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Bad Schwartau Massive Kritik an Flüchtlingsunterkünften
Lokales Bad Schwartau Massive Kritik an Flüchtlingsunterkünften
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13:29 16.03.2019
Mit einer Kundgebung versuchten Flüchtlingsfamilien aus Bad Schwartau auf die Zustände in ihren Unterkünften aufmerksam zu machen. Quelle: Luisa Jacobsen
Bad Schwartau

Verstopfte Gemeinschaftstoiletten, die sich nicht abschließen lassen, schlechte Belüftung, Wasserlachen in der Gemeinschaftsküche, ein großer Riss in der Wand eines Gemeinschaftsraums: Flüchtlinge, die seit eineinhalb bis drei Jahren in den Gemeinschaftsunterkünften Stockelsdorfer Weg 68 und in der Containersiedlung Pohnsdorfer Straße untergebracht sind, wehren sich gegen die dortigen Bedingungen. Unterstützt werden sie von hiesigen Kirchenvertretern und dem Lübecker Flüchtlingsforum. Die Zustände seien „katastrophal“, heißt es vom Flüchtlingsforum. Es fehle in Bad Schwartau an einem tragfähigen und menschenwürdigen Konzept zur Unterbringung von Geflüchteten.

Neun Personen in zwei Zimmern

„Unsere Kinder können sich nicht konzentrieren“, sagt ein Bewohner der Unterkunft Stockelsdorfer Weg am Donnerstagabend bei einer Kundgebung vor dem Rathaus. „Die Lehrer beschweren sich, dass unsere Kinder im Unterricht immer müde sind.“ Eine syrische Mutter ergänzt im anschließenden Ausschuss für Bildung, Sport, Soziales und Kultur: „Ich habe sieben Kinder, mein Mann arbeitet Vollzeit, mein ältester Sohn auch, meine anderen Kinder gehen zur Schule. Wir leben zusammen in zwei Zimmern.“ Hausaufgaben zu machen und zu lernen, sei auch für ihre Kinder kaum möglich. Für ihre Unterkunft mit 60 Quadratmetern zahlen sie laut Flüchtlingsforum rund 1330 Euro Miete.

Die Zustände im Stockelsdorfer Weg sind in der Politik bekannt. Aktuell leben dort 27 Geflüchtete, von denen viele keine Asylbewerber mehr sind, sondern einen gültigen Aufenthaltstitel haben. „Sie können jederzeit in eine eigene Wohnung ziehen“, sagt Timo Michaelsen, Amtsleiter für den Bereich Bildung, Sport, Soziales und Kultur. Das Problem: Sie finden keine. Den Vorwurf, dass sich niemand um die Mängel vor Ort kümmere, weist Michaelsen aber von sich. „Da sind jede Woche Handwerker.“

Kirchenvertreter sind erschüttert über die Umstände im Stockelsdorfer Weg Quelle: HFR

Obdachlose und Flüchtlinge in der Containersiedlung

In der Containersiedlung an der Pohnsdorfer Straße gibt es noch ein anderes Problem. „Unsere Kinder und wir haben Angst nach draußen zu gehen“, berichtet ein Familienvater. „Hier gibt es Drogen und Alkoholismus.“ In den Containern hinter dem Gewerbegebiet Langenfelde wohnen derzeit 32 Menschen, zwölf davon sind Obdachlose. Tatsächlich ist die Zahl der aufgenommenen Obdachlosen (34 insgesamt) für Bad Schwartauer Verhältnisse aktuell ungewöhnlich hoch. Das bestätigt auch Timo Michaelsen am Donnerstagabend in der Ausschusssitzung.

Statistik: Geflüchtete in Bad Schwartau

275 Geflüchtete zählt die Stadt Bad Schwartau aktuell (Stand 1. März 2019). Die meisten (127) stammen aus Syrien. 107 der Aufgenommen sind minderjährig.

2019 konnte die Stadt aufgrund des Wohnraummangels keine Geflüchteten aufnehmen. Die vorgegebene Aufnahmequote des Kreises Ostholstein wird von Bad Schwartau aktuell nicht erfüllt.

Eine zügige Lösung für die Probleme ist nicht in Sicht. Zwar hat der Ausschuss die Verwaltung am Donnerstagabend einstimmig damit beauftragt, Mängel in den Unterkünften zeitnah zu beheben und die Außenanlagen freundlicher und nutzbarer zu gestalten, das eigentliche Problem – den fehlenden bezahlbaren Wohnraum – löst das aber nicht. „Ich möchte gern allen Menschen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen“, sagt Bürgermeister Uwe Brinkmann. Er könne es aber nicht. Erst kürzlich hat die Stadt die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft vorgeschlagen – mit dem Ziel auf drei Grundstücken insgesamt 100 Wohnungen zu bauen, von denen etwa 30 Prozent sozialer Wohnungsbau sein könnte. Ein Konsens wurde nicht erreicht.

Die Bad Schwartauer Kirchenvertreter und das Flüchtlingsforum appellieren deshalb weiter an die Verwaltung, nach Lösungen zu suchen. „Die Unterkünfte sind allenfalls als Provisorium geeignet“, sagt Pastor Frank Karpa. Pastorin Anne Rahe sagt: „Niemand kommt zur Ruhe“, sagt Anne Rahe. „Wie sollen Kinder in solch beengten Wohnverhältnissen konzentriert für die Schule lernen?“

Luisa Jacobsen

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