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Bad Schwartau Künstler zeigen farbige Aquarelle in der Klinik und abstrakte Kunst im Rathaus
Lokales Bad Schwartau Künstler zeigen farbige Aquarelle in der Klinik und abstrakte Kunst im Rathaus
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16:51 03.07.2019
Stellen gemeinsam in der Asklepios Klinik am Kurpark aus: Marion Gronowsky, Ruth Kritzler-Koch, Gabriela Ihlow, Kitty Bredahl, Peter Heidmann und Renate Lühr (von links). 
Stellen gemeinsam in der Asklepios Klinik am Kurpark aus: Marion Gronowsky, Ruth Kritzler-Koch, Gabriela Ihlow, Kitty Bredahl, Peter Heidmann und Renate Lühr (von links).  Quelle: Sebastian Prey
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Bad Schwartau

Küstenlandschaften, raue See, Steilufer, Boote unter vollen Segeln, Häuser mit Reetdach, Rapsfelder, Blumen und Früchte – die Motive auf den Fluren der Asklepios Klinik am Kurpark in Bad Schwartau wiederholen sich. Doch die Schau, die den Titel „Farbiger Norden in Aquarell“ trägt, ist ganz und gar nicht langweilig. So unterschiedlich wie die Künstler sind, sind beim genaueren Betrachten auch ihre Werke.

Ausstellungs-Premiere für zwei Künstler

Mit Kitty Bredahl, Marion Gronowsky, Ruth Kritzler-Koch und Renate Lühr stellen Künstlerinnen aus, die schon seit zehn Jahren und zum Teil auch weit darüber hinaus künstlerisch aktiv sind. Ruth Kritzler-Koch aus Timmendorfer Strand hat sogar eine Ausbildung als Grafik-Designerin gemacht und Marion Gronowsky aus Hamberge bietet schon eigene Malkurse an den Volkshochschulen Neustadt, Stockelsdorf, Bad Segeberg und Tangstedt an. Mit Gabriela Ihlow und Peter Heidmann sind aber auch zwei absolute Newcomer dabei. „Das ist meine erste Ausstellung und natürlich ist das etwas aufregend“, sagt Ihlow, die gelernte Steuerfachangestellte ist. Ähnlich geht es Peter Heidmann. Der Ingenieur aus Börnsen ist erst seit vier Jahren künstlerisch aktiv. „Es ist spannend zu sehen, wie die Leute auf die Bilder reagieren“, sagt Heidmann.

In gleich zwei neuen Ausstellungen gibt es ab Juli 2019 in Bad Schwartau Kunst zu sehen.

Kennengelernt haben sich die sechs Künstler in einem VHS-Malkurs in Scharbeutz von Dieter Kiesow, der bei allen auch die Liebe zur Aquarellmalerei geweckt hat. „Wir haben auch alle unsere Freude an den Malreisen“, verrät die Lübeckerin Renate Lühr. Die schätzt auch Kitty Bredahl. „Am liebsten setzte ich mich mitten in die Natur und male“, berichtet die Klingbergerin Kitty Bredahl, die Küstenmotive bevorzugt.

Der Förderverein Bildende Kunst Ostholstein organisiert die Ausstellung des Malkursus, die noch bis zum 30. August zu sehen ist. „Wir sind ja ein Förderverein und wollen entsprechend auch unterstützend tätig sein. Eine Mitgliedschaft bei uns ist da nicht zwingend notwendig“, erklärt Antonia Drobig, die für den Förderverein die Schau begleitet und unterstützt. Durch die Betreuung des Fördervereins können weniger erfahrende Künstler leinen, wie man eine Ausstellung gestaltet. Der Förderverein für Bildende Kunst Ostholstein erstellt unter anderem die Einladungen und Plakate und unterstützt bei der Pressearbeit sowie bei der Hängung der Bilder.

Neues auch im Rathaus: Abstraktes und Maritimes

Neue Kunst gibt es ab sofort aber auch noch im Rathaus. Mit ihrer Ausstellung unter dem Motto „Offene Horizonte“ gibt sich die Neustädterin Karen Behrendt-Voigt als Künstlerin in der Solbadstadt bereits zum dritten Mal die Ehre. 20 zum Teil sehr großformatige Bilder schmücken jetzt das Foyer im ersten Stock. Was sofort ins Auge fällt: Die Künstlerin liebt kräftige Farben und geht alles andere als zimperlich damit um. „Ich will eigentlich immer mal ein Bild mit zarten Farben malen“, gesteht Karen Behrendt-Voigt, „aber wenn das Bild dann fertig ist, dann ist es eben immer sehr farbig. Aber das spiegelt mich wider, denn ich bin auch nicht sanft, sondern kraftvoll.“ Denn in dem, was man kreiert, sagt die Künstlerin, zeige man auch immer ein Stück von sich selbst.

Was das aber genau ist im Fall der 70-jährigen Neustädterin, das darf der Betrachter bei vielen Bildern für sich selbst herausfinden. Neben ihren maritimen Motiven wartet Karen Behrendt-Voigt vor allem mit abstrakter Malerei auf. Einige Bilder haben einen Titel wie das goldgelbe hieroglyphenartige Struktur auf schwarzem Grund: „Eingebung“. Andere Bilder haben keinen Titel. „Vieles überlasse ich beim Malen dem Zufall“, sagt die Künstlerin, „ich mag das Unperfekte“. Und offenbar auch das Experimentelle. Denn auf den Leinwänden findet der Betrachter meistens mehr als nur Acrylfarbe. Sand zum Beispiel als Beimischung zur Farbe für den Untergrund. „Das gibt eine spezielle Struktur“, sagt sie. Aber sie verwendet noch ein paar andere Materialien, „allerdings werde ich nicht alles verraten“.

Seit zehn Jahren widmet sich die frühere medizinische Fachkraft der Kunst. „Jetzt habe ich die Zeit dazu. Und heute bin ich mutiger, ich bin befreit von irgendwelchen Zwängen.“ Aus das zeige sich in ihren Bildern. „Was andere sagen, ist mir egal.“ Bis zum 2. September werden die Werke von Karen Behrendt-Voigt im Rathaus zu sehen – und auch zu kaufen sein. Die Preisspanne reicht von 200 bis 1400 Euro.

Sebastian Prey und Doreen Dankert