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Bad Schwartau Radfahrer sichtet zwei Wölfe auf Acker bei Dissau
Lokales Bad Schwartau Radfahrer sichtet zwei Wölfe auf Acker bei Dissau
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17:31 24.04.2019
Symbolfoto von Wölfen. Zwei Wölfe wurden Ostersonntag bei Dissau gesichtet. Quelle: Tilo Wallrodt
Stockelsdorf/Dissau

Das war mal eine ganz spezielle Osterüberraschung für einen Dissauer am Ostersonntag. Gegen 11.30 Uhr war der Mann mit seinem Fahrrad auf dem befestigten Rundweg um Dissau über die Felder unterwegs, als er plötzlich zwei Wölfe auf dem Acker entdeckte. Die erste Adresse für Beobachtungen dieser Art ist der Stockelsdorfer Hegeringleiter Martin Pieper, der ebenfalls in Dissau wohnt. Dass hier Wölfe schon mal gesichtet werden, hält Pieper durchaus für denkbar. Schließlich gibt es mit dem vor einigen Jahren bei Eutin überfahrenen Wolf sogar eindeutige Nachweise, dass Wölfe in diesen Breiten unterwegs sind. Auch bei Eckhorst in der Wüstenei wurde vor einigen Jahren bereits ein Wolf beobachtet (die LN berichteten). Und jetzt in Dissau.

Dorfbewohner gehen entspannt mit der Nachricht um

„Passiert ist hier aber nichts“, sagt Pieper, es seien keine Nutztiere gerissen oder aufgeschreckt worden. „Der Wolf ist von Hause aus ein Fluchttier“, erklärt Pieper, „der meidet den Menschen.“ Deswegen habe die Nachricht von den beiden Wölfen in Dissau unter den Dorfbewohnern auch keine Panik ausgelöst, so der Hegeringleiter, der sich am Tag danach in der Gaststätte „Dissauer Hof“ ein kleines Bild von der Stimmungslage zur Wolfssichtung gemacht hat. „Die Bürger in Dissau sehen das ziemlich entspannt“, sagt Pieper.

Fakten und Zahlen: Zwei Wölfe auf einem Acker bei Dissau am Ostersonntag gesehen.

Tierbesitzer wurde informiert

Nichtsdestotrotz haben Martin Pieper und auch der Dorfvorsteher Jörg Meyer sämtliche Tierbesitzer in der Dorfschaft informiert, damit diese gegebenenfalls Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Allen voran die Familie Ecvi, die seit vielen Jahren Schafe züchtet und die Herde bei dem milden Wetter bereits auf die Weide gebracht hat. „Martin Pieper hat uns sofort informiert“, sagt Necat Ecvi, „und jetzt machen wir das so, dass wir abends die Schafe zurückholen von der Weide, so dass nachts alle im Stall sind.“ Immerhin sind auch etliche Lämmer dabei – im Falle eines Falles leichte Beute für einen Wolf. Der Wolf meidet zwar die Menschen, aber nicht Nahrung. Und dazu gehören auch Schafe, wenn die Situation günstig ist für den Isegrim.

Schafzüchter holt Herde jede Nacht in den Stall

Die Schafe nachts im Stall einzuquartieren, das sei alles, was Necat Evci machen könne als Schutz vor dem Wolf. „Mehr kann ich nicht tun. Wie soll ich vorsichtig sein?“

Wie begrenzt der Schutz von Schafherden vor Wölfen ist, das zeigen die jüngsten Vorfälle vor wenigen Tagen im Lauenburgischen (die LN berichteten). Zuletzt wurde dort am Sonnabend mutmaßlich von einem Wolf in Klinkrade ein Muttertier und ein Lamm getötet. Genau einen Tag später wurden zwei Wölfe auf dem Acker bei Dissau gesehen. „Wölfe legen große Strecken an einem Tag zurück“, erklärt Pieper, „die können 30 oder 40 Kilometer pro Tag schaffen.“ Martin Pieper geht ganz stark davon aus, „dass die beiden Wölfe von Dissau nur auf der „Durchreise“ waren. Wir haben hier nicht genug Wald so wie im Lauenburgischen, deswegen halten die sich hier nicht lange auf.“ Nach einer Wolfsfährte zu suchen auf dem Dissauer Acker, das bringe nichts, meint Pieper. „Es ist viel zu trocken, deswegen sind keine Spuren zu finden.“

Zaun bietet keinen Schutz vor Wolf

In Arfrade, nur fünf Kilometer von Dissau entfernt, hat Rolf Dohse seine kleine Angus-Rinderherde mit fünf kleinen Kälbern – darunter Drillinge (die LN berichteten) auf der Weide. „Ein Zaun hält einen Wolf nicht ab“, sagt Dohse, „wirklich schützen kann man Tiere auf der Weide nicht vor einem Wolf.“ Die größte Gefahr sei, so der Angus-Züchter, „dass die Rinder aus Angst durchdrehen und die dann auch nicht so einfach wieder einzufangen sind.“ Bislang habe Dohse jedenfalls keinerlei Verhaltensauffälligkeiten in seiner Herde feststellen können.

Der Rundweg über die Felder bei Dissau „ist ein sehr beliebter Spazierweg“, sagt Martin Pieper. Und diesen könne man auch weiterhin ohne Bedenken und Angst vor dem Wolf benutzen. „Allerdings sollte man seinen Hund dort anleinen“, mahnt der Hegeringleiter. Die Wahrscheinlichkeit, dort bei einem Spaziergang einen Wolf zu sehen, hält Pieper für „sehr gering“. Aber Rehe oder Hasen kann man dort schon gelegentlich mal antreffen. Und diese Tiere könnten dann den Jagdinstinkt der Hunde wecken.

„Der Dissauer, der die Wölfe gesehen hat, hat uns gesagt“, so schildert es Jörg Meyer, „dass die Wölfe gleich weitergelaufen sind, als sie ihn gesehen haben. Es bestand keinerlei Gefahr.“

Doreen Dankert

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