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Bad Schwartau Michael Imlau geht – Was wird aus der katholischen Gemeinde?
Lokales Bad Schwartau Michael Imlau geht – Was wird aus der katholischen Gemeinde?
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20:10 22.10.2016
Bad Schwartau

Pfarrer Michael Imlau ist sauer. „Nein, ich bin sogar verbittert“, gesteht der 65-Jährige. Der Grund: Er sei im Grunde genötigt worden, seinen Ruhestand als katholischer Geistlicher zehn Jahre vorzeitig zu beginnen. Normalerweise sind katholische Pfarrer bis 75 in Amt und Würden, doch Michael Imlau wird am 13. November seinen letzten Arbeitstag haben als katholischer Pfarrer in der katholischen Kirchengemeinde Bad Schwartau. Hier wird er bei seinem Abschiedsgottesdienst das letzte Mal predigen. In Timmendorfer Strand, was auch zu seinem Pfarrbereich gehört, tut Imlau das schon eine Woche früher.

„Wenn Laien eine Beerdigung halten, werden die Leute sich zurückgesetzt fühlen. Ich fürchte, das wird im Chaos enden.“Pfarrer Michael Imlau

Seine Umzugskartons in seiner Wohnung im Pfarrhaus in der Geibelstraße sind fast alle gepackt. Bis zum 13. November wird alles in seiner neuen Wohnung in Hamburg sein, sagt Imlau. „Und direkt nach dem Gottesdienst werde ich meine Schlüssel übergeben.“

Aber an wen? So genau wisse Imlau das auch nicht, denn eines steht fest: „Es wird keinen Nachfolger geben hier in Bad Schwartau“, so Imlau. Denn die Pfarrämter bekommen einen neuen, viel größeren Zuschnitt mit neuen Zuständigkeiten. Die Bad Schwartauer und auch Timmendorfer und Niendorfer Katholiken, für die Imlau bis dato zuständig ist, werden sich dann wiederfinden in der neu gegründeten Lübecker Pfarrgemeinde mit dem Namen Zu den Lübecker Märtyrern. Die zuständige Pfarrkirche ist dann die Lübecker Herz-Jesu-Kirche. Insgesamt werden, so Imlau, sechs Pfarrkirchen in diesem Zuge aufgelöst und der neuen Lübecker Pfarrgemeinde zugeschlagen. Der zuständige Pfarrer ist dann Christoph Giering. Dieser soll noch drei Hilfspriester an seine Seite bekommen. „Eigentlich soll er sechs Hilfspriester bekommen“, so Imlau, „aber weil so ein Priestermangel herrscht, hat er nur drei“. Und Michael Imlau macht kein Geheimnis daraus, dass er alles andere als amüsiert ist über das, was da in der katholischen Landschaft Norddeutschlands als Strukturreform bezeichnet wird. „Ich habe den Eindruck, dass der Priestermangel sogar noch gefördert wird“, so Imlau, „denn ich könnte nämlich noch sehr gut und lange in meinem Amt bleiben“. Doch der zuständige Erzbischof habe den vorzeitigen Abschied von Imlau in den Ruhestand gewollt. Und auch den Wegzug von Imlau aus seinem noch aktuellen Pfarramt. Das werde von den Pfarrern immer verlangt, so Imlau, damit der Nachfolger es leichter habe, Kontakt zu den Mitgliedern der Kirchengemeinde aufzubauen.

Einen Nachfolger, den es für die rund 1100 Katholiken in Bad Schwartau so, wie es ihn bisher gegeben hat, nicht mehr geben wird.

Da sein wird dann also Pfarrer Christoph Giering, der sich dann irgendwie organisieren muss in einem Gebiet von Nordwestmecklenburg bis Haffkrug, welches vor 16 Jahren, als Imlau in Bad Schwartau sein Amt antrat, noch elf Pfarrkirchen zählte. Da könne man sich dann ausrechnen, wie oft der Pfarrer in Bad Schwartau die Sonntagspredigt halten wird. Deswegen wird es in Bad Schwartau einen Kunstgriff geben – das sei schon beschlossene Sache, sagt Imlau: Ab dem ersten Advent soll es immer am Vorabend des Sonntags um 17 Uhr eine Heilige Messe in der katholischen Kirche von Bad Schwartau geben. Pensionierte Priester sollen demnach als Aushilfen im Rahmen ihrer Möglichkeiten dabei helfen, diese Heiligen Messen zu gestalten.

Für die Zusammenlegung der katholischen Pfarrkirchen hat Imlau eine knallharte Beschreibung: „Das ist eine Kolchoisierung der Pfarrei-Struktur. Das ist so, wie damals mit den Bauern in der DDR, die ihren Hof abgeben mussten, um große landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen.“

Tatsache ist, dass die katholische Kirche in Bad Schwartau in Zukunft anders geführt wird, als bisher. Michael Imlau fürchtet, dass es zu Austritten kommen wird.

Michael Imlau verrät noch ein paar weitere Zukunftspläne, die anderswo in Deutschland in katholischen Gemeinden bereits praktiziert werden. Dass Beerdigungen zum Beispiel von geschulten Laien gemacht werden, wenn der Priester gerade nicht kann. „Die Bürger werden sich zurückgesetzt fühlen“, so Imlau, „und ich fürchte, das wird im Chaos enden“.

 Doreen Dankert