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Bad Schwartau Premiere: Planspiel zur Zukunft des Netzausbaus
Lokales Bad Schwartau Premiere: Planspiel zur Zukunft des Netzausbaus
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10:52 09.01.2019
Runder Tisch - das Herzstück bei der Premiere des Planspiels Zukunft Netzausbau an der Cesar-Klein-Schule Ratekau: Eine elfte Klasse diskutiert am 8. Januar 2019. Quelle: Doreen Dankert
Ratekau

Kinder lernen durch das Spielen. Die Schüler der 11. Klasse der Cesar-Klein-Schule (CKS) Ratekau sind zwar längst keine Kinder mehr, aber trotzdem haben sie am Dienstag gespielt: ein ganz neues Planspiel zur Zukunft des Netzausbaus. Und dass ausgerechnet dieses Thema, das im Schlagschatten der in der Region geplanten 380-kV-Hochspannungsleitung gegenwärtig den Nerv vieler Bürger trifft, ausgewählt wurde für ein Planspiel, ist kein Zufall. Premiere dieses für Schulen maßgeschneiderten Planspiels war an der CKS, über ein weiteres Dutzend Schulen werden folgen – unter anderem das Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau.

Eindrücke vom Planspiel der 11. Klasse an der CKS Ratekau am 8. Januar 2019

So haben die Schüler der 11. Klasse der CKS dem Thema „Zukunft Netzausbau in Schleswig-Holstein“ einen ganzen Tag gewidmet – und zwar auf eine ganz besondere Weise. Keine Faktenberieselung, sondern knallharte Argumentation auf Basis von fundierten Fakten – ganz so wie im wahren Leben, wenn ein Tauziehen bei der Durchsetzung verschiedener Interessen herrscht. Geografielehrer Heiko Kügler hat dieses Planspiel, das von Jan Roessel von der Deutschen Gesellschaft in Berlin geleitet und von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz in Schleswig-Holstein (EKSH) finanziert wird, für seine Schüler an Land gezogen. Kügler will dieses Thema in seinem Unterricht mit diesen Schülern weiterbehandeln bis zum Ende ihrer Schulzeit – also noch knapp drei Jahre. „Es geht hier für die Schüler auch darum“, erklärt Kügler, „die Fähigkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe zu entwickeln und sich eine eigene Meinung zu generieren. Und das bedeutet, Dinge auch aus mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, um die andere Seite besser verstehen zu können.“

Planspiele sind Rollenspiele. Ein bisschen wie im Theater. Jeder der gut 20 Schüler bekam per Los eine der zehn verschiedenen Rollen (Landesregierung, Landrat, Bundesnetzagentur, Netzbetreiber Tennet, Landesverband der erneuerbaren Energien, IHK, Kreisbauernverbände, Bürgerinitiative gegen Strom, Nabu und Moderator) und dazu gleich einen ausgedachten Namen. „Denn es geht bei dem Spiel nicht um die persönliche Ansicht des Schülers zu dieser Sache, sondern darum, dass jeder für die Rolle argumentiert, die er im Spiel hat“, erklärt Jan Roessel.

Und so wurde an der CKS die Diskussion um den Netzausbau in Schleswig-Holstein, die in der Realität schon Jahre dauert, im Zeitraffer absolviert. Diskussionsgrundlage war aber nicht der Original-Plan der 380-kV-Trasse, sondern eine fiktive Trasse: einmal als Vorzugsvariante, einmal als Alternativkorridor von Norderstedt bis Heide. Nach einem Einfinden in das Thema mit Zahlen- und Faktenmaterial, Einzel- und Kleingruppengesprächen mit Jan Roessel und Stefan Brumm von der EKSH, Vorabdiskussionen unterschiedlicher Interessenlager untereinander und dem Suchen und Zurechtlegen überzeugender Argumente schlug die große Stunde dieses Planspiels: die Diskussion am Runden Tisch. Und diese hat sogar Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) als Zuschauer mit Spannung erwartet.

Schnell wird klar, dass die Fraktion von Netzbetreiber Tennet die Adresse ist, die von allen Seiten Widerstand und Druck aushalten muss. Sander Schlie und Niklas Ohm übernehmen die Rolle von Tennet. „Ja“, gesteht Sander Schlie, „in der Rolle von Tennet muss man sich schon ganz schön behaupten. Und man muss dabei ruhig bleiben, sonst kommt man unseriös rüber.“ Als die Vertreter der Bürgerinitiative von Tennet fordern, die Hochspannungstrasse weiträumig am Wald von Kellinghusen vorbeizubauen, zeigt sich Tennet kooperativ. Niklas Ohm als Tennet-Mann erklärt gelassen: „Klar, wir können die Route ändern. Geplant ist sie allerdings nicht ohne Grund so. Wir können die Route auch 50 Kilometer weiter bauen, dann geht die über Wacken. Und ob die das da dann mit ihrem Festival so gut finden, das ist dann die Frage.“

Weitere Termine an Schulen

An folgenden Schulen in der Region wird dieses Planspiel ebenfalls auf der Tagesordnung stehen: Baltic-Schule Lübeck (17. Januar), Gymnasium am Mühlenberg Bad Schwartau (24. Januar), und Inselschule Fehmarn (12. März). Zu diesem Planspiel wird es vor den Sommerferien eine Abschlussveranstaltung im Plenarsaal der Landesregierung in Kiel geben. Delegationen von jeder am Planspiel beteiligten Schule werden nach Kiel fahren. Dort werden dann auf dem Podium die echten Vertreter von Landesregierung und Co am Runden Tisch sitzen und über den Netzausbau diskutieren. Schulen können sich noch anmelden für eine Teilnahme an dem Planspiel bei Jan Roessel per Mail an jan.roessel@deutsche-gesellschaft-ev.de

Thomas Keller zeigt sich beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und der Diskussionsfreunde am Runden Tisch. Aber wie nah ist dieses Planspiel an der Realität? „Sehr nah“, bestätigt Keller. Doch während es in der Realität noch kein endgültiges Ergebnis gibt, sind die Schüler in Ratekau schon weiter: In ihrem Planspiel einigen sie sich auf den Bau der Trasse – allerdings auf dem Alternativkorridor, aber ohne Erdverkabelung.

Doreen Dankert

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