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Bad Schwartau Aus Sicherheitsgründen: Bahn sperrt Weg – nach 60 Jahren
Lokales Bad Schwartau Aus Sicherheitsgründen: Bahn sperrt Weg – nach 60 Jahren
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18:45 05.06.2019
Die Bahn hat einen Pfad nahe dem Gleis in Pansdorf gesperrt. Bürgermeister Thomas Keller, Kita-Leiterin Christiane Schumacher (v.r.), Heinz-Klaus Drews (Kirchengemeinderat), Elternvertreterin Meike Krause und Liegenschaftssachbearbeiter Dieter Uken können das nicht verstehen. nachvollziehen. Quelle: Luisa Jacobsen
Pansdorf

Seit gut 60 Jahren gibt es in Pansdorf einen Trampelpfad nahe den Bahngleisen, der von den Einwohnern des Dorfes als Verbindung in ein Waldstück gern genutzt wurde. Bis vor zwei Jahren. Der Eigentümer, die Deutsche Bahn, hat den Weg sperren lassen. Jetzt scheiterten auch die letzten Versuche der Gemeinde, den Pfad wieder begehbar zu machen. Auswirkungen hat das vor allem auf einen nahe gelegenen Kindergarten. Die Waldkinder der evangelischen Kita „Kleine Raupe“ können jetzt nämlich nicht mehr in den Wald gehen. Der Bürgermeister der Gemeinde Ratekau, die Kita-Leiterin und Gemeindevertreter sind sauer.

Träger der Kita zahlt für ein Stück Wald, das nicht genutzt werden kann

„Das ist schon ziemlich ärgerlich“, sagt Bürgermeister Thomas Keller. „Das ist schon ein bisschen merkwürdig“, sagt eine Spaziergängerin. „Das ist schon irgendwie ein Schildbürgerstreich“, sagt Kita-Leiterin Christiane Schumacher. Die Situation: Ein rund 150 Meter langer Pfad entlang der Schienentrasse zwischen der Straße am Ehrenmal und einem Bahnübergang an der Straße Packan diente den Pansdorfern seit geraumer Zeit als Abkürzung in den Wald. Laut Bürgermeister Thomas Keller sperrte die Bahn diesen Weg vor rund zwei Jahren, nachdem die Gemeinde auf Mängel aufmerksam gemacht hatte; einen kaputten Abgrenzungszaun und in den Weg wuchernde Vegetation. Seither weisen zwei Schilder an den Enden des Weges auf das Begehungsverbot hin.

In Pansdorf können die Kinder aus der Kita „Kleine Raupe“ nicht mehr in den Wald gehen. Die Bahn hat den Weg gesperrt, der Umweg führt über eine viel befahrene Straße ohne Fußweg.

Für die Waldgruppe der Kita und den Träger der Einrichtung eine denkbar ungünstige Situation – zumal: „Wir zahlen monatlich 250 Euro an die Landesforsten für ein Waldgelände, auf dem sich die Kinder eigentlich aufhalten sollen“, sagt Heinz-Klaus Drews aus dem Kirchengemeinderat. Theoretisch könnte die Kita-Gruppe auch einen anderen Weg nehmen, dann dauert der Fußmarsch für eine Wegstrecke laut Kita-Leiterin Schumacher aber eine satte Stunde und verläuft obendrein noch an einer viel befahrenen Straße ohne Fußweg vorbei. „Das ist zu gefährlich“, sagt Schumacher.

Gemeinde wollte für Vertrag die Mitnutzung des Weges erreichen

Die Lösung der Gemeinde: „Eigentlich wollten wir den Weg gern erwerben oder pachten“, sagt Keller. Das habe die Bahn aber nicht zugesagt. Stattdessen einigte man sich auf einen sogenannten Gestattungsvertrag, der die öffentliche Mitbenutzung des Weges regelt. Die Vertragsinhalte wären laut dem Bürgermeister finanziell und in Sachen Aufwand für die Gemeinde wenig vorteilhaft gewesen. Trotzdem habe man zugesagt und sich – nach Bereitstellung aller Gelder (immerhin 20 000 Euro einmalige Kosten plus „Prüfentgelt“ in Höhe von 2142 Euro plus künftige Instandhaltungs-Ausgaben) Anfang April auf einen unterschriftsreifen Vertrag geeinigt. „Zu unserer Überraschung wurde aber am 14. Mai in einer kurzen Mail und ohne weitere Erläuterung mitgeteilt, dass der Gestattung aus Sicherheitsgründen nicht zugestimmt werden kann“, sagt Keller. Die Sperrung blieb bestehen.

Begehungsverbot nur für kurzen Wegabschnitt

Dass die Absage aus Gründen der Sicherheit erteilt wurde, finden die Betroffenen aus zwei Gründen erstaunlich. Erstens: Der Trampelpfad ist viel länger als der Abschnitt, den die Kinder aus der „Kleinen Raupe“ immer gegangen sind. Hinter dem Bahnübergang Packan verläuft der Pfad weiter und nach den Unterlagen der Gemeinde gehört auch dieses Gelände der Deutschen Bahn. Dort aber ist kein Begehungsverbot ausgewiesen. Und: Der Gestattungsvertrag hätte die Gemeinde verpflichtet, auf dem betroffenen Wegstück einen hohen und stabilen Zaun als Abgrenzung zum Gleis und als Abgrenzung zur anderen Seite des Weges, wo ein Abhang hinunter in den Wald verläuft, zu errichten. In den Jahrzehnten zuvor und auch jetzt noch besteht die Abgrenzung zu beiden Seiten aus einem teilweise kaputten etwa hüfthohen Drahtzaun.

Bahn: Sperrung muss bestehen bleiben

Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst erklärt, dass die Sperrung aufgrund von „Absturzgefährdung und Stolpergefahr“ eingerichtet wurde. Die Gefahr sieht das Unternehmen in dem Abhang. Daher gelte das Begehungsverbot auch nicht weiter in nördlicher Richtung. Die Arbeiten zur Sicherung des Weges könnten „einen erheblichen Eingriff in den Bahndamm“ bedeuten. Man prüfe die Möglichkeit einer deutlicheren Absperrung. Der Bürgermeister hört davon zum ersten Mal: „Ich dachte, die Gefahr besteht in der Nähe zum Gleisbett, darüber muss man doch mal reden.“ Trotz der Aussage der Bahn hofft er, dass nach 60 Jahren, in denen es keine Probleme mit dem Trampelpfad gegeben habe, doch noch eine Lösung gefunden wird.

Luisa Jacobsen

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