wollen und können. Am Ende zählt, dass die Erzeugungskosten gedeckt sind und die Betreiber und Mitarbeiter von ihrer Arbeit leben können.

Dennis Wachholz und Natalie Adams betreiben in Stockelsdorf eine solidarische Gemüsegärtnerei

Verbraucher übernehmen in der Solawi Verantwortung

Der Sinn hinter der solidarischen Landwirtschaft (kurz Solawi) ist, „dass Verbraucher wieder Verantwortung übernehmen“, sagt Dennis Wachholz. Mitglieder und Interessierte können jederzeit bei der Gärtnerei vorbeikommen, sich die Pflanzen anschauen und mitarbeiten. Gleichzeitig ermöglicht das regelmäßige Einkommen den Erzeugern, auch mal etwas zu wagen. „Wir können viel ausprobieren“, sagt Natalie Adams.

Mehr als 30 verschiedene Gemüse-Sorten bauen die beiden auf dem knapp drei Hektar großen Gelände an. „Im Winter gibt es eher Wurzelgemüse und Salate“, sagt Natalie. Im Sommer stehen Tomaten, Gurken, Zucchini, Möhren, Zwiebeln, Melonen und noch mehr auf dem Ernteplan. Angebaut wird pestizidfrei und sogar nach Demeter-Vorgaben. Unterstützt werden die beiden bei ihrem Vorhaben von Hans Schomacker, der zuvor 27 Jahre lang die Gemüsegärtnerei auf dem Krumbecker Hof betrieben hat.

200 Betriebe deutschlandweit und wachsendes Interesse

Solidarische Landwirtschaft sei noch immer eine absolute Nische, doch das Interesse der Verbraucher wachse, sagt Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Mehr als 200 Solawis gibt es laut dem Netzwerk Solidarische Landwirtschaft in Deutschland. Jeden Monat bekommen wir fünf bis zehn Anfragen von Betrieben oder Initiativen, die sich umstellen oder aufbauen wollen“, sagt Stephanie Wild vom Netzwerk.

Das empfindet auch Martin Piper vom Hof Hollergraben bei Schönwalde am Bungsberg so. Zusammen mit Daniel Fitsch und Viola Göpel betreibt er dort seit 2016 eine Solawi. Ein Depot gibt es in Eutin. „Viele Verbraucher wollen heutzutage wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen“, sagt Martin Piper. „Alles ist drei Mal in Plastik verpackt, das macht viele unzufrieden.“ Wie Dennis Wachholz und Natalie Adams sucht auch Hof Hollergraben noch Mitglieder. Konkurrenz besteht zwischen den Betrieben aber nicht. Im Gegenteil: Man kennt sich, ist befreundet und unterstützt einander.

Depots in Stockelsdorf, Bad Schwartau und Lübeck

Zudem ist die Solawi von Dennis Wachholz und Natalie Adams nicht auf andauerndes Wachstum ausgerichtet. „Optimalerweise kommen wir auf 150 Anteile und 15 Depots in der Umgebung“, sagt Wachholz. Mit dieser Größe ist ihr Ziel erreicht. Aktuell haben Dennis und Natalie schon vier Depots in Lübeck, eines in Stockelsdorf und eines in Bad Schwartau. In Stockelsdorf und Bad Schwartau suchen sie aber noch je einen Raum mehr. Groß sind die Ansprüche an den Raum nicht: „Wir benötigen ihn immer mittwochs für sieben Stunden“, sagt Dennis Wachholz. Bestenfalls teilen sich dann zehn Haushalte ein Depot.

Info-Veranstaltungen

Wer die Wochenrationen vom Hof abholt, wofür die Beiträge genau eingesetzt werden und wie eine Mitarbeit aussehen kann, das erklären Dennis Wachholz und Natalie Adams bei ihren Info-Veranstaltungen. Die nächste findet am Donnerstag, 21. März, um 18.30 Uhr im Fundus, Moislinger Allee 42, in Lübeck statt.

Am 13. April folgt eine weitere Veranstaltung in der Kulturscheune Krumbecker Hof bei Obernwohlde. Beginn ist um 15.30 Uhr. Interessierte können sich auch direkt unter Telefon 01575 5198667 oder unter solawi.krumbecker.gaertnerei@gmail.com melden.

Luisa Jacobsen

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