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Bad Schwartau Schwartau-Drama: So wurde ein Kurgast zum Lebensretter
Lokales Bad Schwartau Schwartau-Drama: So wurde ein Kurgast zum Lebensretter
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19:12 08.12.2018
Der Berliner Ilja Scherbarth (50) ist derzeit Kurgast in Bad  Schwartau. Am Abend des 4. Dezember hat er einer Frau, die hilflos im Fluss Schwartau trieb, das Leben gerettet.   Quelle: Doreen Dankert
Bad Schwartau

Dramen haben die Eigenschaft, dass sie selten mit Vorankündigung passieren. So war es auch am Dienstagabend, als eine Frau bewegungslos in der Schwartau im Kurpark trieb. Es war gegen 20.30 Uhr. Ilja Scherbarth hatte es sich mit seiner Frau im Bett für einen entspannten Fernsehabend gemütlich gemacht. Das Ehepaar aus Berlin, das zurzeit auf Kur in der Solbadstadt weilt, hat das letzte Appartement im Wohntrakt der Asklepios-Klinik Richtung Schwartau. Das Fenster stand auf Kipp.

Plötzlich hörte der 50-Jährige merkwürdige Rufe von draußen. „Ich habe den Ton vom Fernsehen ausgemacht“, erzählt Ilja Scherbarth, „und dann habe ich ganz deutlich einen Hilferuf gehört. Für mich war sofort klar – raus und helfen!“ Und zwar blitzschnell. In Jogginghose, T-Shirt und Turnschuhen. Die winterlichen Temperaturen waren dem selbstständigen Tapezierer und Spezialisten für extravagante Tapeten egal. „Ich habe auch nicht darüber nachgedacht, ob mir etwas passieren könnte“, sagt Ilja Scherbarth, „ich wusste nur, dass da eine Person in einer Notsituation ist und Hilfe braucht – und da gibt es nichts weiter zu überlegen, da helfe ich.“

Gedacht habe er zunächst, dass eine Frau im dunklen Kurpark überfallen worden sei. Aber es war anders. Eine Spaziergängerin hatte entdeckt, dass eine Frau bewegungslos mitten in der Schwartau trieb. Von dieser Spaziergängerin kamen die Hilferufe, die Ilja Scherbarth gehört hatte. Als er zum Fluss gerannt kam, machte sie ihn sogleich auf die Frau im Wasser aufmerksam. „Ich bin sofort reingesprungen“, sagt der Berliner, der vor einigen Jahren eine Prüfung zum Rettungsschwimmer absolviert hat. Deshalb habe er gewusst, was zu tun ist. Scherbarth hat die Frau von etwa 80 Jahren ans Ufer gebracht. Sie war leicht bekleidet und hatte Blut im Gesicht, „sie war bei Bewusstsein, wirkte aber völlig verwirrt“, berichtet Scherbarth. Allerdings war die Uferböschung so steil, dass Ilja Scherbarth die Seniorin auch nicht mit Hilfe der Spaziergängerin auf den sicheren Wanderweg bringen konnte.

Klinik-Mitarbeiter rief die Feuerwehr

Ein Mitarbeiter der Klinik, der das Drama am nahegelegenen Fluss mitbekommen hatte und mit seiner Taschenlampe dazukam, alarmierte umgehend Feuerwehr und Notarzt. Diese Hilfe kam „sehr schnell“, sagt Scherbarth. Bis dahin stand er bis zur Hüfte im eiskalten Wasser und drückte sich gemeinsam mit der Spaziergängerin eng an die gerettete Frau, um ihr Wärme zu geben. „Mit vier oder fünf Mann von der Feuerwehr haben wir sie dann die steile Böschung hochbekommen“, schildert Scherbarth. Sofort wurde die Frau medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Ilja Scherbarth gaben die Retter eine Wärmedecke – noch bevor seine Frau mit warmen Sachen am Ort des Geschehens eintraf.

Zurück im Appartement, stellte sich Ilja Scherbarth erst einmal unter die heiße Dusche und zog sich frische Sachen an. „An Fernsehen oder ans Schlafen war nicht zu denken“, sagt Ilja Scherbarth, „ich bin dann mit meiner Frau erst einmal eine Runde spazieren gegangen, um das, was passiert ist, alles zu realisieren.“ Die Schürfwunden am Bein von den Ästen im Fluss hat er erst später bemerkt. „Aber das ist alles nicht schlimm und nicht wichtig“, sagt er. „Wichtig ist, dass die Frau das überlebt hat, und nicht, dass ich eine gute Tat vollbracht habe. Denn das, was ich gemacht habe, das sollte ganz normal und selbstverständlich sein.“ Scherbarth ist überzeugt davon, dass die Rettung der Frau nicht nur seinem selbstlosen Einsatz zu verdanken ist, sondern es sei eine Fügung glücklicher Umstände gewesen. „Denn wenn die Spaziergängerin nicht zufällig zu dieser Zeit dort gewesen wäre und das Fenster nicht auf Kipp gestanden hätte, dann hätte alles auch ganz anders ausgehen können.“

Wassergymnastik am Tag danach

Am nächsten Morgen war die erste Anwendung in der Klinik für Ilja Scherbarth Wassergymnastik. „War schon ein komisches Gefühl.“ Danach ist er in die Stadt zur Polizeistation gegangen. Ilja Scherbarth wollte sich nach der Frau erkundigen, die er gerettet hat. Da er jedoch nicht mit ihr verwandt ist, durfte ihm niemand Auskunft geben. Aber so viel konnte er in Erfahrung bringen: „Sie war eine Nacht auf der Intensivstation, danach wurde sie auf die normale Station verlegt – das heißt, sie lebt und es geht ihr besser. Und das ist eine gute Nachricht.“

Doreen Dankert

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